Bildrechte: picture-alliance/dpa

Seehofer und zu Guttenberg

Artikel mit Bild-InhaltenBildbeitrag

Wie dauerhaft ist Guttenbergs Comeback?

Der ehemalige CSU-Hoffnungsträger und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg tourt als selbsternannter "engagierter Bürger" durch den bayerischen Wahlkampf. Mit im Gepäck: Unzählige Gerüchte. Von Ronja Dittrich und Ralf Fischer

Über dieses Thema berichtet: Kontrovers.

In Deutschland haben politische Spekulanten, Wettanbieter und Wahrsager wieder ein großes Thema: Was wird nur aus Karl-Theodor zu Guttenberg? Er füllt Bierzelte und Hallen - als hätte er vor sechs Jahren nicht hingeschmissen und Deutschland und der Politik den Rücken gekehrt. Wegen seiner gefälschten Doktorarbeit.

Politische Ambitionen bestreitet zu Guttenberg regelmäßig. So richtig ernst gemeint kann das aber nicht sein. Diese Woche in Moosburg: Auftritt auf der Herbstschau. Mit dabei Ilse Aigner, stellvertretende Ministerpräsidentin. Gerüchte brauchen Brennstoff - Ilse Aigner gießt kräftig nach:

"Ich freu mich auf alle Fälle, einen früheren Kollegen zu begrüßen - und ich hätte auch nichts dagegen, wenn er ein künftiger Kollege von mir ist." Ilse Aigner, CSU, stellvertretende Ministerpräsidentin

Seine Termine sind durchinszeniert. Karl Theodor zu Guttenberg bringt eine vorbereitete Rede mit. Gespräche mit Journalisten werden abgelehnt. Nichts wird dem Zufall überlassen. Spontane Aussagen sind rar. Aufklärungsversuch im Bierzelt: Herr Seehofer sagte, er könne sich Sie in verschiedenen Rollen vorstellen. In welcher würden Sie sich gerne sehen?

"An einem Biertisch sitzen mit einem guten Maßkrug vor mir. Das ist die Rolle, die ich am allermeisten genieße." Karl-Theodor zu Guttenberg, CSU, Parteimitglied

Zu Guttenberg füllt Bierzelte und Hallen

Im Zelt in Moosburg warten 2.000 Zuhörer. Zu Guttenberg ist trotz seines unrühmlichen Abgangs eine Projektionsfläche geblieben. Der ewige Hoffnungsträger. „Er sollte unbedingt zurück kommen. Hoffen wir natürlich!“, hört man hier. Oder: „Strauß war schon spitze, aber aus dem Guttenberg kann noch was werden.“ Seine abgeschriebene Doktorarbeit räumt zu Guttenberg dann gleich mal selbst ab - er kokettiert mit seinen Fehlern.

"In Rosenheim bin ich auf die Schule gegangen. Damals hab ich dort das Abschreiben gelernt." Karl-Theodor zu Guttenberg, CSU, Parteimitglied

Der Spiegel-Journalist Ralf Neukirch hat zu Guttenberg bei seinem Comeback-Versuch in Bayern beobachtet. Das Spiel Guttenbergs mit seinem eigenen Absturz - für den Journalisten reines Kalkül.

"Im Grunde weist er heute noch immer auf das Plagiat hin, damit die Leute mehr aufs Plagiat gucken - was ihm ja fast alle jetzt verziehen haben. Damit die Leute eben nicht gucken, welche Bilanz hatte er eigentlich als Politiker? Die war nämlich nicht gut." Ralf Neukirch, Redakteur 'Der Spiegel'

Zu Guttenbergs Bilanz als Politiker

Besonders umstritten war sein Krisenmanagement als Verteidigungsminister: Die Kunduz-Affäre, die umstrittene Abschaffung der Wehrpflicht, die großen Show-Auftritte im Krisengebiet. Das alles ist heute kein Thema in Moosburg. Es geht um deutsche und amerikanische Bürokratie, aber auch um die Flüchtlingspolitik.

"Mich hat das gefreut, als ich das von außen gesehen habe, wie da der bayerische Ellenbogen ausgefahren wurde." Karl-Theodor zu Guttenberg, CSU, Parteimitglied

Zukunftsperspektiven?

Guttenberg spricht über eine Stunde - frei, ohne Pult. The American Way. Steve Jobs trifft Bierzelt. Am Ende: Standing Ovations. Aber was soll nun aus dem neuen Guttenberg werden? Die Bild-Zeitung schob ihn - zeitnahes Ministeramt in Berlin vorausgesetzt - schon in die erste Reihe möglicher Merkel-Nachfolger. Realistischer erscheinen aber auch andere Comeback-Varianten nicht. Nächstes Jahr ist Landtagswahl – aber im Landtag hat man nicht unbedingt auf ihn gewartet. Konkurrenz für Markus Söder: für dessen Anhänger nicht erstrebenswert. Und zurück in den Bund? Die CSU hat bereits einen Spitzenkandidaten, Joachim Herrmann. Welches attraktive Ministerium ließe sich dann noch für zu Guttenberg klarmachen?

"Was für ein Amt soll man für Karl-Theodor zu Guttenberg finden? In der Bundesregierung will die CSU das Innenministerium haben. Das hieße dann, es bliebe dann im Grunde kein zweites, großes Ministerium für ihn übrig. Und unter einem großen Ministerium würde er kaum zurückkommen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass er in die Niederungen der bayerischen Landespolitik absteigen will." Ralf Neukirch, Redakteur 'Der Spiegel'

So bleibt zu Guttenberg für Horst Seehofer derzeit wohl vor allem ein willkommener Wahlkämpfer.