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Wer hebt den Millionenschatz? Der Kampf um ehemalige SPD-Wähler | BR24

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Die SPD hat sich in den vergangenen 20 Jahren fast halbiert, Millionen Wähler haben sich von den Sozialdemokraten verabschiedet. Schröders SPD regierte 2002 mit 38,5 Prozent. Heute sitzt die SPD mit 20,5 Prozent im Bundestag. Wo sind die alle hin?

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Wer hebt den Millionenschatz? Der Kampf um ehemalige SPD-Wähler

Die SPD hat sich in den vergangenen 20 Jahren fast halbiert, Millionen Wähler haben sich von den Sozialdemokraten verabschiedet. Schröders SPD regierte 2002 mit 38,5 Prozent. Heute sitzt die SPD mit 20,5 Prozent im Bundestag. Wo sind die alle hin?

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Es gab Zeiten, da musste die Linke gar nichts tun, um ehemalige SPD-Wähler für sich zu gewinnen. Es reichte, einfach nur die nächste Wahl abzuwarten. In der Zeit von Bundeskanzler Gerhard Schröders Agenda-Politik liefen enttäuschte Sozialdemokraten scharenweise zur Linkspartei über. Oskar Lafontaine holte sie sozusagen persönlich an der Wahlurne ab. Wie man das Herz eines Sozis gewinnt, wusste der ehemalige SPD-Chef natürlich ganz genau.

Rechnung "SPD runter, Linke rauf" geht längst nicht mehr auf

Die heutige Parteichefin der Linken, Katja Kipping, hält eine Wahlkampfausrichtung nach einer bestimmten Wählerschaft für überholt. Als Wahlkämpferin könne sie nicht soziologisch fragen, wen die Menschen denn vorher gewählt hätten oder aus welchem Milieu sie kämen: "Ich frag' die Leute ziemlich direkt: wo drückt sie der Schuh? Und wie können wir das ändern?"

Kipping weiß, der Automatismus aus den Agenda-Jahren funktioniert nicht mehr. Linke und SPD säßen gleichermaßen in der Falle: Der Linken glaube man, dass sie etwas ändern wolle, sie könne es aber nicht, weil sie nicht regiert. Und der SPD glaube niemand mehr, dass sie wirklich etwas ändern wolle, beschreibt Kipping das Dilemma.

Sicher geglaubte Wählerschaften gibt es nicht mehr

Wahlkampf läuft mittlerweile nach Themen oder ist voll und ganz auf Personen ausgerichtet, einzelne Wähler- oder Bevölkerungsschichten spricht kaum eine Partei explizit an. Denn dass jede Partei ihre bestimmte Wählerstruktur hat, stimmt schlicht nicht mehr. Arbeiter, Lehrer und Gewerkschafter wählen die SPD, Arbeitslose und Rentner sind bei der Linken verortet, Gutverdiener und Selbständige sind treue Wähler der FDP: All das trifft nur noch in Teilen zu. Feste Parteibindungen nehmen seit Jahren ab.

CSU entdeckt klassische SPD-Familienpolitik

Auch die CSU will vom liegengebliebenen sozialdemokratischen Kuchenstück etwas abhaben. Tatsächlich wird der CSU in Bayern seit Jahren in Umfragen von Wählern eine höhere Kompetenz in sozialen Fragen zugeschrieben als der SPD. Nun aber setzt die CSU noch einen drauf. Bei ihrer Klausur in Seeon beschlossen die Christsozialen ein klar sozialdemokratisches Familienkonzept: Das Kindergeld und der Kinderfreibetrag sollen erhöht, Vätermonate ausgebaut werden. Die Zeiten, in denen sich CSU-Herren lustig über "Wickelvolontariate" machten, sind endgültig vorbei.

FDP stört Klischee vom "rußgeschwärzten" Arbeiter

Er wolle sich persönlich vor die Werkstore stellen, hatte FDP-Chef Christian Lindner beim Dreikönigstreffen der Liberalen in Stuttgart angekündigt. Arbeiter und ehemalige SPD-Wähler würden völlig falsch gesehen. Ihn störe das Klischee über Arbeiter, das von der Politik gerne verbreitet werde. "Um die müsse man sich nur 'kümmern', das seien Menschen mit rußgeschwärzten Gesichtern in der Kohlegrube", glaubt Lindner das Vorurteil zu kennen. Tatsächlich sei es doch anders, ist der FDP-Chef überzeugt: Arbeiter wollen "oft genug vom Staat in Ruhe gelassen werden in ihrem Leben".

Ein klassisch liberales Bild vom Menschen, womit der FDP-Chef in Teilen sogar Erfolg haben könnte. Zumindest hat die Wahlforschung durchaus Wechselwähler von der SPD zur FDP gemessen, vor allem wenn es um das klassische Thema "Mehr Netto vom Brutto" ging.

Viele Ex-SPD-Wähler sind Nichtwähler oder bei der AfD

In den 2000er Jahren profitierte die Linkspartei enorm von den über die Agenda-Politik enttäuschten Wählern. Später wechselten auch viele zu den Grünen, in Bayern auch zur CSU. Ab den 2010er Jahren mussten die Wahlforscher feststellen: Viele ehemalige SPD-Wähler kamen überhaupt nicht mehr zurück an die Urne. Oder sie sorgten für eine Überraschung: sie machten ihr Kreuz bei der AfD. Das ist die Partei, die mittlerweile am stärksten von ehemaligen SPD-Wählern profitiert. Und von dort kommen sie auch nicht mehr so schnell zurück, prophezeit die Wahlforschung. Mittlerweile muss die AfD einfach nur die nächste Wahl abwarten.

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