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Wirtschaftsprofessor und Handwerker: Das neue AfD-Führungsduo | BR24

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Die AfD hat einen neuen Vorstand. Nachdem Alexander Gauland nicht mehr antrat, war die Wahl beim Bundesparteitag in Braunschweig auch eine Richtungsentscheidung. Jörg Meuthen wurde wiedergewählt. Co-Chef wurde Tino Chrupalla, Gaulands Favorit.

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Wirtschaftsprofessor und Handwerker: Das neue AfD-Führungsduo

Die AfD hat eine neue Führung gewählt. Auf dem Parteitag in Braunschweig bestätigten die Delegierten ihren Vorsitzenden Jörg Meuthen im Amt. Nachfolger von Co-Chef Alexander Gauland wird dessen Wunschkandidat, der gelernte Maler Tino Chrupalla.

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Tino Chrupalla gibt sein Polit-Motto schon zu Beginn seiner Bewerbungsrede vor: "Ich bin kein Mann der vielen Worte, ich bin ein Mann der Tat."

Chrupalla ist 44 Jahre alt und von Beruf gelernter Lackierer und Maler: Er kommt aus der Oberlausitz in Sachsen und sitzt seit 2017 für die AfD im Bundestag. Der neue Bundessprecher wird Nachfolger in diesem Amt von Alexander Gauland, dessen Wunschkandidat er war.

AfD zielt auf Mitte der Gesellschaft

Mit seiner Biografie als Handwerker und Ostdeutscher will der AfD-Politiker punkten: "Das größte Wählerpotenzial sehe ich im bürgerlich-konservativen Lager. Bei den Menschen, die keine politische Heimat mehr haben, weil die konservativen Parteien sie verraten haben, bei den Menschen, die im Dunkeln aufstehen, zu ihrer Arbeit fahren und im Dunkeln wieder nach Hause kommen. Bei den Handwerkern und mittelständischen Unternehmen, die ausgespresst werden wie eine Zitrone."

Chrupalla will die Mitte der Gesellschaft ansprechen. Der Makel an seiner Wahl: nur 54,5 Prozent der Parteitagsdelegierten gaben ihm die Stimme. Die Entscheidung fiel erst in einer Stichwahl gegen seinen Bundestagskollegen Gottfried Curio.

Chrupallas Vokabular: "Umvolkung" und "Islamisierung"

Intern gilt Chrupalla als Kandidat des völkischen Flügels. Obwohl er offiziell kein Mitglied ist, trat er immer wieder beim Flügel auf, auch Steven Bannon soll Chrupalla in Berlin schon getroffen haben. Begriffe wie "Umvolkung", "Islamisierung" oder "Klimahype" nutzt der neue Bundessprecher immer wieder, für unliebige Journalisten wollte er in seinem Kreisverband auch mal eine schwarze Liste aufsetzen lassen. Rhetorisch gilt Chrupalla aber nicht gerade als Naturtalent.

Die Bayerische AfD-Parteichefin Corinna Miazga etwa macht keinen Hehl daraus, dass ihr eine Wiederwahl Gaulands zum Wohl des Parteifriedens lieber gewesen wäre: "Weil eben diese beiden Lager jetzt aufeinander geprallt sind und wir wirklich jetzt diese knappe Entscheidung haben. Ich habe Sorge, dass es jetzt eventuell wieder Reibereien geben könnte."

Meuthen mit 69 Prozent wiedergewählt

Zuvor war in Braunschweig der bisherige Bundessprecher Jörg Meuthen von den Delegierten wiedergewählt worden. 69 Prozent gaben ihm die Stimme, vor zwei Jahren waren es noch 72 Prozent. Meuthen formulierte in der Volkswagenhalle seine Ziele deutlich: "Wir müssen nun regierungswillig und -fähig werden. Das ist die Aufgabe für die nächsten zwei Jahre."

Der 58-jährige Wirtschaftsprofessor will darum die AfD weiter professionalisieren und auf einem wirtschaftsliberalen Kurs halten. Meuthen sagt, er wolle daher eine klare Distanzierung von rechten Tendenzen: "Ich werde mein Gesicht nicht für eine Partei hergeben, die schleichend in die Tolerierung extremistischer Positionen abrutscht. Ich sage das klar und deutlich: Für eine Rechtsaußen-Partei stünde ich nicht zur Verfügung, für eine wahrhaft konservative, freiheitliche und patriotische Partei aber aus vollster Überzeugung."

Alice Weidel steigt in Parteihierarchie auf

Bayerische Landtagsabgeordnete wie Gerd Mannes aus Günzburg erhoffen sich mit Meuthen Kontinuität an der Spitze: "Die Seriösität, die Meuthen ausstrahlt, die Gelassenheit einerseits und die Aggressivität in der Sache andererseits dafür steht er."

Keine persönlichen Verwerfungen an der Spitze, ein geordneter Machtübergang von Gauland auf Chrupalla: Die AfD scheint aus den turbulenten Gründungsjahren gelernt zu haben. An ihrem rechtsnationalen Kurs will die Partei festhalten, doch gleichzeitig auf die Mitte der Gesellschaft zielen, mit Wirtschaftsthemen wie Steuerentlastung und einem Eintreten für die deutsche Industrie. Wie das gelingen soll, scheint schleierhaft.

Zumal hinter der neuen Doppelspitze aus Professor und Handwerker mit Alice Weidel eine machtbewusste und provokante Frau als erste Stellvertreterin gewählt wurde. Ein Aufstieg in der Hierarchie, der Weidels Spielraum deutlich erhöht. Ruhig dürfte es in dieser Konstellation um die AfD jedenfalls nicht werden.

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Die AfD-Delegierten haben Tino Chrupalla zum Nachfolger des scheidenden Parteivorsitzenden Alexander Gauland gewählt. Das ist nicht nur ein Generationenwechsel. BR-Reporterin Birgit Schmeitzner mit ihren Eindrücken vom AfD-Parteitag in Braunschweig.