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Wetterextreme 2018 – In Bayern, Deutschland und weltweit | BR24

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2018 - ein Rekordjahr, ein Jahr der Extreme: Badewetter bis Oktober, erste Hitzewelle schon im Mai - das Jahr 2018 ist in Deutschland das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

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Wetterextreme 2018 – In Bayern, Deutschland und weltweit

Badewetter bis Oktober, erste Hitzewelle schon im Mai – das Jahr 2018 ist in Deutschland das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Und auch weltweit war es ein außergewöhnliches Jahr. Asien kämpfte gegen Dürre und Überschwemmungen.

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Noch ist 2018 nicht zu Ende, aber schon vor Weihnachten meldet der Deutsche Wetterdienst: noch nie, seitdem in Deutschland regelmäßig Wetteraufzeichnungen gemacht werden, war es so warm wie dieses Jahr. Die mittlere Temperatur lag 2,2 Grad höher als normal.

Zwölf Tage über 35 Grad in Sachsen-Anhalt

Schon der April überraschte mit Sommertagen über 25 C, im Mai folgte die erste Hitzewelle, im Hochsommer dann: langanhaltende Hitze. In Frankfurt/Main zum Beispiel kletterten die Temperaturen zweieinhalb Wochen am Stück über 30 Grad, in Bernburg an der Saale zwölf Tage lang sogar über 35 Grad.

Bayern wurde von den Hitzewellen nicht ganz so stark getroffen, aber trotzdem erlebte es einen außergewöhnlich heißen Sommer: Die Gemeinde Kitzingen zum Beispiel zählte 51 Hitzetage (über 30 Grad), mehr als dreimal so viele wie normal.

© BR / Quelle: DWD / BKG

Jahresdurchschnittstemperaturen 2018 in Deutschland (Dezember geschätzt). Das langjährige Jahresmittel liegt bei rund acht Grad.

Extreme Trockenheit im Nordosten

Vor allem war 2018 auch ein extrem trockenes Jahr. Von Januar bis November fiel so wenig Regen wie nie: 482 Liter pro Quadratmeter, das sind gerade mal zwei Drittel der üblichen Menge. Besonders betroffen waren Nord- und Ostdeutschland, hier verdorrten Wiesen, Äcker und Wälder.

Als Astronaut Alexander Gerst auf der Raumstation ISS Deutschland von oben sah, twitterte er schockiert:

"Alles vertrocknet und braun, was eigentlich grün sein solle!" Alexander Gerst
© BR / Quelle: DWD / BKG

Die durchschnittlichen Niederschlagsmengen (Dezember geschätzt). Nur im äußersten Süden erreichte die Regenmenge insgesamt Normalniveau.

Die Folgen der Sommer-Dürre in Bayern

Auch in Bayern war die Dürre zu spüren, bayernweit fielen zwischen 40 und 70 Prozent der üblichen Menge. Der Süden kam noch glimpflich davon, doch in Nordbayern waren es nur zwischen 250 bis 400 Liter/qm in den ersten 11 Monaten. Rekordverdächtig wenig.

Die Folgen: Kleine Flüsse wie zum Beispiel die Schwäbische Rezat schrumpften zu einem Rinnsal zusammen, den Bauern vertrocknete der Mais auf den Feldern, in einzelnen Gemeinden wie Kirchdorf im Bayerischen Wald oder Aitrang im Allgäu wurde das Trinkwasser so knapp, das Tanklastwagen Wasser aus dem Nachbarorten heranschafften. Weil auch der Herbst außergewöhnlich trocken und warm war, musste die Zugspitzbahnen den Start der Skisaison um zwei Wochen verschieben.

Hier einige Berichte aus den vergangenen Monaten ...

Grundwasserspiegel in Bayern rekordverdächtig niedrig

Erntebilanzen: Teures Bier und teure Kartoffeln, wenig Honig, beste Ernten bei Winzern, Obstbauern und Meeretticherzeugern

Landwirtschaft: Erst Dürre, dann Pleite?

Tausende Fische verendet: Bach bei Mellrichstadt ausgetrocknet

Wasserknappheit im Bayerwald

Augsburger "Zukunftswald" in Not

Forstbericht 2018

Freiwillige forsten Bergwald wieder auf

Rhön: Kein Kunstschnee auf der Wasserkuppe

Schwitzen in Lappland, Inferno in Kalifornien

Auch weltweit wird das Jahr 2018 mit Wetterextremen in die Geschichte eingehen: Skandinavien erlebte den wärmsten und trockensten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn: Sogar in Lappland, noch nördlich des Polarkreises, stiegen die Temperaturen auf über 30 Grad. Und Schweden kämpfte nach Hitze und Trockenheit mit Waldbränden nie gekannten Ausmaßes. Ausgetrocknete Wälder sorgten auch in Kalifornien für heftige Waldbrände, die schlimmsten Folgen hatte das sogenannte Camp Fire mit über 80 Toten.

Zugleich litt Indien unter den heftigsten Monsunregenfällen seit Anfang des 20. Jahrhunderts, mit über 200 Toten und 1,4 Mio Menschen, die evakuiert werden mussten - während Japan eine historische Hitzewelle mit 150 Toten erlebte.

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Verbrannte Erde in Paradise, Kalifornien

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Auf der anderen Seite der Erde verwüsteten Waldbrände australische Nationalparks

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Um Haus und Existenz gebracht: Monsunopfer in Indien

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Japan: Die Hitzewelle konnten einige noch genießen ...

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... den folgenden Taifun nicht.

2015, 2016, 2017, 2018: Die heißesten Jahre seit Aufzeichnungsbeginn

In der Gesamtbilanz wird 2018 wahrscheinlich nur das viertwärmste in der Geschichte sein. Allerdings reiht es sich ein in vier Rekordjahre in Folge. Das heißt: 2015, 2016, 2017 und 2018 sind die vier heißesten der Geschichte. Der Weltklimarat geht davon aus, dass sich die Erde seit Beginn der Industrialisierung um ca. 1 Grad erwärmt hat.

Nachhaltigkeitsforscher Johann Rockström, der designierte Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, sieht im Extremwetter dieses Jahres deutliche Zeichen für den Klimawandel:

„Ich sage voraus, dass 2018 in die Geschichte eingehen, als das erste Jahr, in dem wir vom Planeten die Quittung bekommen. Diese Extremereignisse, angefangen von einer Flut und einer Hitzewelle in Japan, die über 200 Tote forderten, über die außergewöhnlichen Waldbrände in Kalifornien, bis hin zum einem unglaublichen Monsun in Indien… Wir sollten jetzt anerkennen: Wenn das schon bei 1 Grad Erwärmung eintritt, dann wird es bei 1,5 Grad schlimmer sein – und wir sollten 2 Grad auf jeden Fall vermeiden.“ Nachhaltigkeitsforscher Johann Rockström
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Deutschlands höchster Berg ohne Schnee, schmelzende Gletscher, verdorrte Wiesen, ausgetrocknete Flüsse - der Klimawandel hat die Landschaft 2018 besonders stark verändert.