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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Petros Giannakouris

Vor einem Jahr noch hatte das griechische Finanzministerium gemeldet: Man erwarte für 2020 ein Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent. Keine zwei Monate später würgte die Corona-Pandemie den Aufschwung ab - und die Staatsverschuldung stieg extrem an.

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Wie die Pandemie den Aufschwung in Griechenland abwürgt

Vor einem Jahr noch hatte das griechische Finanzministerium gemeldet: Man erwarte für 2020 ein Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent. Keine zwei Monate später würgte die Corona-Pandemie den Aufschwung ab. Die Staatsverschuldung steigt extrem an.

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Von
  • Verena Schälter

Eine Branche, die besonders hart von den Folgen der Corona-Krise betroffen ist, ist die Gastronomie. Während des ersten Lockdowns im Frühling haben die meisten Unternehmen noch durchgehalten. Diesmal aber, nach dreimonatiger Einstellung des Betriebs, sind die Aussichten düster.

Probleme vor allem in gehobener Gastronomie

Das Psariston ist eine Taverne im Norden von Athen. Es ist bekannt für seine Fischspezialitäten, die Preise: eher gehoben. Restaurantbesitzer Vassilis Akrifos steht allein in der Küche und schneidet Zwiebeln. Anfang November musste er sein Restaurant aufgrund der Coronapandemie schließen. Seitdem kann man bei ihm auch Essen zum Mitnehmen bestellen. Dafür musste er seine Speisekarte umstellen, denn viele seiner hochwertigen Speisen sind nicht fürs Liefern gemacht, findet er. Richtig glücklich ist er damit trotzdem nicht.

"Mit dem Lieferservice kannst du nicht überleben. Da überleben vor allem Restaurants, die das schon vor Corona gemacht haben. Die stehen jetzt besser da. Für andere, so wie meins, ist es schwierig. Weil kaum jemand bereit ist, für vornehmes Essen zu bezahlen, um es sich dann nach Hause liefern zu lassen. Das ist ein Problem für uns." Vassilis Akrifos, Inhaber eines gehobenen Restaurants in Athen

Weil er finanzielle Rücklagen hat, konnte er sich bislang über Wasser halten. Andere schaffen das nicht, erzählt er: "Vor einer Stunde hat mich eine Freundin aus Thessaloniki angerufen und mir erzählt, dass sie seit zwei Tagen nur noch heult, weil sie pleite ist. Und so geht es vielen."

Immer mehr Betriebe vor der Insolvenz

Viele Betriebe haben den ersten Lockdown im vergangenen Jahr noch irgendwie überstanden. Doch die darauffolgende Sommersaison viel deutlich magerer aus und brachte nur einen Bruchteil der sonstigen Einnahmen. Dann kam der Herbst, und Anfang November mussten alle Gastronomie-Betriebe erneut schließen.

Zwar hat die griechische Regierung Hilfsprogramme aufgelegt, doch die Gelder reichen nicht, um die laufenden Kosten zu decken, beklagt die Gewerkschaft GSEVEE. Sie hat eine aktuelle Umfrage veröffentlicht: Demnach haben 40 Prozent der Betriebe ihre Rücklagen mittlerweile aufgebraucht. Zwanzig Prozent können gerade noch einen weiteren Monat überleben.

Die einzige Hoffnung nicht nur für die Gastronomen, sondern für die griechische Wirtschaft insgesamt: Dass die Pandemie sehr bald unter Kontrolle gebracht wird, sagt Ökonom Nikos Vettas.

"Wenn die Pandemie im Frühjahr europaweit nicht rechtzeitig unter Kontrolle ist, wird es fast unmöglich sein, dass sich die Wirtschaft im Sommer wieder erholt – wenn für den Tourismus Hochsaison ist. Dann werden einige Bereiche, die von den Einnahmen des Tourismus abhängen, ebenfalls leiden – wie Transportunternehmen, die Gastronomie oder die Baubranche. Und das wird sich negativ auf die gesamte griechische Wirtschaft auswirken." Nikos Vettas, Ökonom

Ohne Tourismus deutlich weniger Einnahmen

2019 haben mehr als 34 Millionen Touristen Griechenland besucht. Der Tourismussektor trägt etwa ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt bei und war nach der Finanzkrise einer der wichtigsten Wachstumsmotoren. Die Pandemie war ein herber Rückschlag.

"Griechenland war bereits 2018 im Aufwärtstrend, stärker noch 2019, als uns die Corona-Krise getroffen hat. Während es mit der Wirtschaft in Griechenland bergauf ging, ist es im Rest von Europa größtenteils nach unten gegangen. Deshalb war das Timing für uns besonders schlecht." Nikos Vettas, Ökonom

Es wird also noch eine Weile dauern, bis Griechenland aus dem Krisenmodus herauskommt. Wie lange, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar.

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