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ARCHIV - 15.07.2017, Nordrhein-Westfalen, Köln: Kardinal Rainer Maria Woelki

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    Wie Kardinal Woelki an der Missbrauchsaufarbeitung scheitert

    Aus dem Versuch, die Missbrauchsgeschichte im Erzbistum Köln aufzuklären, ist ein Scherbenhaufen geworden. Und auch die versuchte Entschuldigung von Kardinal Rainer Maria Woelki am Heiligabend, darf – da halbherzig – als misslungen gelten.

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    Von
    • Tilmann Kleinjung

    Es rumort in der katholischen Kirche in Deutschland. "Wut auf Woelki" titelt die FAZ. Und der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, spricht von einem Desaster. "Ich bin über die Situation nicht glücklich. Dass das jetzt in ein Desaster gemündet ist und auf uns alle abfärbt, das ist nicht gut."

    Eigentlich wollte das Erzbistum Köln aufklären

    Es begann mit einem großen Versprechen. Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki wollte die Missbrauchsfälle in seinem Bistum aufarbeiten lassen, vorbildlich, einmalig transparent. Dabei sollten auch Namen von Verantwortlichen und Vorgesetzten genannt werden. Doch Ende Oktober entzog Woelki überraschend der beauftragten Münchner Kanzlei das Mandat und gab ein neues Gutachten in Auftrag. An seinem Versprechen, alle "Vorgänge aufzuklären" will er festhalten. "Ich stehe weiterhin zu diesem Wort, auch wenn dies öffentlich gerade anders gesehen und angezweifelt wird."

    Ein fertiges Gutachten wird nicht veröffentlicht

    Es gibt diese Zweifel, weil Woelki das bereits fertige Gutachten aus München nicht veröffentlichen will. Nimmt er also doch Rücksicht auf hohe Würdenträger? Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße soll in der Untersuchung nicht gut weggekommen sein. Er war früher Personalchef in Köln. In dieser Funktion habe er bei Missbrauchsfällen "fehlendes Problembewusstsein" gezeigt, schreibt die "Zeit". Heße weist Vertuschungsvorwürfe entschieden zurück. Und Woelki selbst?

    Er soll kurz nach seinem Amtsantritt als Erzbischof von einem Missbrauchs-Fall erfahren, ihn aber nicht nach Rom gemeldet haben, wie es eigentlich Vorschrift ist, sagt der Sprecher der Betroffenen-Organisation "Eckiger Tisch", Matthias Katsch. "Es gibt keinen Spielraum. Wenn ich als Bischof von einem Priester meines Bistums erfahre, dass er im Verdacht steht, sexuellen Missbrauch begangen zu haben, muss ich das nach Rom melden. Das hat Kardinal Woelki nicht getan."

    Eine Entschuldigung, die keine ist

    In der Christmette im Kölner Dom an Heiligabend ergreift Kardinal Woelki noch einmal das Wort für eine persönliche Erklärung. Er bittet die Gläubigen und die "von sexueller Gewalt Betroffenen" um Verzeihung. Nicht für das von ihm unter Verschluss gehaltene Gutachten, nicht für eigenes Fehlverhalten, sondern für das, "was sie an der Kritik darüber und insbesondere auch an der Kritik an meiner Person ertragen mussten. Für all das bitte ich Sie um Verzeihung".

    Katsch fordert Woelkis Rücktritt

    Matthias Katsch kritisiert im Interview mit der Deutschen Welle: "Es tut ihm nicht leid, was er falsch gemacht hat, sondern dass er kritisiert wird. Und er versucht die Gläubigen in Mithaftung zu nehmen." Woelki müsse "den Mut haben und zurücktreten". Er könne sein Amt eigentlich nicht mehr ausüben. Denn Woelki sei "im Umgang mit den Betroffenen, mit der Öffentlichkeit und im Umgang mit dem konkreten Fall, der ihm vorgeworfen wird, so beschädigt".

    Auch Bischofskonferenzvorsitzender schließt Rücktritte nicht aus

    Auch der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz will Rücktritte im Zusammenhang der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Erzbistum Köln nicht ausschließen. Es habe weltweit bereits etliche Rücktritte von Bischöfen wegen des Missbrauchsskandals gegeben. "Das heißt", so Georg Bätzing, "mit einer solchen Konsequenz muss man rechnen."

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