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Eine Studie stellt dem Distanzunterricht während der Corona-Krise ein schlechtes Zeugnis aus.

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Wie geht es nach den Sommerferien in den Schulen weiter?

Eine Studie stellt dem Distanzunterricht während der Corona-Krise ein schlechtes Zeugnis aus: Er sei etwa so effektiv wie die Sommerferien. Währenddessen wird diskutiert, wie es nach den Sommerferien an den Schulen weitergehen soll.

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  • BR24 Redaktion

In einigen Bundesländern haben sie schon begonnen: die Sommerferien. Auch wenn es in Bayern traditionell noch etwas dauert, werden die Diskussionen über den Unterricht nach den Sommerferien immer lauter. Soll es auch im Herbst Maskenpflicht und Wechselunterricht geben? Für Diskussionsstoff sorgt auch eine neue Studie der Goethe-Universität Frankfurt.

Studie: Distanzunterricht etwa so effektiv wie Sommerferien

Diese stellt dem Distanzunterricht während der Corona-Krise ein schlechtes Zeugnis aus. Forscher der Frankfurter Universität haben sich dafür Daten aus aller Welt angesehen - das Ergebnis ist ernüchternd: "Die durchschnittliche Kompetenzentwicklung während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 ist als Stagnation mit Tendenz zu Kompetenzeinbußen zu bezeichnen und liegt damit im Bereich der Effekte von Sommerferien", erklärte einer der Autoren der Studie, Prof. Andreas Frey von der Goethe-Universität.

Für die Studie hatten Forscherinnen und Forscher Studien aus aller Welt wissenschaftlich analysiert, die über die Auswirkungen der coronabedingten Schulschließungen auf die Leistungen und Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern berichteten. Besonders stark seien demnach Kompetenzeinbußen bei Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Elternhäusern. "Hiermit sind die bisherigen Vermutungen durch empirische Evidenz belegt: Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich während der ersten coronabedingten Schulschließungen noch weiter geöffnet", schlussfolgerte Frey.

Allerdings gebe es auch erste Anhaltspunkte dafür, dass die Effekte der späteren Schulschließungen ab Winter nicht zwangsläufig ebenso drastisch ausfallen müssen: Inzwischen habe sich die Online-Lehre vielerorts verbessert.

Spahn plädiert für Corona-Maßnahmen in Schulen im Herbst

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plädierte am Wochenende dafür, dass Corona-Maßnahmen in den Schulen noch längere Zeit aufrechterhalten werden müssen. Im Herbst und Winter würden trotz derzeit sehr niedriger Inzidenzen voraussichtlich nach wie vor Maßnahmen wie Maskenpflicht oder auch Wechselunterricht notwendig sein: "Wir werden nicht völlig ohne Schutzmaßnahmen wieder in den Schulbetrieb gehen können", sagte Spahn am Samstag bei einer Online-Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing. Wo viele ungeimpfte Kinder zusammenkämen, müsse die Maskenpflicht fortbestehen, sagt Spahn.

Währenddessen sprach sich die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD), gegen frühzeitige Festlegungen auf weitere Einschränkungen des Regelunterrichts aus.

Leopoldina empfiehlt Schulen offen zu halten

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfiehlt, Deutschlands Schulen und Kindergärten in der Pandemie langfristig offen zu halten und so Präsenzunterricht für alle Schüler zu ermöglichen. Dies sei die effektivste Art des Lernens, heißt es in einer veröffentlichten Stellungnahme. Die Öffnungen sollten aber von "geeigneten Schutzmaßnahmen" begleitet werden. Darüber hinaus sprachen sich die Wissenschaftler dafür aus, den digitalen Ausbau an den Bildungseinrichtungen zu beschleunigen.

Eltern verunsichert über Aussichten nach den Sommerferien

Während die Politik noch über die Maßnahmen nach den Sommerferien diskutiert, scheinen einige Eltern verunsichert zu sein. Dabei befürchten Eltern auf Twitter auch die Verbreitung der ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus in den Schulen. Derzeit können Kinder unter zwölf Jahren nicht gegen das Coronavirus geimpft werden, da eine entsprechende Empfehlung der Ständigen Impfkommission Stiko fehlt.

Andere Twitter-User kritisieren wiederum Spahns Aussichten auf den Schulbesuch nach den Herbstferien mit dem Blick auf die derzeitige Fußball-Europameisterschaft, bei der schließlich auch "alles erlaubt" sei.

Knappe Mehrheit in Bayern für Abschaffung der Maskenpflicht

Angesichts der aktuellen Corona-Zahlen ist einer Umfrage zufolge aktuell eine knappe Mehrheit der Bayern für eine sofortige Abschaffung der Maskenpflicht im Unterricht. Bei der von der FDP-Landtagsfraktion beim Marktforschungsunternehmen Civey in Auftrag gegebenen Umfrage stimmten 50,4 Prozent für die sofortige Abschaffung und 39,7 Prozent dagegen. Der Rest hatte keine klare Meinung dazu.

"Angesichts sommerlicher Temperaturen und einstelliger Inzidenzwerte ist die Maskenpflicht im Unterricht nicht mehr verhältnismäßig", bewertete FDP-Fraktionschef Martin Hagen das Ergebnis. Die Staatsregierung solle endlich ein Einsehen mit den Schülern haben, forderte er. Für die Umfrage hatte Civey zwischen dem 15. und 18. Juni 1001 Menschen befragt.

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