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Wie der Terror nach Sri Lanka kam | BR24

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Wachposten der Polizei von Sri Lanka

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Wie der Terror nach Sri Lanka kam

In die Trauer der Menschen auf Sri Lanka mischt sich Entsetzen. Mittlerweile ist klar: Es gab Fehler im Sicherheitsapparat. Denn es lagen konkrete Warnungen vor Anschlägen auf Kirchen und Hotels vor.

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Neun Attentäter seien es gewesen, so der stellvertretende Verteidigungsminister Sri Lankas, Ruwan Wijewardene, darunter soll auch eine Frau gewesen sein. Mehr als 60 Verdächtige hat die Polizei mittlerweile festgenommen. Nach wie vor finden die Polizisten auch noch weitere Sprengsätze oder sprengen verdächtige Fahrzeuge, kontrollieren intensiv die Menschen, die auf dem Weg zum Flughafen sind und führen Hausdurchsuchungen durch.

Das sei gut, sagt Jehan Perera vom Nationalen Friedensinstitut in Sri Lanka, allerdings ist er fassungslos, dass die Sicherheitskräfte im Vorfeld so untätig gewesen seien. "Unsere Soldaten, die nah bei den Leuten sind, haben schon darauf hingewiesen, dass sie sehen, wie junge Leute sich radikalisieren, doch hier wird nichts dagegen unternommen. Und es gab diesen Bericht, der an die obersten Polizeichefs gegangen ist - und wieder hat sich keiner darum gekümmert."

Indischer Geheimdienst soll zweimal gewarnt haben

Der Bericht, von dem Perera spricht, kam vom indischen Geheimdienst, so berichtet es der Fernsehsender CNN. Der habe die Behörden in Sri Lanka sogar mehrfach gewarnt, wie nun auch der Regierungssprecher zugegeben hat: vor zwei Wochen und dann nochmal zwei Tage vor den Anschlägen. Inzwischen zog Staatspräsident Maithripala Sirisena die Konsequenzen: Der Polizeichef sowie ein hochrangiger Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums sollen ihre Posten räumen. Der Präsident wies sie an, ihre Kündigungen einzureichen, wie sein Büro mitteilte.

Indien soll die Informationen von einem IS-Kämpfer erhalten haben, den der Geheimdienst verhört hatte. Dieser IS-Kämpfer soll ausgesagt haben, dass er einen der Attentäter in Sri Lanka ausgebildet habe und ihn radikalisiert habe.

Zahran Hashim ist der Mann. Er soll einer der Drahtzieher der Anschläge gewesen sein und gehörte auch zu der lokalen Extremistengruppe NTJ. Der junge Mann taucht auch in dem Video auf, das der IS hochgeladen hatte. Er ist der einzige, der darauf nicht vermummt erscheint. Der IS-Kämpfer aus Indien soll bei dem Verhör mit dem Geheimdienst auch die Anschlagsziele genannt haben: Hotels und Kirchen.

Ist Konflikt zwischen Präsident und Premier Schuld?

"Es ist absolut schockierend", sagt Perera. "Es hat diese Warnungen gegeben - und die sind einfach durchs Netz gefallen." Der Friedensforscher sieht den Fehler bei der Regierung, weil Präsident Sirisena und Premierminister Ranil Wickremesinghe so verfeindet seien, dass sie wohl selbst über solche Warnungen nicht kommunizieren würden.

Perera forscht auch viel darüber, wie die buddhistische Mehrheit im Land die religiösen Minderheiten im Land unterdrücke und stellt eine steile These auf, allerdings als Frage formuliert: "Hätte es sich um Drohungen gegen Buddhisten und buddhistische Tempel gehandelt, hätten sie dann auch so gleichgültig reagiert wie in diesem Fall?"

Der internationale Terrorismus-Experte Peter Neumann vom Londoner King's College sieht in den Attentaten von Sri Lanka einen gezielten Versuch, Religionen und Gesellschaften gegeneinander aufzuhetzen. Ausgerechnet in einem Land, in dem bis vor zehn Jahren noch ein Bürgerkrieg tobte, der mehr als 25 Jahre gedauert hat.