BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Wie Medien das Publikum besser erreichen können | BR24

© Picture Alliance/imageBROKE

Zuschauer mehr ans Mikro zu holen könnte eine Chance für die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen sein.

1
Per Mail sharen

    Wie Medien das Publikum besser erreichen können

    Kurz vor Erhöhung der Gebühren steht der öffentlich-rechtliche Rundfunk einmal mehr unter Druck: Was muss er leisten? Muss er sich verändern? Wie nah müssen die Macher am Publikum sein? Eine Chance könnte sein, die Zuschauer stärker einzubeziehen.

    1
    Per Mail sharen
    Von
    • Michael Meyer

    "Hallo, verehrte Hörerinnen und Hörer, hier meldet sich der Ü-Wagen, hier meldet sich Carmen Thomas." So ging die WDR-Reporterin schon 1974 auf Sendung. Damit begründete Thomas, wenn man so will, das Genre der "Sendung mit Hörer oder Zuschauer-Beteiligung."

    Bereits drei Jahre zuvor startete der Bayerische Rundfunk die Fernsehsendung "Jetzt red i", ein noch immer erfolgreiches Format, das, ebenso wie alle anderen Sendungen dieser Art, in der Corona-Krise nicht nach draußen gehen kann, sondern auf Social Media-Kanäle und Zuschaltungen von Zuschauern angewiesen ist.

    Hoher Erwartungsdruck bei Zuschauersendungen

    Bürgertalk und Bürgersendungen – das bedeutet immer, dass es einen hohen Erwartungsdruck derjenigen gibt, die von Politikerentscheidungen betroffen sind. Diesen Konflikt kann man auch nicht vollständig auflösen, sagt Margot Waltenberger-Walte, Redaktionsleiterin von "Jetzt red i": "Wir können den Dialog herstellen, wir können Aufmerksamkeit schaffen, wir können Präsenz schaffen, vielleicht dadurch den politischen Druck erhöhen. Aber wir sind nicht diejenigen, die Lösungen versprechen können, den Schuh ziehen wir uns nie an."

    Auffällig ist: Die Sendungen in den Regionalprogrammen bei BR, MDR oder RBB lassen deutlich stärker Bürger und Bürgerinnen zu Wort kommen als in den überregionalen Programmen. Man ist näher dran am jeweiligen Problem. Und doch wurde mit der Zuschauerbeteiligung lange Zeit experimentiert – mal wurde sie stärker betont, dann wieder zurückgefahren. Es wurde viel gespottet über die "Betroffenheitscouch" in ARD und ZDF -Sendungen wie "Maybritt Illner" oder "Anne Will", die Bürger und Bürgerinnen lieber am Rande platzierten, als inmitten der Experten-Diskussionsrunde.

    In den letzten Jahren sind wieder mehr Sendungen mit Bürgerbeteiligung entstanden, wie etwa beim RBB-Format "Wir müssen reden". Diese Sendung, die derzeit Corona-bedingt aus dem Studio kommt, geht normalerweise zu den Menschen vor Ort und spricht über Probleme wie hohe Mieten, Verkehrspolitik oder Agrarwende.

    "Den Bürgern eine Bühne schaffen"

    Die Sendung will, so sagt es Redaktionsleiter Thomas Baumann, im direkten Schlagabtausch mit Verantwortlichen auf Politik und Wirtschaft so etwas wie eine neue Streitkultur im Fernsehen etablieren. "Es war die Grundüberlegung dieser Sendung: In Zeiten, in denen zunehmende Spaltungstendenzen in der Gesellschaft wahrgenommen werden, in Zeiten, in denen es heißt: Journalisten seien diejenigen, die mit denen da oben kungelten, und Zeiten, in denen viele Bürger das Gefühl haben, dass sie kaum Gehör finden - da haben wir gesagt: Dann müssen wir eine Sendung machen, die genau diese Bürgerstimmen aufgreift und die den Bürgern, die sich äußern wollen, eine Bühne verschafft."

    Die stärkere Beteiligung des Publikums sei im Grunde die eigentliche Definition des Begriffs "Public Value", also des Mehrwerts von ARD und ZDF für die Öffentlichkeit, sagt auch Julia Serong, Medienwissenschaftlerin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München: "Ein ganz wichtiges Merkmal des Public Value Managements ist der Dialog mit der Gesellschaft, die Offenheit für gesellschaftlichen Wandel, das man eben nicht nur auf die Programmqualität schaut, sondern institutionell einstellt auf Beteiligung unterschiedlicher Art."

    Neues MDR-Format wegen Corona verschoben

    Zu erwarten sind daher sicher noch mehr Sendungen mit Zuschauerbeteiligung. Dabei werden auch ungewöhnliche Formate entstehen, wie etwa "Miteinander reden" beim MDR. Ursprünglich sollten in dieser Reihe zwei normale Menschen eine halbe Stunde lang miteinander sprechen – ohne Moderator, nur zu zweit - über grundlegende Fragen, wie Glaube, Liebe, Heimat oder Männlichkeit.

    Corona hat das Format erst einmal in fernere Zukunft verschoben. In jedem Fall auch eine Form, näher ans Publikum heranzukommen.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!