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Wie erleben Opfer die Missbrauchskonferenz im Vatikan? | BR24

© dpa-Bildfunk / Gregorio Borgia

Denise Buchanan, Gründungsmitglied der Organisation Ending Clergy Abuse (ECA), umarmt ein Opfer von Sexualmissbrauch an der Engelsburg.

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    Wie erleben Opfer die Missbrauchskonferenz im Vatikan?

    Der Gipfel zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch ist gerade das große Thema im Vatikan, und nicht nur dort. Bei einer Mahnwache vor der Engelsburg in Rom haben Opfer sexuellen Missbrauchs erneut auf ihre Anliegen aufmerksam gemacht.

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    Sie sind die Gesichter dieses Gipfels. Frauen und Männer, die als Kinder von Priestern missbraucht worden sind. Und während die Bischöfe hinter verschlossenen Türen beraten, werden die Opfer nicht müde, vor den Vatikantoren ihre Geschichte zu erzählen. Wie Alessandro Battaglia, der mit 15 von einem Priester sexuell missbraucht wurde. "Jeder von uns hat mindestens einmal versucht, sich das Leben zu nehmen." Nur mit viel Mühe schafft es Alessandro, über das Trauma seines Lebens zu sprechen. Er, der in seiner Jugend in der Kirche aktiv war, als Pfadfinder, als Jugendleiter, hat seinen Glauben verloren.

    "Sie haben mir den Glauben gestohlen. An eine Kirche, einen Gott, der so etwas zulässt, kann ich nicht mehr glauben." Alessandro Battaglia

    Bei der Gerichtsverhandlung gegen den Mann, der Alessandro vergewaltigt hat, kommt heraus, dass der Weihbischof damals empfohlen hat, den Täter zu versetzen.

    Bischöfe in Italien haben Täter-Priester nur in andere Gemeinden versetzt

    "In Italien gibt es fünf Bischöfe, die vor Gericht zugegeben haben, pädophile Priester in andere Gemeinden versetzt zu haben, die also wie in meinem Fall Taten vertuscht haben." Alessandro Battaglia

    Der damals zuständige Weihbischof ist heute Erzbischof von Mailand, ein wichtiger Mann in der katholischen Kirche Italiens. An Fällen wie diesen will Peter Isely von der Opferorganisation SNAP den Papst und die Bischöfe messen. Wenn die Kirche es wirklich ernst meint mit Null Toleranz, so Isely, beginnt nach der Konferenz am Montag eine neue Zeitrechnung:

    "Am Montagmorgen müssen die Bischöfe beauftragt werden: Wenn es in ihrer Diözese Priester gibt, die sexuelle Übergriffe auf Kinder begangen haben, müssen die am Montagnachmittag aus ihrem Amt entlassen werden. Und Bischöfe, die Verbrechen gedeckt haben, müssen von Verantwortungspositionen entfernt und in einem zweiten Schritt auch aus der Priesterschaft entlassen werden."

    Die Mahnwache der Opfer ist in Sichtweite zum Vatikan

    Abend in einem Park an der Engelsburg in Rom: Missbrauchsopfer treffen sich für eine Mahnwache in Sichtweite zum Vatikan, wo zur selben Zeit die Bischöfe tagen. Mit dabei ist auch Matthias Katsch. Er wurde als Schüler von Patres im Berliner Canisius Kolleg missbraucht. Vor neun Jahren kam heraus, was ihm und seinen Mitschülern passiert ist. Spätestens seitdem steckt auch die deutsche Kirche in der Missbrauchskrise. Unabhängig von den Ergebnissen ist für Katsch die Bischofskonferenz in Rom schon ein kleiner Erfolg.

    "Dass mit diesem Moment auch Befreiung für viele Leute verbunden ist. Die diese Last endlich hinter sich lassen wollen. Und die jetzt merken: Du bist nicht allein, wir sind viele. Und zusammen haben wir es auch geschafft, dass diese Herren dort im Vatikan jetzt endlich über die Themen reden müssen, und jetzt hoffen wir, dass sie auch zum Handeln kommen." Matthias Katsch

    Vertreter der Missbrauchsopfer enttäuscht - nur eine Nebenrolle?

    Matthias Katsch ist wie viele Opfervertreter enttäuscht, dass Überlebende bei dieser Konferenz nur eine Nebenrolle spielen. Wie Kirche Missbrauch in den eigenen Reihen bekämpfen muss, würde er gerne den Konferenzteilnehmern persönlich sagen, vor allem einem Mann.

    "Stellen sie sich vor, der Papst öffnet morgen den Petersdom und sagt: Alle Betroffenen kommt her, ich empfange Euch, ich höre euch zu!"

    Aus vielen Nationen sind Missbrauchsopfer in diesen Tagen nach Rom gereist. Für viele von ihnen ein enormer Kraftakt – auch finanziell. Und die Hoffnung, dass Überlebende diese Konferenz nicht nur begleiten, sondern am Ende auch an ihr teilnehmen, haben sie noch nicht aufgegeben.