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Wer bediente den Videorekorder? | BR24

© picture-alliance/dpa

Der Tatort in der Keupstraße in Köln nach dem Nagelbombenanschlag der NSU-Terrorzelle

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    Wer bediente den Videorekorder?

    Am 9. Juni 2004 explodiert in der Kölner Keupstraße eine Bombe. 22 Menschen werden verletzt, vier schwer. In der Wohnung der NSU-Trios in Zwickau findet sich später eine DVD mit Fernsehberichten darüber. Wer hatte sie mitgeschnitten? Von Tim Aßmann

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     Die Neugier war groß und der Aufwand, um sie zu befriedigen, auch. Am 9. Juni 2004 um kurz vor 18 Uhr begann irgendwo irgendwer nach Fernsehberichten über den Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße zu suchen. Da war die Tat gerade zwei Stunden alt. Die WDR- und n-tv-Mitschnitte wurden irgendwann später auf DVD gebrannt, und die wiederum fand sich im Brandschutt der Zwickauer Frühlingsstraße, der letzten Wohnung von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe.

    Hatte Zschäpe tatsächlich erst nachträglich vom Nagelbomenanschlag erfahren?

    Ermittler des Bundeskriminalamts klärten nun - im Auftrag der Bundesanwaltschaft - die Herkunft der Fernsehmitschnitte, auch, um die Aussagen von Beate Zschäpe auf den Prüfstand zu stellen. Am 9. Dezember vergangenen Jahres erklärte sie schriftlich, vom Nagelbombenanschlag erst nachträglich erfahren zu haben. Sie ging nach eigenen Angaben davon aus, dass Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Sommer 2004 nach Köln fuhren, um einen Raubüberfall zu begehen. Die Ermittlungsergebnisse des BKA stellen Zschäpes Angaben nun in Frage.

    Mundlos und Böhnhardt konnten nicht in zwei Stunden von Köln nach Zwickau fahren und die Sendungen aufnehmen. Bediente Beate Zschäpe den Videorekorder?

    "Wenn man unterstellt, dass dieses Video manuell aufgezeichnet wurde durch die Angeklagte Zschäpe, dann wäre es natürlich ein starkes Indiz dahingehend, dass sie vor oder bei Begehung der Tat schon wusste, worum es geht." Walter Martinek, Nebenklage-Anwalt

    Wer bediente den Videorekorder?

    Dann wäre Zschäpe der Lüge überführt. Teile der Mitschnitte auf der DVD wurden für das NSU-Bekenner-Video, den sogenannten Paulchen-Panther-Film, verwendet. Zschäpe bestreitet, an der Herstellung des Videos beteiligt gewesen zu sein. Sie will auch den Namen NSU nicht gekannt haben.

    Die Ergebnisse des BKA belegen aber eben auch nicht zweifelsfrei, dass Beate Zschäpe die Fernsehberichte mitschnitt. Die Ermittler haben die DVD, aber nicht den VHS-Rekorder, mit dem ursprünglich aufgezeichnet wurde. Dementsprechend ist nicht klar, ob die Mitschnitte 2004 in der damaligen Wohnung des untergetauchten Neonazi-Trios in der Zwickauer Polenzstraße und damit von Zschäpe gemacht wurden. Möglich gewesen wäre es. Die Sendungen, die aufgezeichnet wurden, waren dort damals zu empfangen. 

    "Man kann das in zwei Richtungen lesen. Es besteht danach eine große Wahrscheinlichkeit, dass entweder weitere Personen außer Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe Kenntnis hatten von dem Anschlag in der Keupstraße und Interesse hatten an einer Dokumentation, die dann in das Bekennervideo aufgenommen worden ist, oder dass es mit Sicherheit Frau Zschäpe war." Alexander Hoffmann, Nebenklage-Anwalt

    Letzteres wird sich voraussichtlich nicht belegen lassen, und die Verteidiger von Beate Zschäpe werden bei der Befragung der BKA-Ermittlerin im Zeugenstand wahrscheinlich versuchen, genau das hervorzuheben.