BR24 Logo
BR24 Logo
BR24

Wikileaksgründer Assange: Wird er heute an die USA ausgeliefert? | BR24

© BR24

Wird Wikileaks-Gründer Assange an die USA ausgeliefert? Ein Gericht in London will heute seine Entscheidung verkünden.

11
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Wikileaksgründer Assange: Wird er heute an die USA ausgeliefert?

Nach jahrelangem Rechtsstreit entscheidet sich heute das weitere Schicksal von Wikileaks-Gründer Julian Assange. Das Gericht in London will verkünden, ob der Australier an die USA ausgeliefert wird. Dort könnten ihm bis zu 175 Jahre Gefängnis drohen.

11
Per Mail sharen
Von
  • Thomas Spickhofen

"UK must resist"; "Großbritannien muss sich widersetzen", ruft Julian Assange, als er am 11. April 2019 von mehreren Männern aus der ecuadorianischen Botschaft in London herausgetragen wird. Fast sieben Jahre lang hat Assange hier festgesessen.

Der Mitgründer von Wikileaks befürchtete, in die USA ausgeliefert und dort vor Gericht gestellt zu werden, wenn er die Botschaft verlässt. Jetzt sitzt der gebürtige Australier seit fast zwei Jahren im Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses in London. Mord, Vergewaltigung, Entführung, schwerer Raub: Das sind einige der Verbrechen, für die man hier landen kann. Julian Assange wartet darauf, was aus dem Auslieferungsantrag wird, den die USA gestellt haben.

Gefängnisstrafe von bis zu 175 Jahren droht Assange

In Amerika werden Assange der Einbruch in Regierungscomputer und die Veröffentlichung geheimer Unterlagen vorgeworfen. Am Ende könnte ihm eine Gefängnisstrafe von bis zu 175 Jahren drohen. Seine Anwälte sagen: Julian Assange ist ein Journalist, der geheime Dokumente veröffentlicht hat, die die Wahrheit ans Tageslicht bringen.

Zu Beginn der Anhörungen Anfang vergangenen Jahres erklärte Jennifer Robinson aus dem Anwaltsteam von Assange: Hier geht es grundsätzlich um die Zukunft des Journalismus: "Wir reden hier von preisgekrönten Publikationen, in denen es um Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen und Korruption geht. Die Drohung mit 175 Jahren Gefängnis betrifft nicht nur Julian Assange, sondern Journalisten überall."

"Kein Schauprozess", sondern "politisches Verfahren"

Die Anhörungen waren schwierig. Assange beklagte, nicht genug Kontakt zu seinen Anwälten zu haben, ein UN-Sonderbeauftragter spricht von psychischer Folter, durch die Corona-Pandemie mussten Termine verschoben werden, und über allem prägt die politische Brisanz des Falls den Blick auf die Entscheidung der Juristen.

"Es ist kein Schauprozess", sagt Christian Mihr von "Reporter ohne Grenzen" entgegen gleichlautender Vorwürfe. "Es ist ganz klar ein politisches Verfahren." Aus Sicht von Reporter ohne Grenzen seien auch die Umstände, wie die britische Regierung und die britische Justiz dieses Verfahren führt beziehungsweise zugelassen hat, ganz klar politisch.

Verfahren könnte sich möglicherweise noch über Jahre hinziehen

Kristin Hrafnsson, der Geschäftsführer von Wikileaks, war deshalb schon zu Beginn der Anhörungen nicht besonders optimistisch, was den Ausgang des Verfahrens angeht. "Ich erwarte natürlich Gerechtigkeit, aber ich habe da keine große Hoffnung", sagt Hrafnsson. Der Fall sei "hochpolitisch", die Atmosphäre hierzulande gegenüber Julian Assange "derart vergiftet, dass ich mir Sorgen mache".

Egal, welche Entscheidung das Londoner Gericht heute verkündet: Mit einer unmittelbaren Auslieferung wird Julian Assange nicht rechnen müssen. Beide Seiten könnten bei einem Scheitern in Berufung gehen. Beobachter erwarten ein unter Umständen noch jahrelanges Verfahren.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!