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Von Fast Fashion zu Fair Fashion: Wie Kleidung nachhaltiger wird | BR24

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Wie die Textilindustrie klimafreundlicher werden könnte

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Von Fast Fashion zu Fair Fashion: Wie Kleidung nachhaltiger wird

Weg von Fast Fashion - hin zu nachhaltiger Mode. Dieser Trend ist auch in Bayern angekommen. Es entstehen neue, faire Modemarken. Doch auch bereits bekannte Labels versuchen inzwischen, ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern.

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Catja Günther, Alina Friedrichs und Sophia Wittrock stehen in ihrem Münchner Büro, das gleichzeitig Verkaufsraum und Lager ist, und schauen sich ihre Lieferung an. Auf dem Kleiderständer hängen T-Shirts, Hosen, Kleider in verschiedenen Farben und Größen, alle fair und nachhaltig produziert. Die drei Frauen haben ein Start-up gegründet mit dem sie faire Kleidung bekannter machen wollen. "Viele Leute denken, dass es sehr teuer ist, faire Mode zu kaufen. Dass es eher öko, nicht so schick aussieht, fair Fashion zu tragen und, dass man sich viel Mühe geben muss, um die Sachen einzukaufen", sagt Katja Günther, eine der Gründerinnen von jesango, einer Online-Plattform für nachhaltige Mode.

Faire Mode zum Standard machen

Für ihr Projekt haben die drei Frauen, alle um die 30 Jahre alt, einen Gründerzuschuss erhalten. Das Büro in der Hochschule München dürfen sie gerade umsonst nutzen. Auf ihrer Website wollen sie einerseits über faire Mode aufklären, andererseits wollen die drei in Zukunft davon leben. Ihre Website jesango.de ist aufgeteilt in einen Blog und einen Online-Shop. In dem gibt es nur Produkte von Marken zu kaufen, die mit offiziellen, fairen Siegeln ausgezeichnet sind. Danach suchen sie die Labels aus, die sie vorstellen und deren Produkte sie anbieten. Momentan sind es rund zwei Dutzend eher unbekannte Marken. Das klare Ziel der drei Frauen ist es, faire Mode zum Standard zu machen.

Verband sieht Nachhaltigkeit auf dem Vormarsch

Inzwischen haben viele bayerische Textilunternehmen das Thema Nachhaltigkeit für sich entdeckt. Das geht aus einer Studie hervor, die der Verband bayerischer Textilunternehmen (VBT) in Auftrag gegeben hat. Rund 85 Prozent der darin befragten Firmen gaben an, dass ökologische Nachhaltigkeit zu ihrer Unternehmensstrategie zählt.

Laut dem VBT hat die bayerische Textilindustrie beim Thema Nachhaltigkeit einen Wettbewerbsvorteil. Denn in Bayern ist die gesamte textile Kette vertreten, das heißt, ein T-Shirt kann hier vom Stoff bis zur letzten Naht produziert und anschließend vermarktet werden. Dadurch bleiben Transportwege kurz und es fällt weniger CO2 an, das als umweltschädlich gilt.

Ausstieg aus dem Online-Handel

Michael Spitzbarth aus Helmbrechts im Landkreis Hof zum Beispiel hat sich Gedanken darüber gemacht, wie er seine Bio-Modemarke Bleed noch klimafreundlicher machen kann. Eine seiner Ideen ist, dass er nicht mehr jedes Kleidungsstück im Online-Shop anbietet, nur noch in seinem Laden in Helmbrechts. Damit spart er den klimaunfreundlichen Versand. "Wir sagen: zum nachhaltigen Produkt gehört, ein nachhaltiger Vertrieb. Wir wollen eben keine Massenware machen", erklärt Michael Spitzbarth. "So ähnlich wie früher mit den Tante-Emma-Läden, wo man halt wirklich das Zeug vom regionalen Bauern dort kaufen konnte. Genau das wollen wir hier mit der Jeans zeigen."

Seine Strategie scheint aufzugehen. Insgesamt beschäftigt er rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. "Das ist eigentlich der lebendige Beweis, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sich nicht ausschließen", sagt Michael Spitzbarth. Viele Modemarken würden davon leben, dass sie limitierte Ware anbieten. "Das macht ja die Marke auch besonders und vor allem begehrenswert. Das hat zur Folge, dass auch wieder viel mehr Wertschätzung auf der Kundenseite kommt für das Produkt", findet er.

Mehr Bio, weniger Kunstfasern

Wie bleed aus Helmbrechts gibt es immer mehr bayerische Modelabel, die Kleidung aus Bio-Baumwolle anbieten. Die Bio-Baumwolle verbraucht im Anbau und der Verarbeitung in der Regel weniger Wasser als konventionell angebaute Baumwolle. Außerdem werden auf Bio-Baumwoll-Feldern keine Pestizide eingesetzt.

Der zweite große Punkt in Sachen Materialien sind Plastikfasern. Faire und nachhaltige Modelabel verzichten auf Polyester, Acryl und Polyamid. Denn die künstlichen Fasern stehen bei Umweltschützern aus zwei Gründen in der Kritik. Erstens basieren sie auf fossilen Rohstoffen wie Erdöl, zweitens tragen sie zum Mikroplastik-Problem bei.

Nächster Schritt: CO2-neutrale Mode

Die Augsburger Unternehmerin Sina Trinkwalder nimmt das Thema Nachhaltigkeit bei ihrer Modemarke Manomana schon seit zehn Jahren ernst. Ab April 2020 geht sie noch einen Schritt weiter und nutzt keine neuen Bio-Materialien mehr für ihre Rucksäcke, Tragetaschen und Kleidungsstücke, sondern arbeitet mit Stoffresten und -überschüssen. "Wir geben jedem Menschen eine zweite Chance. Also müssen wir den Materialien auch eine zweite Chance geben“, so Trinkwalder.

Weniger wegwerfen, mehr wiederverwerten

Die Rechnung, die hinter der sogenannten CO2-neutralen Kleidungsherstellung steht, ist einfach: Bei der Herstellung von Stoffen wird Energie benötigt und es entstehen Emissionen. Für viele Unternehmen ist es betriebswirtschaftlich günstiger, übriggebliebene Stoffe zu entsorgen und zum Beispiel zu verbrennen. Dabei entsteht wieder CO2. Indem diese Restbestände an Stoffen recycelt werden, werden Emissionen gleich zweimal vermieden.

Mit diesen Tipps kann jeder mit seiner Kleidung das Klima schützen.

Video: Fast Fashion: Klamotten für die Tonne

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Her damit, weg damit: Mehr als doppelt so viel Kleidung wie im Jahr 2000 wird mittlerweile weltweit verkauft. Getragen wird sie aber nur noch halb so lange. Fast Fashion boomt.

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