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Wien verpasst Kampfhunden einen Maulkorb | BR24

© pa / dpa / Philipp Schulze

Rottweiler mit Maulkorb

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    Wien verpasst Kampfhunden einen Maulkorb

    Die Stadt Wien verschärft nach Attacken von Hunden auf Kinder die Regeln für Kampfhunde: Sogenannte Listenhunde müssen ab 25. Oktober außerhalb umzäunter Zonen mit Maulkorb an der Leine geführt werden - für ihre Halter gilt eine Promillegrenze.

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    Für den kleinen Waris kommen die neuen Regelungen zu spät. Er war Anfang September mit seinen Großeltern spazieren, als sich ein Rottweiler von der Leine seiner betrunkenen Halterin losriss. Der Hund packte den anderthalb-jährigen am Kopf und verletzte ihn schwer, der Junge starb im Krankenhaus. Der Fall löste große Bestürzung in Wien aus, auch bei dieser Hundebesitzerin:

    "Also ich wäre der Meinung, dass diese Listenhunde eigentlich verboten gehören." Hundehalterin aus Wien

    Ohne Leine nur noch hinterm Zaun

    Ein generelles Verbot wird es zwar nicht geben, dafür aber strengere Regeln. Künftig müssen in Wien sogenannte Listenhunde, also Rassen wie Bullterrier oder Rottweiler, außerhalb von eingezäunten Hundezonen ständig Leine und Maulkorb tragen. Wer sich nicht daran hält, wird Mindestens 200 Euro zahlen und ein Hundetraining machen müssen, sagt die Wiener Tierschutzstadträtin Ulli Sima:

    "Wenn jemand ein zweites Mal mit einem Listenhund ohne Maulkorb aufgegriffen wird, muss der behördliche Hundeführerschein wiederholt werden. Und beim dritten Mal haben wir im Gesetz vorgesehen, dass die Abnahme des Tieres erfolgt." Ulli Sima, Tierschutzstadträtin Wien

    Promillegrenze wie am Steuer

    Außerdem sollen Halter gefährlicher Hunde künftig nicht mehr als 0,5 Promille Alkohol im Blut haben dürfen, wenn sie mit ihren Hunden in der Öffentlichkeit unterwegs sind. Die Wiener Polizei bekommt die Aufgabe, verstärkt darauf zu achten, sagt Polizeipräsident Gerhard Pürstl.

    "Hier soll es der Polizei ermöglicht werden, auch entsprechende Kontrollen vorzunehmen, was im Regelfall im Anlassfall sein wird. Also wenn man schon erkennt, dass jemand offenbar in irgendeiner Form beeinträchtigt ist. Dann soll es auch entsprechende Strafen geben." Gerhard Pürstl, Polizeipräsident Wien

    Die Halter fühlen sich diskriminiert

    Die Mindeststrafe für betrunkene Hundehalter soll 1.000 Euro betragen. Aus Sicht des Wiener Tierschutzvereins ist das unfair, weil Tausende von Hundehaltern für das Versagen einer betrunkenen Person einstehen müssten. Außerdem reichten die legalen Hundefreilaufflächen bei weitem nicht aus. Georg Sticha vom Österreichischen Rottweilerklub begrüßt die strengeren Regeln zwar, findet aber, dass sie für alle Hunde gelten sollten:

    "Der Großteil der Hundebisse oder Unfälle mit Hunden passiert ja nicht mit Listenhunden, wie die Statistik zeigt, sondern mit Vertretern von anderen Rassen. Aus dem Grund heraus würden diese Ganzen Listenhundegesetze auch nicht ihren Zweck erfüllen." Georg Sticha, Österreichischer Rottweilerklub

    Regelung für ganz Österreich angestrebt

    Das neue Gesetz soll noch dieses Jahr in Kraft treten. Es gilt nur für das Bundesland Wien, weil solche Regelungen in Österreich Ländersachen sind. Die zuständige Bundesministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) hat jetzt alle zuständigen Landestierschutzräte zu einem runden Tisch eingeladen, um eine gemeinsame Gesetzgebung für die Hundehaltung auszuloten.

    Autor
    • Srdjan Govedarica
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