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Wer ist die Werteunion? Köpfe, Forderungen, Kritiker | BR24

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Die Werteunion ist keine offizielle Parteigliederung der CDU, sorgt aber mit Attacken auf die GroKo-Politik und Berichten über eine AfD-Nähe für Schlagzeilen. Wer ist diese Gruppierung, die in den eigenen Reihen auf heftigen Widerspruch stößt?

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Wer ist die Werteunion? Köpfe, Forderungen, Kritiker

Die Werteunion ist keine offizielle Parteigliederung der CDU, sorgt aber mit Attacken auf die GroKo-Politik und Berichten über eine AfD-Nähe für Schlagzeilen. Wer ist diese Gruppierung, die in den eigenen Reihen auf heftigen Widerspruch stößt?

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"Die Politikwende für Deutschland – Gestalten sie mit uns den Wandel in den Unionsparteien" – so begrüßt die Werteunion Interessierte auf ihrer Webseite.

Innerparteiliche Opposition gegen Merkel

Die rechtskonservative Gruppe wurde vor knapp drei Jahren gegründet – im März 2017. Gegründet von CDU- und CSU-Mitgliedern, die vom Kurs der Union frustriert waren, vor allem vom Kurs in der Flüchtlingspolitik. Seitdem agiert die Werteunion als eine Art innerparteiliche Opposition und ihr Chef, Alexander Mitsch, war seitdem regelmäßig mit einer Forderung zu hören:

"Nach zwölf Jahren Kanzlerschaft Merkel wäre es an der Zeit, an der Parteispitze und aber auch vor allem an der Regierungsspitze mit neuen Personen wieder neue Inhalte besetzen zu können, um das Vertrauen zurück zu gewinnen." Alexander Mitsch, Bundesvorsitzender Werteunion

Merkel muss weg – sowas bringt Schlagzeilen, sowas sorgt dafür, dass die Werteunion, die keine offizielle Parteigliederung ist, öffentlich extrem präsent ist und oft wirkmächtiger scheint, als sie gemäß ihren Mitgliederzahlen eigentlich sein durfte. Nach eigenen Angaben hat die Werteunion knapp 4.000 Mitglieder.

Schnittmengen zur AfD?

Eins ihrer Aushängeschilder ist Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen. Pressesprecher der Werteunion ist Ralf Höcker, ein Anwalt, der auch schon die AfD vertrat. Der parteilose Bürgermeister Christoph Kindervater, den die AfD in Thüringen als Ministerpräsidenten-Kandidaten ins Rennen schickte, bezeichnet sich als Unterstützer der Werteunion.

Viele Mitglieder scheinen keine großen Berührungsängste gegenüber der AfD zu haben. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer verglich die Werteunion mal mit der Tea-Party-Bewegung, die die US-Republikaner radikalisierte. Gestern ging Kramp-Karrenbauer die Werteunion scharf an:

"Die Frage, die sich jeder einzelne, der meint, sich bei der Werteunion zu engagieren, stellen muss, ob er damit auch Mitglied bei der CDU bleiben kann." Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Vorsitzende

Ein "gutes Ergebnis" in Thüringen

Die Werteunion weiß, dass sie parteiintern ernst genommen wird. In der Vergangenheit gab es hochrangig besetzte Treffen: unter anderem mit Kramp-Karrenbauer und mit CSU-Landesgruppenchef Dobrindt. In den Medien ist Werteunion-Chef Alexander Mitsch in diesen Tagen wieder ein sehr gefragter Gesprächspartner, bejubelte unter anderem die Wahl des FDP-Mannes Thomas Kemmerich in Thüringen:

"Nicht nur für Anhänger einer schwarz-gelben Koalition ist das doch ein gutes Ergebnis. Darüber müssten sich alle Demokraten in Deutschland freuen." Alexander Mitsch, Bundesvorsitzender Werteunion

"Ein Krebsgeschwür in der Partei"

Der Arbeitnehmerflügel der CDU verlangte daraufhin die Auflösung der Werteunion, mit der Begründung: "Wir brauchen keine AfD-Hilfstruppe in unseren Reihen". Auch von anderen kommt scharfe Kritik, etwa vom CDU-Urgestein Elmar Brok:

"Das ist wie ein Krebsgeschwür. So etwas muss man von vorne herein mit aller Rücksichtslosigkeit bekämpfen, damit ein solches Krebsgeschwür nicht in die Partei hineinkriechen kann." Elmar Brok, CDU-Europapolitiker

Oder dem saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans:

"Ich empfinde die Werteunion als Beleidigung für jedes CDU-Mitglied." Tobias Hans, Ministerpräsident Saarland

"Ohne uns werden keine Wahlen gewonnen"

Die Werteunion steht im Dauer-Feuer, aber sie gibt sich betont gelassen und lässt die Muskeln spielen - Alexander Mitsch heute im SWR:

"Ohne uns wird die Partei zukünftig keine Wahlen gewinnen können." Alexander Mitsch, Bundesvorsitzender Werteunion

Man kann das als Warnung an die Unions-Spitze verstehen. Oder als Drohung.