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Wilhelm: ARD ist wichtig für Meinungsbildung in der Demokratie | BR24

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Die Bilanz von BR-Intendant Ulrich Wilhelm nach zwei Jahren ARD-Vorsitz fällt positiv aus: Vertreter aus Politik und Gesellschaft hätten erkannt, dass öffentlich-rechtliche Angebote eine wichtige Grundlage sind für die demokratische Meinungsbildung.

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Wilhelm: ARD ist wichtig für Meinungsbildung in der Demokratie

Die Bilanz von BR-Intendant Ulrich Wilhelm nach zwei Jahren ARD-Vorsitz fällt positiv aus: Vertreter aus Politik und Gesellschaft hätten erkannt, dass öffentlich-rechtliche Angebote eine wichtige Grundlage für die demokratische Meinungsbildung sind.

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Europa habe seine digitale Souveränität verloren, konstatiert BR-Intendant Ulrich Wilhelm am Ende seiner zweijährigen Amtszeit. Alle, ob Behörden, Medien oder Privatleute, seien immer auf Technologie aus USA oder China angewiesen, wenn sie im Netz viele Millionen Menschen erreichen wollten. Facebook, YouTube und Co. böten aber nicht den Daten- und Persönlichkeitsschutz, der europäischen Werten entspreche.

Europa braucht eine eigene Plattform

Europa soll sich in den kommenden Jahren gezielt dieses Themas annehmen, um eigene Technologien und Inhalte zu entwickeln. Ein Medienportal, bestückt von öffentlich-rechtlichen wie privaten Medienunternehmen, sei dabei nur Teil des großen Ganzen; die Politik müsse diese Anstrengungen unterstützen - entsprechende Äußerungen seitens der neuen EU-Kommission gibt es bereits.

Wilhelm sagt, Europa brauche beispielsweise einen eigenen Browser, eine eigene Suchmaschine und Übersetzungssoftware, die es zum Beispiel mit dem "Google Translator" aufnehmen könne. Eine eigene, europäische Plattform für Medien-, Kultur-, Bildungs- und Kommunikationsangebote ist das große Thema, das Wilhelm während seiner Amtszeit gezielt vorangetrieben hat.

Kooperationen mit privaten Medienhäusern

Der scheidende ARD-Vorsitzende kündigte mehr Kooperationen mit privaten Medienhäusern an, so wie beispielsweise mit Sky bei "Babylon Berlin" oder im Bereich Sportrechte mit Discovery. Das Publikum soll künftig profitieren von mehr Zusammenarbeit bei den Mediatheken von ARD und ZDF, besseren Angeboten in der Audiothek, bei sportschau.de und tagesschau.de sowie im Kinderprogramm. Wilhelm verteidigte, bedauerte gleichzeitig aber auch die Verteilung eigener Inhalte via Facebook, Google etc., da die Bereitstellung ausschließlich auf eigenen Kanälen nur Minderheiten erreiche.

Ab 2021: Anpassung des Rundfunkbeitrags

Ebenfalls Thema in Wilhelms Amtszeit war die Anpassung des Rundfunkbeitrages, die ab 2021 greifen soll. Die Empfehlung der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs), den Beitrag um 86 Cent auf dann 18,36 Euro zu erhöhen, begrüßte Wilhelm zwar. Erstmals seit 12 Jahren werde es eine moderate Anpassung geben, die aber liege weit unter der Teuerungsrate, was einen anhaltend hohen Kostendruck bei den Landesrundfunkanstalten verursachen werde. Im rasanten Medienwandel, in dem man es mit kapitalkräftiger, internationaler Konkurrenz zu tun habe, sei dies schwierig.

Politik und Gesellschaft sollten daher den Wert der öffentlich-rechtlichen Programmangebote anerkennen, denn wenn sie wegfielen, würde viel fehlen, beispielsweise würden viele regionale Kulturereignisse nicht mehr abgebildet, die politische Debatte in den Ländern würde an Resonanz einbüßen, stattdessen gebe es dann eine Konzentration auf wenige Spitzenpolitiker und -ereignisse.

Öffentlich-Rechtliche grundlegend für Meinungsbildung

Seine persönliche Bilanz, so Wilhelm: "Ich freue mich, dass es gelungen ist, die Debatte um die Legitimität der öffentlich-rechtlichen Angebote zu drehen." Man versuche nicht mehr, ARD und ZDF in eine Nische abzudrängen, sondern das Bewusstsein steige, dass Instagram, Facebook und Google für die politische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Debatte nicht ausreichten. Gute Medienangebote der Öffentlich-Rechtlichen seien wichtig als Grundlage für die Meinungsbildung in der Demokratie.

Am 1. Januar übernimmt WDR-Intendant Tom Buhrow den Vorsitz innerhalb der neun Landesrundfunkanstalten, die sich zur ARD zusammengeschlossen haben.