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Wer darf für kirchliche Arbeitgeber arbeiten - und wer nicht? | BR24

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Symbolbild: Muslima in der Altenpflege

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    Wer darf für kirchliche Arbeitgeber arbeiten - und wer nicht?

    Eine muslimische Erzieherin in einem katholischen Kindergarten der Caritas in München - dieser Fall wird derzeit auf BR24 und im Netz diskutiert. Ist die Anstellung von Nichtchristen im kirchlichen Arbeitsrecht überhaupt zulässig?

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    Grundsätzlich gilt: Wer bei der Kirche und ihren sozialen Einrichtungen wie Caritas und Diakonie arbeiten will, muss Mitglied einer der christlichen Kirchen sein. Grundlage dafür ist das im Grundgesetz verankerte Selbstbestimmungsrecht der Kirchen.

    Es gibt aber Ausnahmen. Die Beschäftigung von sogenannten Nichtchristen ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Bei der katholischen Kirche hat die Deutsche Bischofskonferenz 2014 den Rahmen für diese Bedingungen gesteckt.

    Je nach Region und Auftrag der Einrichtung könne es nötig oder sinnvoll sein, auch Menschen einzustellen, die einen anderen Glauben hätten oder konfessionslos seien - allerdings nur dann, wenn "sie die Wahrheiten und Werte des Evangeliums achten und dazu beitragen, sie in der Einrichtung zur Geltung zu bringen".

    Christliche Werte müssen vermittelt werden

    Nicht gewünscht ist "die Propagierung von religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen, die im Widerspruch zu katholischen Glaubensinhalten stehen, während der Arbeitszeit oder im dienstlichen Zusammenhang, insbesondere die Werbung für andere Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften".

    Wenn - wie beispielsweise in München - eine Muslimin in der Kindertageseinrichtung ein Kopftuch tragen wolle, stelle das zunächst kein Problem dar, sagt die Sprecherin des Caritasverbands der Erzdiözese München und Freising, zumal die Eltern der Einrichtung damit einverstanden seien. "Wir schauen immer zuerst auf die Person und ob sie unsere Werte vermittelt." Was sie dabei anhabe, spiele dabei eine untergeordnete Rolle.

    Loyalitätsrichtlinen für "verkündigungsnahe Mitarbeiter"

    Bei der Evangelischen Kirche gilt ebenso: Für alle, die mit Verkündigung und katechetischer Unterweisung - damit ist etwa der Religionsunterricht gemeint - zu tun haben, und generell für hervorgehobene Leitungsfunktionen ist die Mitgliedschaft in der evangelischen Kirchen erforderlich. Das betrifft unter anderem Pfarrer und Pfarrerinnen, Jugendreferentinnen und Jugendreferenten oder Religionspädagogen und -pädagoginnen.

    In den sogenannten "Loyalitätsrichtlinien" der EKD sind seit 2017 auch Ausnahmeregelungen für "Nichtchristen" formuliert. Danach können auch Personen beschäftigt werden, die keiner christlichen Kirche angehören. In der Praxis heißt das: Mitarbeiter dürfen zum Beispiel dann einer nichtchristlichen Religion angehören, wenn ihrer Beschäftigung ein interkulturelles Konzept zugrunde liegt, ihre Tätigkeit also häufigen Kontakt zu Menschen muslimischen Glaubens mit sich bringt.

    Bereiche wie Altenpflege schwierig zu besetzen

    Die Diakonie Bayern stellt bei sich Bewerber anderer Glaubensrichtungen oder Atheisten ein, wenn ansonsten Angebote nicht mehr aufrechterhalten werden könnten, wenn nichtchristliche Bewerber besser geeignet seien oder wenn bei der Tätigkeit "die Anforderung an die Identifikation mit Kirche und Diakonie nicht zu hoch ist".

    "In manchen Arbeitsbereichen wie in der Altenpflege seien Stellen "nur noch mit großen Mühen“ zu besetzen", erklärt der Diakonievorstand in Bayern, Michael Bammessel, in einer Stellungnahme zur Öffnung der sogenannten AcK-Klausel. Außerdem dürfe die Diakonie Flüchtlinge, die nicht den christlichen Glauben haben, nicht von den Arbeitsplätzen der Diakonie ausschließen. "Da würden wir einen Auftrag, den wir an diesen Menschen haben, nicht erfüllen.“

    Wertvorstellungen beider Seiten müssen zueinander passen

    Der Kirche und in der Folge auch der Diakonie wird im Grundgesetz zugestanden, bestimmte Fragen eigenständig zu regeln. Das gilt auch für die Auswahl von geeigneten Mitarbeitenden - sie sind daher nicht vom sonst geltenden Diskriminierungsverbot betroffen. Bei der Auswahl von Bewerbern können sie also mehr als vielleicht andere darauf achten, dass die Wertvorstellungen beider Seiten zueinander passen. Und sie können eine Einstellung ablehnen, wenn dies nicht der Fall ist.

    Die Caritas ist mit etwas mehr als 650.000 Beschäftigten der größte nichtstaatliche Arbeitgeber in Deutschland. Mit 89.009 Beschäftigen gehören die Diakonie und die evangelische Kirche mit mehr als 28.000 zu den größten Arbeitgebern in Bayern.