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Winterurlaub: Wie Österreich um Skitouristen kämpft | BR24

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Können Deutsche in Österreich skifahren? Der österreichische Kanzler Kurz kämpft für die Skisaison - und die Hoteliers in vielen Wintersportgebieten ums wirtschaftliche Überleben. Die Alpenrepublik will "coronasicheren" Urlaub bieten. Wie geht das?

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Winterurlaub: Wie Österreich um Skitouristen kämpft

Können Deutsche in Österreich skifahren? Der österreichische Kanzler Kurz kämpft für die Skisaison - und die Hoteliers in vielen Wintersportgebieten ums wirtschaftliche Überleben. Die Alpenrepublik will "coronasicheren" Urlaub bieten. Wie geht das?

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Von
  • Astrid Halder
  • Caroline Sophie Hofmann

Leere Hotelzimmer und Skipisten - das fürchtet Österreichs Tourismusbranche. Gerade die Buchungen deutscher Touristen lassen heuer auf sich warten. Viele Deutsche fürchten, dass das Urlaubsziel Risikogebiet bleibt oder wird. Und das würde bei Aufenthalten von mehr als 48 Stunden bedeuten: Reiserückkehrer müssen in Quarantäne, einen Corona-Test machen, und es drohen Schwierigkeiten mit Arbeitgeber oder Schule. Die Tourismusbranche in Österreich will die Saison trotzdem retten.

Umfangreiche Hygienekonzepte

Mund-Nasen-Schutz in Seilbahnen und Gondeln, Mindestabstand von einem Meter beim Anstehen und Betreten der Seilbahnen, Speisen und Getränke nur im Sitzen - das sind nur einige der grundlegenden Vorsichtsmaßnahmen, die die österreichische Regierung vorschreibt.

Auch die Wintersportgebiete selbst reagieren, wie der Seilbahnbetrieb in Hintertux. Dort setzt man auf ein Besucher-Infosystem, Gratismasken und Desinfektionsspender bei Ankunft der Gäste. Zwei Gondeln fahren mit voller Kapazität und bringen bis zu acht Personen gleichzeitig auf den Berg.

Eine Reglementierung des Gesetzgebers zur Personenanzahl in den Gondeln gibt es allerdings nicht. Grundsätzlich dürften sie voll besetzt fahren. "Es entscheidet der Gast selber, steige ich noch ein oder warte ich auf die nächste Gondel", so Ines Eberl-Kammerlander, vom Marketing Zillertaler Gletscherbahnen. "Ich denke, dass kein Kampf entstehen wird."

Bewirtung auf Abstand?

Ein weiteres Problem: die Abstandsregeln bei der Bewirtung am Berg. Größere Abstände zwischen Tischen, regelmäßige Desinfektion und Gästeregistrierung sollen die Gefahr zwar minimieren, trotzdem treffen hier in Stoßzeiten viele Menschen in meist engen Räumlichkeiten aufeinander. Gastronomen appellieren deshalb jetzt schon an die Gäste, ihre Einkehr nicht für Punkt 12.00 Uhr zu planen, sondern selbst auf eine Entzerrung zu achten.

Aprés-Ski heuer nur in "abgespeckter" Form

"Ski-Vergnügen ja, aber ohne Après-Ski", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bei der Vorstellung der Maßnahmen für den Wintertourismus. Die Ansteckungsgefahr sei schlicht zu hoch.

Enges Zusammenstehen und Partystimmung in Barbetrieben und Nachtlokalen soll es diese Saison nicht geben, doch ganz verzichtet werden muss nicht. So schreibt das österreichische Tourismusministerium auf seiner Webseite: "Beim Aprés-Ski ist ein Meter zwischen den Besuchergruppen einzuhalten. Sowohl indoor als auch outdoor wird es fixe Sitzplätze und Stehplätze geben." Zu verhindern seien ausgelassene, unkontrollierte Feiern, wie man sie aus den Vorjahren kenne.

Was wird aus den Reisewarnungen?

Ende September stufte das Robert-Koch-Institut die Bundesländer Tirol und Vorarlberg als Risikogebiete ein, das deutsche Auswärtige Amt sprach daraufhin eine Reisewarnung aus. Seitdem schwankt die Stimmung unter den Tiroler Hoteliers zwischen Hoffnung und Bangen, was die kommende Skisaison angeht.

Jeder dritte Euro, der in Tirol verdient wird, kommt aus dem Tourismus - wobei die deutschen Gäste die größte Rolle spielen. Sie machten in Tirol zuletzt 50 Prozent aller Übernachtungen aus. "Innerhalb weniger Stunden, nachdem das Robert-Koch-Institut Tirol als Risikogebiet eingestuft hatte, hatten bei uns alle deutschen Gäste storniert", erzählt Signe Reisch, Hotelbesitzerin aus Kitzbühel.

Hoteliers und Skiliftbetreiber umwerben Gäste

Aktuell konzentrieren sich Corona-Neuinfektionen in Tirol vorwiegend in Stadt und Land Innsbruck, einige ländliche Gebiete sind nahezu coronafrei. Trotzdem gilt die Reisewarnung - und damit Quarantänebestimmungen – für ganz Tirol. Nur wer sich nicht länger als 48 Stunden im Risikogebiet aufhält, kann ohne Corona-Test und Quarantänepflicht nach Bayern reisen. Diese sogenannte 48-Stunden-Regelung gilt vorerst bis zum 8. November.

Da Kitzbühel ebenfalls im Tiroler Risikogebiet liegt, wurden bisher kaum Ski-Saisonpässe an deutsche Gäste verkauft. Die Stadt will jetzt ein Corona- Schnelltest-Zentrum errichten. Außerdem werben einige Skiliftbetreiber mit Erstattungen bei Saisonkarten und Hoteliers mit kurzfristigen Stornofristen.

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