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"Wir sind loyal" - Revolte bei der CDU fällt aus | BR24

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Wer auf dem CDU-Parteitag in Leipzig auf das große Duell gewartet hat - Kramp-Karrenbauer kontra Merz - der hat vergeblich gewartet. Die meisten Delegierten applaudierten der Parteichefin nach ihrer Rede minutenlang und Merz stellte sich hinter sie.

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"Wir sind loyal" - Revolte bei der CDU fällt aus

Einen echten Showdown hatten manche Beobachter dem CDU-Parteitag in Leipzig vorausgesagt. Doch bei den Christdemokraten findet keine Revolte statt. Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte ihre Kritiker herausgefordert. Die winkten dankend ab.

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Ihre wichtigste Botschaft hatte sich Annegret Kramp-Karrenbauer bis zum Schluss aufgehoben. Bereits eine Stunde lang hatte CDU-Parteichefin vor den Delegierten beim Parteitag in Leipzig gesprochen, als sie ihre Schlussworte einleitete:

"Wenn Ihr der Meinung seid, dass der Weg, den ich gehen will, der falsche ist, dann lasst es uns aussprechen und es beenden." Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Chefin

Ihre Stimme wurde fast brüchig, aber die Parteichefin hatte nun das offene Visier gewählt und zog es auch durch. Wer wolle, dass sie gehe, solle das sagen, so ihre Botschaft. Es war eine direkte Aufforderung zum Kampf.

Merz nimmt die Aufforderung zum Duell nicht an

Aufmerksam lauschend hatte Friedrich Merz der Parteivorsitzenden zugehört, immer wieder zustimmend genickt. Aber wie würde er auf die Worte von Kramp-Karrenbauer antworten? Auffällig viel Zeit ließ sich der ehemalige Unionsfraktionschef, als er als sechster Redner auf die Bühne kommen sollte. Im Saal war es mucksmäuschenstill, als Merz zu sprechen bekannt. Seine Botschaft: Revolten gibt’s hier nicht.

"Wir sind loyal zu unseren Parteivorsitzenden." Friedrich Merz, CDU

Der Saal wusste nicht recht, was er damit anfangen sollte. Während die einen raunten, begannen die anderen zu klatschen. Die Absage an die offene Auseinandersetzung mit Kramp-Karrenbauer hatte Merz ausgerechnet mit den Sozialdemokraten begründet. Die SPD sei strukturell illoyal, so Merz. Was ihn nach seiner Kritik an der Bundesregierung am meisten getroffen habe, sei der Vorwurf gewesen: Jetzt werdet ihr wie die SPD. In der CDU reicht so ein Vorwurf offenbar aus, um zur Geschlossenheit zurückzufinden.

Kramp-Karrenbauers Befreiungsschlag: Mit Mut und Lust in die Zukunft

Die Parteichefin hatte ihre Rede leise und fast zögernd begonnen. Es dauerte ein paar Minuten, bis sie ihre Stimme im Griff hatte. Dann aber startete Kramp-Karrenbauer durch. Die großen Herausforderungen der kommenden Jahre werde man nicht meistern, wenn man keinen Mut habe, so die Parteichefin. Es reiche nicht, dass Deutschland vor 100 Jahren Patente erfunden habe, wenn man leider keine Patente für die nächsten 100 Jahre habe. Sie wolle nicht, dass junge Menschen das Land verlassen, weil es hier "so miefig und langsam" sei.

Sieben Minuten Applaus für den Versuch, die Stimmung zu drehen

Annegret Kramp-Karrenbauer hatte ihre Rede durchwegs auf Attacke aufgebaut. Der kleinen, aber stets lautstark kritischen Werteunion rief sie zu, es gebe nur eine Werteunion, und das sei die CDU Deutschland. Das saß, der Saal tobte. Obwohl die Werteunion keine offizielle Gruppierung der Partei ist wie beispielsweise die Junge Union oder die Frauenunion, schafft sie es mit ihrer Kritik an der Kanzlerin und der CDU-Führung regelmäßig in die Schlagzeilen.

Das Land und die Partei schlechtzureden, sei schon immer eine schlechte Wahlkampfstrategie gewesen, rief Kramp-Karrenbauer. Und im Übrigen sei auch Kritik an der Führung nicht neu. Sie erinnerte an 1997, als die Junge Union "Helmut Kohl weghaben wollte". Es sei ja schon öfter so gewesen, dass man dachte, es sei schwer, CDU-Politik zu machen. Alles relativiere sich im Nachhinein, so das Fazit der – vorerst wieder unangefochtenen – CDU-Chefin.