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Wie Katzenhalter Vögel schützen können | BR24

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Sie gehören zu den beliebtesten Haustiere der Deutschen und sind der Schrecken vieler Vögel: Katzen. Für viele Jungvögel sind sie sogar der Tod. Sind Katzenglöckchen die Lösung? Oder Hausarrest für die Stubentiger?

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Wie Katzenhalter Vögel schützen können

Hauskatzen bedrohen den Brutvogelbestand in Deutschland: Sie gefährden Jungvögel oder stören ausgewachsene Vögel bei der Futtersuche. Katzenhalter können dem aber vorbeugen und einen Beitrag zum Vogelschutz leisten.

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Von
  • Ursula Klement

Hauskatzen töten jährlich ungefähr acht Prozent des Brutvogelbestandes in Deutschland - sehr zurückhaltend geschätzt. Insbesondere in den kommenden Monaten sind die Vögel besonders gefährdet. Denn Vögel, die Katzen wahrnehmen, kommen vor lauter Aufpassen nicht zum Futtersuchen für die Jungen. Und die Jungvögel sind den Katzen ein paar Tage in ihrem Leben vollkommen ausgeliefert: Wenn sie bereits aus dem Nest geflogen, aber noch nicht flügge sind. Doch es gibt einige Möglichkeiten, wie Katzenhalter einen Beitrag zum Vogelschutz leisten können.

Hauskatzen gehören bei uns nicht zur Natur

Hauskatzen zählen zu den "wichtigsten schadensverursachenden" nicht einheimischen Tieren in Deutschland, so das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes. Sie stammen von der afrikanischen Falbkatze ab, sind also keine Nachfahren der europäischen Wildkatze, die in Deutschland schon immer selten war und sich hauptsächlich von Kleinsäugern wie Ratten und Wühlmäusen ernährt.

Der Bestand der Hauskatzen steigt dagegen an: Rund 14 Millionen Hauskatzen gibt es derzeit ungefähr in Deutschland. Der Trend geht zur Zweit- oder Drittkatze. Wenn man davon ausgeht, dass jede dieser Katzen pro Jahr auch nur einen einzigen Vogel tötet, reduzieren sie die Zahl der Brutvögel um acht Prozent. In Wirklichkeit dürfte jede Hauskatze im Schnitt mehr als einen Vogel pro Jahr töten. Darüber hinaus erbeuten Katzen auch noch Mäuse, Zauneidechsen, Blindschleichen, Frösche, kleine Hasen, Schmetterlinge und zum Beispiel Käfer. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass besonders erfolgreiche Jäger unter den Hauskatzen bis zu 1.000 Wildtiere im Jahr töten.

Wie können Katzenbesitzer Vögel schützen?

Ein erster Schritt: Kätzinnen und Kater kastrieren lassen. Dadurch sinkt ihr Bedürfnis zu streunen und der Bewegungsdrang. Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz rät Katzenbesitzern sich viel mit ihrer Katze zu beschäftigen: "Sie hat nun mal einen angeborenen Jagdtrieb und wenn sie den zuhause mit Herrchen, Frauchen ausleben kann, dann ist der einfach weniger, wenn sie raus geht."

Um den Spiel- und Jagdtrieb zu befriedigen, empfehlen Katzenverhaltenstherapeuten zum Beispiel das sogenannte Klickertraining. Dazu und zu anderen Spielstrategien gibt es extra Bücher. Was gibt es noch für Möglichkeiten? In Tierhandlungen kann man Halsbänder mit Glöckchen kaufen, die läuten, wenn die Katze zum Sprung ansetzt. Mit ein bisschen Glück werden die Vögel so noch rechtzeitig aufgeschreckt. Diese Halsbänder brauchen einen Sicherheitsverschluss, der aufgeht, wenn die Katze irgendwo hängen bleibt. An das Glöckchen sollte man die Katze behutsam gewöhnen.

Katzenbesitzer, die Angst haben, dass das Glöckchengeräusch ihre Katze beeinträchtigt, können ihr ein sehr farbiges Halstuch oder Halsband umbinden. Doch so ein Warnhalsband braucht grelle Farben und ein auffälliges Muster, sagt Professor Peter Berthold, der ehemalige Direktor der Vogelwarte Radolfzell. Halsbänder und Glöckchen warnen allerdings nur die Altvögel, die sich in einigen Fällen in Sicherheit bringen können. Aus dem Nest gehüpften Jungvögeln bringen diese Vorsichtsmaßnahmen nicht viel. Die schützt höchstens ein großer dornenreicher Strauch, in den sie fliehen können: Schlehen, Weißdorn oder richtig stachelige Wildrosen.

Während der Rushhour der Vögel könnte die Katze im Haus bleiben

Der Jagdtrieb ist den Katzen angeboren. "Die wird immer einfach auch nur zum Spaß Vögel jagen", so Markus Erlwein vom Landesbund für Vogelschutz. Doch den ein oder anderen Vogel kann man retten, wenn man Katzen so wenig wie möglich und nie hungrig frei draußen umherstreifen lässt. Wenn, dann frisch gefüttert, am besten beaufsichtigt um die Mittagszeit und auf keinen Fall nachts und auch nicht morgens und abends. Denn morgens und abends sind viele Vögel auf Futtersuche. Für sich und für ihre Jungen.

Taucht in der Zeit eine Katze auf, kommen sie nicht zum Futtersuchen, so Vogelforscher Peter Berthold: Der erste Vogel, der die Katze sehe, fange an, Alarmrufe zu machen. Die Alarmrufe würden auch von anderen Arten verstanden. Stößt eine Amsel einen solchen Warnruf aus, verstehen ihn auch Blaumeisen und Rotschwänzchen. Über Gartengrenzen hinweg. Die Katze werde dann nicht mehr aus den Augen gelassen. Eine Katze kann also eine ganze Schar von Vogeleltern davon abhalten, Futter für ihre Jungen zu suchen.

Echte Stubentiger sind Vogelschützer

Wer sich eine Hauskatze anschaffen und gleichzeitig die Vogelbestände schützen will, sollte am besten eine Rasse wählen, die man besonders gut als wirkliche "Stuben-Tiger" halten kann: Siam- oder Angorakatzen.

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