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#wirvsvirus: Über tausend Lösungen zur Coronakrise | BR24

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Ein Hackathon gegen die Coronakrise: 43.000 Teilnehmer haben am Wochenende durchgearbeitet, um digitale Lösungen im Kampf gegen das Virus zu entwickeln. Mit Erfolg.

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#wirvsvirus: Über tausend Lösungen zur Coronakrise

Ein Hackathon gegen die Coronakrise: 43.000 Teilnehmer haben am Wochenende durchgearbeitet, um digitale Lösungen im Kampf gegen das Virus zu entwickeln. Mit Erfolg.

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Freitagnachmittag. Louis Mappes würde jetzt gerade eigentlich im Zug nach Karlsruhe sitzen, um das Wochenende mit seiner Familie zu verbringen. Stattdessen wird der 26-Jährige zusammen ein paar Kollegen das ganze Wochenende durcharbeiten. Für die Bundesregierung. Ehrenamtlich.

"Wir können eh nichts anderes machen als zuhause zu sitzen und uns zu beschäftigen. Warum dann nicht gleich mit etwas beschäftigen, was vielleicht allen in dieser Situation helfen kann?“ Louis Mappes, Hackathon-Teilnehmer aus München

Fast 43.000 Hackathon-Teilnehmer

So wie Louis Mappes nehmen laut Veranstalter fast 43.000 Teilnehmer am "WirvsVirus”-Hackathon teil. Das Ziel: die vielfältigen Probleme der Coronakrise zu lösen. Für Louis und viele andere Teilnehmer ist es der erste Hackathon. Ein Hackathon ist ein Ideenwettbewerb, bei dem Teams aus Programmieren und Kreativen in kurzer Zeit Ideen entwickeln sollen. Normalerweise treffen sich die Teilnehmer an einem bestimmten Ort, aufgrund der Coronakrise muss es an diesem Wochenende rein digital funktionieren – dank zahlreicher Kommunikationsplattformen.

Sieben digitale und soziale Initiativen haben den Hackathon zusammen mit der Bundesregierung organisiert - innerhalb einer Woche. Vorbild ist ein Hackathon in Estland, der bereits vergangene Woche stattgefunden hat. Das Interesse an #wirvsvirus war seit der Ankündigung vergangenen Mittwoch sehr groß. Mit über 40.000 Teilnehmern zum Start am Freitagabend hat aber niemand gerechnet. Die Staatsministerin für Digitales Dorothee Bär schwärmt beim Auftakt des Hackathons per Video-Konferenz:

"Das würde die Bundesregierung nie alleine schaffen. Tausend Dank im Namen der ganzen Bundesregierung, auch der Bundeskanzlerin. Wir sind euch wahnsinnig dankbar.“ Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales

Über 700 Herausforderungen

Während Bär spricht, schreiben viele Teilnehmer bereits im Livechat bei YouTube: #wirwollencoden. Die Teilnehmer können kaum erwarten, endlich loszulegen. Wie können alle Bürger mit Lebensmitteln versorgt werden? Wie optimieren wir Corona-Testprozesse? Über 700 solcher Herausforderungen wurden im Vorfeld eingereicht. Die Organisatoren haben sie zu 48 Themenkomplexen zusammengefasst. Die Entscheidung, zu welchem Thema sie jetzt eine Lösung entwickeln sollen, fällt Louis und seinem Team erst einmal schwer. Sie stimmen sich erst einmal ab, wer im Team welche Aufgabe übernimmt. Louis arbeitet hauptberuflich im Marketing und kümmert sich deshalb um den Aufbau einer Webseite.

© Louis Mappes

Einer von fast 43.000 Teilnehmern beim Hackathon #wirvsvirus: Louis Mappes aus München.

Wie kann die digitale Anamnese von Corona-Infizierten verbessert werden?

Samstagmittag ist klar, was auf dieser Webseite gezeigt werden soll. Das Team von Louis will die digitale Anamnese von potentiell Corona-Infizierten verbessern. Die Idee: Ein Symptom-Tracker. Nutzer füllen vorab einen Fragebogen aus, in dem sie ihr Alter und ihre Vorerkrankungen angeben. Anschließend führen sie ein Tagebuch, tragen die auftretenden Symptome täglich ein. So kann der Krankheitsverlauf über einen längeren Zeitraum dokumentiert werden. Wer will, kann die Daten im Anschluss mit Ärzten, Gesundheitsämtern teilen.

In einem zweiten Schritt soll künstliche Intelligenz Muster im Krankheitsverlauf identifizieren, sodass ein Frühwarnsystem etabliert werden kann. Wer zur Risikogruppe gehört und bestimmte Symptome aufweist, soll dann per App benachrichtigt werden, um sich rechtzeitig zurückziehen zu können.

Konstruktiver Ton statt Hass und Hetze

Louis ist gut gelaunt, fühlt sich produktiv. Die positive Energie der Teilnehmer ist während des gesamten Hackathons in den sozialen Netzwerken zu spüren. Wo sonst oft auf eine Idee mit Hass und Beleidigungen reagiert wird, ist der Ton an diesem Wochenende auffällig konstruktiv, ja geradezu liebevoll. Am Sonntagabend werden rund 1.500 Projekte eingereicht. Schirmherrin Dorothee Bär ist rundum zufrieden:

"Für uns ist es überwältigend, was die Zahlen und die Projekte betrifft. Und für die Bundesregierung ist spannend, dass wir gelernt haben, dass man auch ganz schnell Entscheidungen treffen kann. Das kann aus meiner Sicht Schule machen und hat das Internet zu einem besseren Ort gemacht.” Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales

Bürger können über die besten Projekte abstimmen

Eine Webseite, ein erster Prototyp und ein Video, in dem Louis die Idee erklärt. Um 19 Uhr sind auch er und sein Team pünktlich fertig - und zufrieden. "Es hat viel Spaß gemacht. Gegen Ende war es auch noch einmal richtig fokussiert und produktiv“, resümiert Louis.

Welches Projekt das Beste ist – darüber sollen die Bürger abstimmen können. Außerdem bewerten sogenannte Projekt-Mentoren die Ideen. Bis nächsten Sonntag will eine Jury dann gewisse Projekte auszeichnen - und entscheiden, wie aus einem durchgearbeiteten Wochenende nachhaltig etwas Gutes entstehen kann.