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Wie die CDU von einem Youtuber aus dem Konzept gebracht wurde | BR24

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Was wirft der Youtuber Rezo der CDU vor?

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Wie die CDU von einem Youtuber aus dem Konzept gebracht wurde

Ein millionenfach geklicktes Video erhebt schwere Vorwürfe gegen die CDU. Die sieht Falschbehauptungen und kündigt ein Antwortvideo an. Klar wird: Es gibt noch keinen Plan, wie die Union mit jungen Kritikern im Netz umgehen will.

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Auf der offiziellen CDU-Twitterseite: nicht mal eine Erwähnung des Videos. Stattdessen wird man gefragt: "Auch schon Post von AKK und Manfred Weber bekommen?". Dass der Youtuber Rezo bei der CDU einen Nerv getroffen hat, zeigen dagegen die Reaktionen aus der Partei auf Twitter. Empörte CDU-Mitglieder schimpfen über "Fake News". Als eines der ersten CDU-Mitglieder reagierte Philipp Graefe, der sich auf Twitter über die Pushmeldung der FAZ ärgert: "Der junge Mann verbreitet Fake News ohne Ende und ist populistisch bis in die blauen Haarspitzen". Das fliegt ihm auf Twitter um die Ohren: Graefe soll sagen, was im Video fake ist. Tut er aber nicht.

"Pseudofakten vermischt" – konkreter wird Ziemiak nicht

Paul Ziemiak, CDU-Generalsekretär, verwendet den Begriff Fake News nicht. Rezo mache von seinem Recht auf Meinungsäußerung Gebrauch: "Journalismus ist das aber nicht." Ziemiak unterstellt "Falschbehauptungen" im Rezo-Video. Es würden viele "Pseudofakten" vermischt. Er meint die Quellenangaben, die Rezo als Beleg für seine Thesen immer wieder ins Video einblendet. Ziemiak sagt aber nicht, auf welche Aussagen sich seine Kritik konkret bezieht.

Es geht um "Die Zerstörung der CDU"

Der Youtuber Rezo hat sein Video "Die Zerstörung der CDU" genannt. Das kann man auf zwei Arten lesen. Rezo sagt, er will nicht die CDU zerstören, sondern zeigen "wie die CDU sich selbst, ihren Ruf, ihr Wahlergebnis zerstört". Er meint übrigens mit CDU auch die CSU, "weil: Das ist leichter". Im Video zerpflückt Rezo die Politik der großen Koalition in den Bereichen Sozialpolitik, Bildung, Klimaschutz, Cannabis-Legalisierung, Uploadfilter, Rüstung, Wahlrecht. Er unterstellt der Großen Koalition Versagen, bezieht das er aber fast ausschließlich auf die Union. Auf vielen Feldern zeige die "krasse Inkompetenz".

Argumentative Schwächen

Eine der am längsten behandelten Fragen ist, ob der Klimawandel menschengemacht ist. Das zweifelt nur die AfD an. Offen bleibt, wie die Frage mit der Union verbunden ist, denn die bezweifelt den menschengemachten Klimawandel nicht. Zum CO2-Ausstoß führt Rezo Großbritannien als lobendes Beispiel an, dem es gelungen sei, den Ausstoß massiv zu senken. Dass das Land dazu die Kernenergie massiv ausgebaut hat, sagt Rezo nicht. Er versucht seine Thesen zu stützen, indem er Interviewschnipsel einspielt und Quellenangaben einblendet. Nach 55 Minuten bleibt das Gefühl: Die Union ist die Wurzel allen Übels. Durch viele argumentative Unschärfen bleibt es aber beim Gefühl.

Video-Post der Union lässt auf sich warten

Schon am Vormittag hat die CDU angekündigt, mit einem eigenen Video auf Rezo zu antworten. Dazu soll Philipp Amthor, mit 26 Jahren der jüngste direkt gewählte Abgeordnete im Bundestag, ins Rennen gehen. Das Video war für den Nachmittag angekündigt. Aber es verzögert sich. Die CDU bastelt offensichtlich noch an ihrer Antwort. Während die Partei auf Twitter noch fragt "Auch schon Post von AKK und Manfred Weber bekommen?", twittert der User "Kauz": "Philipp Amthor hat ein Antwortvideo auf Rezo gemacht. Also bitte nicht wundern, wenn in den kommenden Tagen eine VHS in der Post ist." Die Union hat in der Wahrnehmung junger Kritiker offensichtlich ein Problem.