Ein Demonstrant präsentiert Serbiens Präsident Vučić und seinen chinesischen Kollegen Xi mit dem Titel: "Serbien und China - Brüder für immer".
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Ein Demonstrant präsentiert Serbiens Präsident Vučić und seinen chinesischen Kollegen Xi mit dem Titel: "Serbien und China - Brüder für immer".

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Einfallstor? Wie China in Serbien investiert

China verfolgt seine Strategie der Neuen Seidenstraße in Europa konsequent. Auch in Serbien, das ein enges Verhältnis zu Peking pflegt. Dort hat China seit 2010 rund 8,5 Milliarden Dollar investiert. Doch auf welches Echo stößt Pekings Engagement?

Die ostserbische Stadt Bor ist seit langen Jahrzehnten vom Bergbau geprägt, genauer gesagt vom Abbau der dortigen Kupfermine. Der Anblick von Schloten, Schuttbergen, Kränen war für die Einwohner allgegenwärtig. 2018 investierte die chinesische "Zijin Mining Group" mit ihrer Tochtergesellschaft "Zijin Bor Copper" in das serbische Unternehmen.

Inzwischen gehören über 60 Prozent der Unternehmensanteile dem chinesischen Konzern. Bor gilt bei Umweltschützern als Paradebeispiel dafür, was passieren kann, wenn ein chinesischer Staatskonzern die Geschäfte übernimmt. Es gab in Serbien immer wieder Demonstrationen gegen die Kupfermine, Anwohner protestierten gegen Umweltschäden und schlechte Luftqualität. Für die serbische Regierung sowie für Staatspräsident Aleksandar Vučić stehen hingegen die Arbeitsplätze im abgelegenen Osten des Landes im Vordergrund.

Der serbische Umweltaktivist Goran Jakovlevic traut manchmal seinen Augen nicht. Seit Jahren beobachtet er, wie chinesische Firmen in seiner Heimatstadt Bor expandieren.

"Der Fortschritt der Arbeiten ist erstaunlich. Alles was wir heute hier sehen, ist in weniger als einem Jahr entstanden", sagt Jakovlevic. "Wenn sie in etwa 10 Jahren mit der Förderung der Oberflächenschicht fertig sind, dann geht es tiefer unterirdisch weiter und dann hat man die Stadt erreicht. Dann bleibt für die Stadt und seine Bürger keine Perspektive übrig."

8,5 Milliarden Euro investierte China in den vergangenen 13 Jahren

Schon jetzt gilt die Stadt Bor als der Ort mit der schlechtesten Luft in ganz Serbien. Der Grund für diese Dynamik sind die großen Gold- und Kupfervorräte rund um Bor. So wurden Minen erschlossen und Firmenareale aus dem Boden gestampft. Die Arbeitskräfte brachten die Manager aus China mit.

Serbien ist für China zum Brückenkopf in Europa geworden. Seit 2010 hat China 8,5 Milliarden Dollar investiert. Häufig setzten die chinesischen Konzerne die Pläne dann auch um. Sie bauten Brücken, Autobahnen, Zugstrecken. Deswegen sind viele Chinesen nach Serbien gekommen. Auch Kit, ein junger Mann, er lebt in Belgrad und hat gerade seine serbische Freundin geheiratet.

"Jetzt ist es so, dass Chinesen hier relativ gut leben. Vielleicht nicht alle, aber diejenigen, die früh hier angefangen haben und ihre Geschäfte schon lange führen, denen geht es hier richtig gut", sagt er. "Das sieht man an den Autos, die sie fahren, an ihren Häusern, an den Privatschulen die ihre Kinder besuchen, die zwanzigtausend Dollar oder Euro pro Jahr kosten."

Die Politik Chinas baut auf das Prinzip: Moderne Infrastruktur, Investitionen und milliardenschwere Kredite gegen Einfluss und Zugang nach Europa. So haben chinesische Firmen in Serbien eine wichtige Donaubrücke und die Schnellbahnverbindung nach Budapest gebaut. Das neueste Projekt ist der Bau der U-Bahn in der Hauptstadt. Für Staatspräsident Alexandar Vučić ist das chinesische Engagement eine große Chance. Er sagt im Gespräch mit DokThema: "China sichert mehr als 5.000 Arbeitsplätze in der Region. Selbstverständlich haben wir gemeinsame Infrastrukturprojekte, aber der weitaus größte Investor in Serbien ist doch Deutschland."

Wie reagiert die EU?

In der EU beobachtet man die Entwicklung mit Sorge: Der Chef der EVP Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber, warnt vor zu viel chinesischem Einfluss. "China kauft sich in Serbien ein, auch mit der Perspektive, dass zukünftig eventuell Serbien ein Mitgliedsland der EU ist und damit Blockademöglichkeit bei der Außenpolitik hat, bei der Chinapolitik ganz Europas haben wird. Und das darf nicht passieren", sagt Weber.

In Bor, der Stadt mit der Kupfermine fühlen sich die Menschen als Verlierer des chinesisch-serbischen Wirtschaftswunders. Umweltaktivist Goran Janukovlevic besucht regelmäßig die Menschen, die nahe der expandierenden Mine wohnen. Er fragt eine Anwohnerin: "Wie lebt ihr hier?" - "Wie schon? Schrecklich", antwortet sie. Dann klagt sie über den Staub in der Luft und die Erschütterungen der Erde. Aussicht auf Besserung haben die Menschen in Bor nicht. Sie warten auf ihre Umsiedlung.

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