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Wird Manfred Weber der mächtigste Mann in Europa? | BR24

© picture-alliance/dpa

Manfred Weber, stellvertretender CSU-Vorsitzender und Chef der EVP-Fraktion im Europaparlament

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Wird Manfred Weber der mächtigste Mann in Europa?

Er ist stellvertretender CSU-Vorsitzender und Chef der EVP-Fraktion im Europaparlament. Nächste Woche entscheidet sich, ob Manfred Weber Europas Konservative bei der Europawahl 2019 anführt. Dann hat er gute Chancen EU-Kommissionspräsident zu werden.

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Manfred Weber will hoch hinaus. Anfang November soll die Europäische Volkspartei (EVP), der Zusammenschluss der Konservativen, Manfred Weber zum Spitzenkandidaten für die Europawahl küren. Gewinnt er, könnte ihn das zum Kommissionpräsidenten, zum mächtigsten Mann der EU machen. Wer ist dieser Mann, der auf eher leisen Töne an die Macht strebt?

Manfred Webers Heimat ist Niederbayern

Er kommt aus dem 1.300-Seelen-Dorf Wildenberg in Niederbayern. Dort ist er allen als "Manfred" bekannt. Im Sportheim hatte er schon große Auftritte mit seiner damaligen Band, den "Peanuts". Das waren die Brüder Claus und Toni Atzenbeck und Manfred Weber an der Gitarre. Claus Atzenbeck erinnert sich: "Die Rolle vom Manfred war meist vermittelnder Art. Wenig Konflikte, eigentlich gar keine. Er war immer der, der vermittelt, argumentiert hat, Kompromisse geschlossen hat."

Landtag und dann Europa

Mit 30 kommt Weber in den Landtag. Schnell genießt er Wertschätzung. Auch beim damaligen Fraktionschef Alois Glück, der sich erinnert: "Umso mehr hat uns überrascht, dass einer, der grad so dabei ist, sich in der Landtagspolitik zu etablieren und der Perspektiven gehabt hätte, sich dann für Europa entschieden hat. Hat wieder gezeigt: Der Mann hat einen Horizont, hat Interessen. Und ist motiviert für das, was er für wichtig hält."

Im Bayerischen Landtag blieb er nur zwei Jahre. Dann zog es ihn ins Europäische Parlament. Heute ist er Fraktionsvorsitzender der EVP, 219 Abgeordnete aus 28 Ländern. Weber sagt selbst: "Ich weiß nicht, wie ich es geworden bin, die Leute haben schlicht und einfach Vertrauen in mich gehabt."

Gegner aus den eigenen Reihen

Jetzt will Manfred Weber Spitzenkandidat der EVP für die nächste Europawahl 2019 im Mai werden. Dann hat er auch gute Chancen EU-Kommissionspräsident zu werden. Doch zuerst muss er sich EVP-intern gegen Alexander Stubb aus Finnland durchsetzen. Für den Europakenner und ehemaligen ARD-Brüssel-Korrespondenten Rolf-Dieter Krause ein starker Konkurrent: "Weil Stubb ein sehr beeindruckender Politiker ist, der Regierungserfahrung hat, der Ministerpräsident, Finanzminister und Außenminister war. Das sind Erfahrungen, die Weber alle nicht hat."

EU-Kritik der CSU

Politische Gegner sehen noch ein Problem: Webers Partei, die CSU. Barbara Lochbihler von den Grünen kritisiert: "Herr Weber als Einzelabgeordneter macht hier sachliche Politik. Das Image, das die CSU hat, das ich ja auch immer erlebe in den Europawahlkämpfen zu Hause, ist schon, dass man immer gern auf die EU eindrischt."

Dieses Image kommt unter anderem vom Europawahlkampf 2014. Horst Seehofer holt den Europaskeptiker Peter Gauweiler ins Boot. Man gibt sich EU-kritisch und EU-freundlich zugleich - und fährt eine herbe Niederlage ein. Weber kritisiert: "Das funktioniert nicht! Es kann kein 'Sowohl als auch' geben. Es kann nur eine klare Richtung geben. Das bedeutet für die CSU: Wir wollen Europa, wir stehen zu Europa."

Weber ist überzeugte Europäer

Das macht Manfred Weber auch immer wieder deutlich. Auch beim Besuch der CSU-Basis aus Bad Abbach in Straßburg. Weber gibt einen Vorgeschmack auf seinen Wahlkampfstil: "Wollen wir, dass es funktioniert, dürfen wir nicht nur egoistisch denken, sondern müssen ein bisschen europäisch denken. Es ist ein schwieriger Schritt, das verstehe ich, aber das wird eine der Aufgaben sein."

Manche sehen in Manfred Weber sogar den kommenden CSU-Parteichef, den Mann neben Markus Söder. Ob das aber mit den Ambitionen in der EU vereinbar wäre? Beide verbindet eine lange Rivalität, schon seit der Zeit in der Jungen Union, als der junge Landtagsabgeordnete Weber Söder als JU-Chef ablöste.

Kommissionspräsident ist kein Selbstläufer

Doch selbst, wenn die EVP Manfred Weber zum Spitzenkandidaten macht, wie wahrscheinlich ist dann die Kommissionspräsidentschaft? Der ehemalige ARD-Korrespondent in Brüssel, Rolf-Dieter Krause, ist vorsichtig: "Beim letzten Mal hat man einfach gesagt: Der Spitzenkandidat der stärksten Partei soll Präsident werden. Diesmal wird aber auch der Spitzenkandidat sich eine Mehrheit suchen müssen. Es ist sehr offen, welches Parlament wir bekommen. Also das wird kein ganz einfacher Prozess, und schon gar kein automatischer."

In den kommenden Monaten will der sonst so ruhige Niederbayer Manfred Weber wieder rocken, politisch natürlich. Er hat die Chance ein höheres Amt zu erreichen, als je ein CSU-Politiker vor ihm.