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Feldheim - das energieautarke Dorf

Hühner gackern, ein paar Hunde bellen und aus Ställen ist Schweinegrunzen zu hören. Auf den ersten Blick ist Feldheim, 70 Kilometer südwestlich von Berlin, ein gewöhnliches Straßendorf. Doch jährlich kommen 3.000 Besucher aus aller Welt hierher, um dieses Wunder der Energiewende zu studieren und sich Anregungen zu holen.

Angenommen, in ganz Deutschland fällt der Strom aus: Zumindest Feldheim würde dann nämlich noch leuchten. Die 130 Einwohner könnten auch heizen und ihre Handys laden. Das Dorf in Brandenburg ist aber nicht nur energetisch autark. Seine 55 Windräder produzieren sogar genügend Strom für eine größere Stadt.

Bereits 1994 Windturbinen montiert

Siegfried Kappert, der in demselben Haus geboren ist, in dem er heute noch lebt, führt die internationalen Besucher herum und erklärt, wie es dazu kam. Kurz nach der Wende kam ein Student der Bauwirtschaft nach Feldheim. Ihm fiel auf, wie stark der Wind über die Äcker brauste. Er machte der Gemeinde Vorschläge, Windräder aufzustellen. Bereits 1994 wurden die ersten vier Turbinen montiert.

Eigenes Strom- und Wärmenetz

Heute stehen rund um Feldheim 55 Windräder. Und aus dem Studenten wurde der Geschäftsführer von "Energiequelle GmbH", die weltweit Windenergieanlagen projektiert und in Feldheim Kultur und Vereine unterstützt. Seit 2010 ist Feldheim in Sachen Strom von der Außenwelt quasi abgeschnitten, das heißt vollkommen energieautark. Denn das Dorf verfügt über ein eigenes Strom- und Wärmenetz unter der Erde. Der Strom kommt aus den Windrädern, die Wärme aus der dorfeigenen Biogasanlage. Ein Solarpark und ein Batteriespeicher komplettieren die konsequente Energiewende. Feldheim produziert so viel Energie, dass damit eine größere Stadt mit Strom versorgt werden kann.

Erneuerbare Energien halten das Dorf am Leben

Die Energiewende vor Ort hat das Leben der Feldheimer nachhaltig verändert, sie sind alle stolz darauf und ziehen an einem Strang. Und: Feldheim verwaist oder vergreist nicht wie andere kleine Orte in Brandenburg. Besonders das eigene Leitungsnetz zieht neue Bürger an. Logisch, dass Ortsvorsteherin Petra Richter über diese Entwicklung glücklich ist: "Wenn ein Haus leer stand und verkauft wurde, dann war das auch ganz schnell wieder verkauft und neue Bewohner dort."