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Wie geht es mit der Rekrutierung voran? | BR24

© pa/dpa

Symbolbild: Hackerangriff

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    Wie geht es mit der Rekrutierung voran?

    Die neue Bundeswehr-Streitkraft "Cyber- und Informationsraum" soll für Schutz gegen Hackerangriffe sorgen. Der Aufbau wird aber erst in vier Jahren abgeschlossen sein, Rekrutierung und Ausbildung der IT-Fachleute dauern. Von Birgit Schmeitzner

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    Das Ziel, das Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) im Herbst 2015 für die Umstrukturierung der Bundeswehr ausgab, war klar: die Truppe zeitgemäß aufstellen und gegen Angriffe über das Internet schützen.

    "Wir leben in einer immer stärker vernetzten Welt, das ist enorm hilfreich im Alltag. Allerdings bringt das mit sich, dass wir verwundbarer werden für Angriffe von außen." Ursula von der Leyen

    Die neue Cyber-Armee mit offiziellem Sitz in Bonn musste nicht komplett aus dem Boden gestampft werden. Es gab bereits an vielen Bundeswehrstandorten IT-Fachleute, Software-Entwickler, Systemadministratoren, Fernmelde-Techniker. Sie mussten nicht umziehen, sondern wurden einfach dem neuen Kommando "Cyber- und Informationsraum" zugeordnet. Zum 1. Juli waren es 13.500 Soldaten und zivile Kräfte, bis 2020/21 sollen es 15.000 sein.

    Drei-Sterne-General und Diplomingenieur für Elektrotechnik

    Chef des neuen Cyber-Kommandos ist Generalleutnant Ludwig Leinhos. Er gilt als Experte für elektronische Kampfführung, war für diesen Bereich im NATO-Hauptquartier in Brüssel zuständig und zuletzt Leiter des Aufbaustabes im Verteidigungsministerium. Leinhos spricht von einer Herausforderung, auch wenn es um die innovative Technik geht, die seine Truppe braucht, um nicht weltweit hinterher zu hinken.

    "Wir sind natürlich nicht am vorderen Ende der Technologie in jeder Beziehung, aber wir haben durchaus auch sehr, sehr moderne Informations- und Kommunikationstechnik." Generalleutnant Ludwig Leinhos, erster Inspekteur des 'Cyber- und Informationsraums' der Bundeswehr

    Wer will an die virtuelle Front?

    Die Hauptaufgabe lautet: das weit verzweigte IT-Netz der Bundeswehr zu betreiben und es vor privaten wie staatlichen Hackern zu schützen. Dafür braucht man zusätzliches Personal, doch das ist nicht leicht zu bekommen. IT-Nerds gelten nicht gerade als Bundeswehr-affin. Zudem zahlt die freie Wirtschaft besser.

    Doch im Verteidigungsministerium ist man zuversichtlich, dass die Werbekampagnen greifen: 2016 habe man rund 60 Prozent mehr Informatiker eingestellt als im Jahr zuvor. Und am Standort Bonn heißt es: Bei uns kommen jede Menge Anfragen an, über 200 Reservedienstleistende mit IT-Sachverstand haben sich demnach gemeldet und wollen für ein paar Wochen mitarbeiten.

    Ausbildung im eigenen Haus

    An der Bundeswehr-Universität München wird derweil der internationale Master­-Studiengang "Cybersicherheit" aufgebaut. Am 23. Juni nahm die Verteidigungsministerin das neue Forschungsinstitut offiziell in Betrieb.

    "Wir wollen 70 Studierende bereits im Januar des nächsten Jahres haben, weil wir wissen, dass Personal auch was damit zu tun hat, überhaupt da rein zu investieren. Und es gibt nicht sehr viel in Deutschland, wo bereits Studierende im Thema Cyber ausgebildet werden." Katrin Suder, Staatssekretärin im Verteidigungsministerium

    Ob es wirklich sofort 70 Studierende sein werden, ist noch nicht ausgemacht. Der Pressesprecher der Universität, Michael Brauns, geht erst einmal von 30 bis 35 aus: entweder Offiziersnachwuchs oder Quereinsteiger mit einem Bachelor in Informatik oder Ingenieurswissenschaft. Derzeit läuft an dem neuen Forschungsinstitut das Bewerbungsverfahren der potenziellen Professoren, sie werden dann sehr speziell zugeschnittene Bereiche wie digitale Forensik, Data Science oder Machine Learning abdecken.

    Modernes IT-Gerät gesucht

    In Berlin wird zudem eine kleine Einheit mit dem Namen "Cyber Innovation Hub" aufgebaut. Das Team soll gezielt Start-ups ansprechen, den Kontakt zu Wirtschaft und Industrie suchen. Auch weil man weiß: Im Bereich IT können Innovationen von heute in zwei Jahren schon wieder veraltet sein. Mit den alten Beschaffungszyklen der Bundeswehr kommt man da nicht weit.