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Wieder mehr als 3.000 Covid-Patienten auf Intensivstationen | BR24

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Corona-Patienten auf einer Intensivstation in Ludwigsburg

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    Wieder mehr als 3.000 Covid-Patienten auf Intensivstationen

    Die Zahl der Covid-Patienten auf Deutschlands Intensivstationen steigt deutlich an. Mit mehr als 3.000 belegten Betten liegt sie so hoch wie in der ersten Corona-Welle 2020. Experten warnen vor einer Überlastung und fordern einen schärferen Lockdown.

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    • BR24 Redaktion

    "Wir starten jetzt auf den Intensivstationen in die dritte Welle und das auf einem sehr hohem Niveau. Davor hatten wir bereits Ende Februar gewarnt und das bereitet uns große Sorgen", sagte Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), die das Register über die Belegung der Intensivbetten führt.

    "Rasanter Anstieg" erwartet

    Nach Divi-Daten wurden am Sonntag 3.056 Covid-19-Patienten auf deutschen Intensivstationen behandelt. "Wir erwarten in den nächsten Wochen einen rasanten Anstieg der Patienten, da die Welle der Intensivpatienten immer zwei bis drei Wochen der Infektionswelle nachrollt", ergänzte Marx. Es lasse sich daher erst für die Zeit ab Mitte April etwas an den Zahlen ändern.

    Bei Inzidenzen um die 200 Infektionen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner prognostizieren Notfallmediziner für Anfang Mai rund 5.000 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen. Das wären fast so viele wie auf dem Höhepunkt der zweiten Welle Anfang Januar und könnte viele Kliniken erneut schwer belasten.

    Wenn keine neue gefährlichere Mutante hinzukommt und das Impfen gut voran geht, könnte die Entwicklung zwar auch günstiger verlaufen, Experten warnen jedoch vor einer Verschärfung der Lage:

    "Wir sehen das jetzt schon auf den Intensivstationen, dass sich die Patienten dort ändern: Die werden jünger." Lars Schaade, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts

    Nicht nur Senioren landen auf der Intensivstation

    Auch Virologen haben wiederholt davor gewarnt, dass das Impfen der ältesten Jahrgänge allein noch keine Entspannung bringe. Denn schon in der ersten Welle war lediglich etwa ein Viertel der Intensivpatienten über 80 Jahre alt. Viele Altenheimbewohner starben in ihren Einrichtungen und kamen gar nicht auf Intensivstationen.

    Das Robert Koch-Institut zählt 21,6 Millionen Menschen in Deutschland zur Hochrisikogruppe für schwere Covid-19-Verläufe. Als stark erhöht wertet das Institut das Risiko bei Menschen, die über 65 Jahre alt sind oder bestimmte Vorerkrankungen haben, etwa Diabetes, chronische Nierenleiden oder die schwerste Form von Adipositas.

    Das Personal ist überlastet

    "Covid ist mit den fast 6.000 Patienten zeitgleich bisher mit Abstand die schwerste und stärkste Welle in der Intensivmedizin", sagte der wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis. Die aktuelle Zahl von über 3.000 sei versorgbar, betonte Karagiannidis, "je weiter die Zahl steigt, desto mehr müssen dann aber andere Bereiche eingeschränkt werden, um die Notfallversorgung noch zu gewährleisten".

    Auch für die Klinikteams haben steigende Zahlen Folgen. "Das ist keine fachliche Überforderung, sie ist physisch und psychisch", sagte Divi-Mitglied Felix Walcher. Die Erschöpfung des Personals sei bundesweit zu beobachten. Das Verantwortungsgefühl motiviere, "aber auch das ist irgendwann erschöpft".

    Intensivmediziner fordern strengeren Lockdown

    Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung pochen Intensivmediziner vor den Beratungen der Länder mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf einen strengeren Lockdown mit Verschärfungen des Kontaktverbots.

    "Ich erwarte von den Ministerpräsidenten und der Kanzlerin, dass sie sich an diesem Montag auf bundesweit einheitliche und ganz einfache Verschärfungen einigen", sagt Divi-Experte Christian Karagiannidis. Es sei entscheidend, dass alle Länder dieselben Maßnahmen umsetzen und diese leicht zu verstehen sind. Er fordert eine Rückkehr zu einem strengeren Lockdown wie Anfang März und die Schließung von Schulen und Kitas bis ausreichende Testmöglichkeiten vorliegen sowie Kontaktmöglichkeiten "massiv" zu beschränken. Das derzeitige Tempo der Ansteckungen werde ansonsten "im April bis Mai für eine Überlastung der Intensivstationen sorgen".

    Lauterbach: Nur Lockdown hilft gegen höhere Sterbezahlen

    "Wir haben zu Beginn der dritten Welle mehr Patienten auf den Intensivstationen mit Covid-19 als zum Ende der ersten Welle, warnt auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. "Wir sind also mehr oder weniger schon voll, bevor es losgeht", sagte der SPD-Politiker, "jeder Zweite stirbt, der beatmet werden muss, auch bei den Jüngeren".

    Lauterbach hält daher eine Verlängerung des Corona-Lockdowns bis zum 18. April für unabdingbar. Diese Maßnahme sei "ohne Wenn und Aber nötig", sagte Lauterbach am Sonntagabend in der Internetsendung "Bild live". Ansonsten würden sich die Sterbezahlen verdoppeln.

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