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Besondere Risiken für manche HIV-Infizierte durch Corona | BR24

© dpa

Ein HIV-Schnelltest bei der Berliner AIDS-Hilfe

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    Besondere Risiken für manche HIV-Infizierte durch Corona

    Es gibt Hinweise darauf, dass eine HIV-Erkrankung das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion erhöhen könnte, sofern die Betroffenen keine geregelte Versorgung bekommen. Außerdem gibt es weniger Tests, und die Medikamentenversorgung ist erschwert.

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    Von
    • Frank Bäumer

    Menschen mit HIV-Erkrankung stehen in der Corona-Krise vor besonderen Herausforderungen - und sind möglicherweise auch besonders gefährdet. Man befürchtet, dass eine HIV-Erkrankung das Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion erhöhen könnte.

    Besondere Gefahren für HIV-Infizierte durch Corona?

    Laut Medizinern wie dem Infektiologen Dr. Christoph Spinner ist diese Sorge nicht ganz unbegründet. So gibt es durchaus Hinweise, dass eine fortgeschrittene Immunschwäche durch die HIV-Erkrankung zu einem höheren Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion und auch zu komplizierten Verläufen führen könnten. Solange Menschen mit HIV regelmäßig ihre Medikamente bekommen und unter ärztlicher Behandlung stehen, ist ihr Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf nicht größer als bei jedem anderen Menschen auch. Doch die Versorgung ist nicht immer gesichert.

    Abgeschnitten von der Versorgung mit Medikamenten

    So gibt es laut Auskunft der Münchner AIDS-Hilfe viele in Deutschland lebende Studenten oder Arbeitnehmer mit Werkverträgen, die hier nicht krankenversichert sind. Normalerweise beziehen diese Menschen ihre Medikamente aus dem Ausland. Doch aufgrund von Reisebeschränkungen haben die Betroffenen zur Zeit keine Möglichkeit, sich in ihrem Heimatland ihre dringend benötigten Medikamente zu besorgen. Für die meisten von ihnen sind die Behandlungskosten in Deutschland für einen HIV-Patienten von rund 2.000 Euro pro Monat viel zu teuer, um sie aus eigener Tasche bezahlen zu können.

    Zu wenig HIV-Tests wegen Corona

    Ein weiteres Problem: Aufgrund mangelnder Kapazitäten durch die Coronakrise führen viele kommunale Einrichtungen nach Angaben der Münchner AIDS-Hilfe derzeit keine HIV-Tests durch. So musste der Verein sein eigenes Testangebot ausweiten, um diese Versorgungslücke zu schließen. Unverständlich für die freiwilligen Helfer, angesichts von etwa 10.000 unentdeckten HIV-Infektionen in Deutschland. Durch das fehlende Testangebot wird nicht nur das Risiko einer unbewussten Weitergabe des HI-Virus erhöht. Eine unentdeckte Immunschwächeerkrankung kann auch die Gefahr eines schweren Covid-19-Verlaufs mit sich bringen.

    Lernen aus der AIDS-Pandemie

    Viele Menschen aus dem Kreis der Betroffen fühlen sich derzeit auch an die Zeit der ersten HIV-Welle in den 1980er-Jahren erinnert. Viele der von der neuen, unbekannten Seuche Betroffenen hatten damals ganz besonders mit Ausgrenzung und Stigmatisierung zu kämpfen. Bei diesen infektiösen Krankheiten spiele Angst eine große Rolle, sagt der Infektiologe Christoph Spinner. Die Unklarheit darüber, wie sich die Krankheit verbreitet, brachten sowohl bei AIDS, als auch bei der Covid-19-Erkrankung zumindest anfangs das Problem von Isolation und Vereinsamung der Betroffenen mit sich.

    So hoffen Ärzte und auch Helfer, dass alle Verantwortlichen aus den Fehlern lernen, die vor rund 40 Jahren in der Anfangszeit der AIDS-Pandemie gemacht wurden.

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