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Wildtiermärkte in China – was sich seit Corona verändert hat | BR24

© pa / dspa / Zoonar

Ein Skorpion wird auf einem Markt in Xian (China) angeboten

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    Wildtiermärkte in China – was sich seit Corona verändert hat

    China geht mittlerweile gegen Märkte vor, die lebende Tiere verkaufen. Denn auf solch einem Markt in Wuhan wurden die ersten Corona-Fälle bekannt. Aber Wildtiermärkte haben eine lange Tradition. Auch in Corona-Zeiten bleiben sie ein Problem.

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    Ein Frischmarkt in der Shanghaier Zhenning-Straße. Die Halle wird gerade komplett saniert. Deshalb drängen sich die Händler in einer kleinen Ecke. In Bassins schwimmen Fische, auch Aale und Schildkröten. "Ansonsten verkaufen wir keine lebenden Tiere mehr", betont eine Verkäuferin.

    Vieles sei seit Corona verboten: viele gefrorene Produkte, bis hin zu den Organen von Tieren. Auch die Abteilung für Meeresfrüchte sei geschlossen worden. Die Frau kann es kaum fassen, dass nun nicht mehr erlaubt ist, was seit jeher auf den Speisezettel an der chinesischen Küste gehört. Auch lebendige Meerestiere, die sich der Kunde aussuchen kann.

    Markt in Wuhan: Es gab Biber, Skorpione, Schlangen und Krokodile

    Die ersten Fälle von Corona wurden zum Jahreswechsel 2019/20 in Wuhan, 800 Kilometer von Shanghai entfernt, bekannt - auf dem Huanan-Markt: Kunden berichten, dass damals dort auch Biber, Skorpione, Krokodile und Schlangen angeboten wurden.

    Diese Halle ist längst geschlossen. Und seit Februar verbietet die Regierung den Verkauf und Verzehr von Wildtieren auf Frischmärkten komplett. Davon gibt es in ganz China über 40.000. Die Behörden in Shanghai setzen das Verbot durch.

    Kommen die strengen Regeln auch in den chinesischen Provinzen an?

    Ob aber die neuen Regeln auch in den Dörfern und entlegenen Provinzen ankommen? Dort haben die Menschen weit weniger Geld und ganz andere Traditionen als in den Metropolen. Sie essen dort Schlangen oder andere exotische Tiere.

    SARS sprang 2003 von Schleichkatzen auf Menschen über. Und obwohl Covid-19 aller Wahrscheinlichkeit nach von Fledermäusen kommt, war der Zwischenwirt wohl das Schuppentier Pangolin – das ebenfalls auf Wildtiermärkten gehandelt wurde.

    Strenge Sicherheitsregeln auf Shanghais Frischmärkten

    Das Klischee vom Hunde essenden Chinesen stimmt aber längst nicht mehr. Für die meisten Chinesen ist der Hund, wie für die Menschen im Westen, ein Hüte-Tier oder ein geliebtes und oft auch verwöhntes Familienmitglied - vor allem in den Metropolen. Im Markt an der Shanghaier Zhenning-Straße habe sich durch Corona viel geändert, sagen die Händler:

    "Es geht sehr sicher in unserer Markthalle zu. Wir messen Fieber, wenn wir die Halle betreten und wir tragen alle Masken. Wir desinfizieren den Markt dreimal am Tag. Wir befolgen die Regeln streng. Die Behörden schicken oft Kontrolleure her. Wenn du die Regeln brichst, verhängen sie riesige Geldstrafen." Händler auf dem Zhenning-Frischmarkt in Shanghai

    Kein Schlachten mehr vor Augen der Kunden

    Schon seit der Lungenseuche SARS im Jahr 2003, vor allem aber seit der Vogelgrippe, verändert sich das Verhältnis der Chinesen zum Essen. Die Erkenntnis der Wissenschaft, dass 60 Prozent aller Infektionen von Tieren auf den Menschen überspringen, hat Folgen: Das Schlachten vor den Augen der Kunden auf den Märkten ist verboten. Der Verkauf von lebenden Hühnern ist zum Beispiel in Shanghai komplett untersagt.

    "Jede Generation hat ihren eigenen Lebensstil. Meine Eltern und ich essen unterschiedlich. Die ganz Jungen kaufen alles online ein. Sie haben keine Ahnung von dem, was sie bestellen. Sie vertrauen den Produktbeschreibungen im Internet. Wenn junge Leute in den Frischmarkt kommen, wissen sie nicht, was was ist." Shi Feng, Manager des Zhenning-Frischmaktes in Shanghai

    Internetverkäufer unterlaufen Wildtier-Verbote

    Aber im Internet bieten Wilderer weiter Schuppentiere, Schleichkatzen, Bärentatzen und andere Teile von seltenen Tieren an. Das Netz sei schwer kontrollierbar, sagt Jin Zhonghao, chinesischer Repräsentant der Tierschutzorganisation WWF.

    Schon früher habe es in der Volksrepublik Kampagnen gegen den Verzehr von Wildtieren gegeben, aber nie so ernsthaft wie im Corona-Jahr. Die Kommentare im Internet wertet Jin als gutes Zeichen: Zwar seien noch nicht 100 Prozent gegen das Essen von wilden Tieren. Aber die Contra-Stimmen dominierten jetzt.

    Wildtierhandel für traditionelle chinesische Medizin weiter erlaubt

    Ein großes Problem bleibt aber: Für die traditionelle chinesische Medizin dürfen Körperteile von Wildtieren in China weiterhin verwendet werden. Die Schuppen des Pangolin – möglicher Zwischenwirt fürs Covid-Virus – gelten beispielsweise als Heilmittel.

    Laut Welthungerhilfe ist das Pangolin eins der am meisten gehandelten bedrohten Säugetiere weltweit. Naturschützer Jin Zhonghao sagt, es habe in China eine Riesendiskussion darüber gegeben, ob das Pangolin in die Liste der gefährdeten Arten aufgenommen werden soll. Nun sei es endlich soweit. Jin Zhonghao betont, Chinas Tierschützer würden den Wildtierhandel weiter bekämpfen.

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