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Corona-Impfstrategie: Wer zuerst? | BR24

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Im Tübinger Unternehmen Curevac wird nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus geforscht. (Archivbild)

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    Corona-Impfstrategie: Wer zuerst?

    Anfang 2021 könnte der erste Corona-Impfstoff verfügbar sein. Doch wer soll zuerst geimpft werden? Eine entsprechende Empfehlung präsentieren am Vormittag der Deutsche Ethikrat, die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina und die Stiko.

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    • BR24 Redaktion

    Anfang nächsten Jahres könnte nach Schätzung der Bundesregierung der erste Corona-Impfstoff verfügbar sein. Doch angesichts der anfangs erwarteten vergleichsweise geringen Menge dürfte er zunächst nicht für alle reichen. Deshalb müssen die Prioritäten rechtzeitig geklärt werden.

    Gemeinsames Papier von Ethikrat, Leopoldina und Ständiger Impfkommission (Stiko)

    Wissenschaftliche Regierungsberater stellen an diesem Montagvormittag in Berlin entsprechende Vorschläge vor. Der Deutsche Ethikrat, die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina und die am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelte Ständige Impfkommission wollen ein gemeinsames Papier dazu dem sogenannten Corona-Kabinett vorlegen, das seit Beginn der Corona-Pandemie immer montags unter der Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel tagt.

    Merkel: "Niemand wird zur Impfung gezwungen"

    Die Bundesregierung hatte bereits erkennen lassen, dass Risikogruppen wie Senioren und Vorerkrankte sowie Personal aus wichtigen Bereichen wie dem Gesundheitswesen im Blick stehen. "Ganz vorn dran sind natürlich Pflegekräfte, Ärzte und auch Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören. Das sind dann allerdings schon recht viele in unserem Land", erklärte dazu Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem am Sonntag veröffentlichten Video zum virtuellen Tag der offenen Tür der Bundesregierung. Merkel betonte zugleich: "Niemand wird gezwungen, sich impfen zu lassen."

    Auch die Nationale Impfstrategie von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verweist auf eine solche Priorisierung durch die Ständige Impfkommission, wie das Nachrichtenportal "ThePioneer" berichtet, der das Dokument vorliegt. Es soll dem Bericht zufolge am Montag vom Corona-Kabinett beschlossen werden.

    Bundesregierung hofft auf baldigen Impfstoff

    Die Bundesregierung hoffe, dass "recht bald" die ersten Impfstoffe zugelassen würden, sagte Merkel. Die Vorbereitungen für Impfungen liefen bereits. Am Anfang werde aber noch nicht genügend Impfstoff zur Verfügung stehen. Das Virus sei "mehr oder weniger besiegt", wenn 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung immun seien, entweder weil sie die Krankheit durchgemacht hätten oder durch Impfung. "Dann können wir auch alle Einschränkungen aufheben."

    Regierung plant zentrale Dokumentation der Impfungen

    Demnach plant die Bundesregierung eine zentrale Dokumentation der Impfungen. "Hierzu soll ein webbasiertes Datenportal verwendet werden, welches bis zum Beginn der Impfaktivitäten in Deutschland durch das RKI (Robert Koch-Institut) entwickelt werden soll", zitiert das Portal. Die Regierung beabsichtigt damit einen möglichst umfassenden und aktuellen Überblick darüber, welche Bevölkerungsgruppen bereits geimpft sind. Erfasst werden sollen demnach nicht-personenbezogene Angaben wie Alter, Geschlecht, Wohnort und Impf-Indikation, außerdem Ort und Datum der Impfung sowie das Impfstoff-Produkt mit Chargennummer.

    Für EU möglicherweise schon Ende 2020 erste Impf-Dosen

    In dem Dokument werden laut dem Portal sieben mögliche Impfstoffe genannt, für die eine Zulassung innerhalb der EU angestrebt wird. Darunter ist der des Mainzer Unternehmens Biontech, das mit dem US-Pharmariesen Pfizer kooperiert, und der von Curevac aus Tübingen. "Einige Impfstoffhersteller haben noch im Jahr 2020 eine mögliche erste Auslieferung von Impfstoffdosen an die EU-Mitgliedstaaten in Aussicht gestellt", heißt es. "Sobald ausreichende Impfstoffmengen zur Verfügung stehen, wird angestrebt, die Impfaktivitäten in das Regelsystem übergehen zu lassen.

    Corona-Impfstoff soll über Impfzentren verteilt werden

    Auf ein einheitliches und abgestimmtes Vorgehen zur Versorgung mit Impfstoffen hatten sich die Gesundheitsminister der Länder und Bundesressortchef Jens Spahn (CDU) am Freitag geeinigt. Der Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz sieht etwa vor, dass der Bund die Impfstoffe beschafft und finanziert und die Länder Impfzentren einrichten. Die Impfstoffe sollen den Angaben zufolge durch die Bundeswehr oder durch die Hersteller angeliefert werden. Die Impfdosen sollen dem Bevölkerungsanteil entsprechend an die Länder verteilt werden. In dem Beschluss ist auch festgehalten, dass die Impfung freiwillig erfolgt.

    FDP: Parlament soll über Impfstrategie abstimmen

    Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, forderte, die Bundesregierung müsse "die notwendige Impfstrategie parlamentarisch legitimieren und der Allgemeinheit rechtzeitig erklären, um eine breite Mehrheit in der Bevölkerung und in den Parlamenten zu gewinnen".

    Ähnlich äußerte sich Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Wer den Impfstoff zuerst erhalten solle, müsse vor allem im Bundestag diskutiert und entschieden werden. "Allein dessen demokratisch gewählte Mitglieder sind dafür vom Volk legitimiert." Bund und Länder sollten dann verbindlich festlegen, wie der Impfstoff auch die Menschen in den Pflegeheimen erreiche.

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