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Wenn Windräder Sondermüll produzieren | BR24

© picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Tausende Windkraftanlagen müssen in den kommenden Jahren zurückgebaut werden - das größte Problem: Rotorblätter sind derzeit kaum zu recyceln

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Wenn Windräder Sondermüll produzieren

Tausende Windräder werden in den kommenden Jahren abgebaut. Weil sie entweder veraltet oder unrentabel sind. Ein Problem dabei sind die Rotorblätter. Sie lassen sich derzeit nur schwer bis gar nicht recyceln. Ein Problem, das auch Bayern betrifft.

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Rund 30.000 Windkraftanlagen stehen in ganz Deutschland, rund 1.100 davon in Bayern. Einige von ihnen werden in den nächsten Jahren vom Netz gehen, weil sie veraltet oder schlicht unrentabel sind. Stellt sich die Frage: Wie umgehen mit alten Anlagen – und vor allem: wie recyceln?

Theoretisch sind die Betreiber der Windkraftanlage zum Rückbau verpflichtet. Praktisch aber ist der Rückbau aufwendig, teuer und aus Umweltsicht teilweise heikel. Viele Betreiber verkaufen deshalb ihre abgebauten Anlagen ins Ausland. Sind die Anlagen aber nicht mehr funktionsfähig, müssen sie verschrottet werden. Während der Beton aus dem Fundament oder der Stahl aus dem Masten noch verhältnismäßig einfach zu recyceln sind, wird es bei den Rotorblättern komplizierter. Denn sie bestehen aus einem komplexen Materialmix, in der Regel aus glasfaserverstärkten Materialien.

Problem bei Rückbau: Kunststoffe in Rotorblättern

Glasfaserkunstoffe dürfen nicht auf Deponien gelagert werden, da sie nicht verrotten. Verfeuern kann man sie ebenfalls nicht, da sie kaum brennen. Derzeit hat sich nur eine Firma in Deutschland auf die Verarbeitung der Rotorblätter spezialisiert und verarbeitet sie zu einem Ersatzbrennstoff für die Zementindustrie.

Dass nur ein Unternehmen derzeit Rotorblätter weiterverarbeiten kann, halten Branchenkenner für nicht ausreichend, um die steigende Anzahl ausgemusterter Windkraftanlagen zu bewältigen.

Zehntausende Tonnen Rotorblätter bis 2025 zu recyclen

Bis 2025 geht der Bundesverband WindEnergie (BWE) von 1.000 bis 2.500 Abrissen oder Ersatzbauten von Windkraftanlagen in ganz Deutschland aus – und das pro Jahr. Der Branchenverband rechnet dadurch mit einer anfallenden Müllmenge von 140.000 Tonnen alleine durch Rotorblätter bis ins Jahr 2025.

Grund für Rückbau: Alter, Leistung, Ende der EEG-Umlage

Für den Rückbau gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind viele Anlagen veraltet. Teilweise stammen sie aus den 1990er Jahren. Ihre Leistung genügt modernen Anforderungen oftmals nicht mehr. Zum anderen könnten gerade diese Anlagen in den kommenden Jahren als unrentabel gelten. Denn ab 2020 läuft für zahlreiche Anlagen die Bezuschussung durch das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) aus.

Im Jahr 2000 hat die damalige rot-grüne Regierung mit dem EEG die Förderung von Öko-Strom festgelegt. Die Laufzeit ist auf 20 Jahre festgeschrieben und garantiert den Betreibern von erneuerbaren Energien-Anlagen eine festgelegte Vergütung, also einen staatlichen Zuschuss für den Oköstrom. Derzeit wird jede Kilowattstunde mit 6,4 Cent bezuschusst. Fallen diese Zuschüsse weg, so Betreiber von Windanlagen, könnten sie nicht mehr rentabel sein, vor allem wenn die Anlagen schon in die Jahre gekommen sind.

Gerade die neuen Bundesländer rechnen mit einem signifikanten Rückgang der Windanlagen. Laut Recherchen des MDR könnten bis 2025 "fast 70 Prozent der sächsischen Windräder stillgelegt und nur wenige ersetzt" werden. Die Kosten für den Rückbau beziffert der MDR mit 30.000 Euro - pro Windrad.

Vertrauen in die Abfallwirtschaft

In Bayern ist man auf das Problem mit den Rotorblättern zumindest sensibilisiert. Eine Lösung hat man aber weder im Wirtschafts- noch im Umweltministerium. Man vertraue auf die Innovationskraft der Abfallwirtschaft, heißt es aus der bayerischen Politik, und darauf, dass diese mit der Verschrottung alter Anlagen in den nördlichen Bundesländern Erfahrungen sammeln und diese dann dem Freistaat nutzen werden.

Bayern: Rückbau erst in fünf Jahren

Die Landesregierung, sowie die Betreiberfirmen von Windkraftanlagen gehen in Bayern davon aus, dass erst ab 2025 größere Mengen an Abfall aus der Windkraft zu verzeichnen sind. Denn im Freistaat begann der Ausbau der Windkraft erst verhältnismäßig spät, ab Ende der 2000er Jahre.

Entsprechend werden die Anlagen auch erst später zurückgebaut. Betroffen sind dann vor allem die älteren Anlagen in den Landkreisen Kelheim und Tirschenreuth. Hier stehen seit Mitte der 1990er Jahre Windkraftanlagen. Diese Anlagen gelten mittlerweile als veraltet. Die Behörden rechnen mit einem signifikanten Rückbau ab dem Jahr 2025.

Im Landkreis Kelheim soll noch in diesem Jahr ein Windrad aus dem Jahr 1997 abgebaut und durch ein neues ersetzt werden. Ob die alten Rotorblätter recycelt oder ins Ausland verkauft werden, weiß der Betreiber aktuell noch nicht.

© BR Abendschau

Der Anteil der erneuerbaren Energien steigt in Bayern weiter an. Im vergangenen Jahr lag er bei rund 44 Prozent. 20 bis 25 Jahre liefert ein Windrad in der Regel Strom und muss dabei natürlich regelmäßig kontrolliert und überprüft werden.