BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© dpa-Bildfunk/Jens Büttner
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Jens Büttner

Eine Allianz aus Umweltschützern, Polizisten und Verkehrssicherheitsexperten fordert ein Tempolimit für alle Straßen.

5
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Weniger Tote, gut fürs Klima: Bündnis fordert Tempolimit

Deutschland soll langsamer werden - zumindest auf den Straßen. Das will eine Allianz aus Umweltschützern, Polizisten und Verkehrssicherheitsexperten. Sie fordert ein Tempolimit für alle Straßen gleich nach der Bundestagswahl im Herbst.

5
Per Mail sharen
Von
  • Christian Sachsinger

Die Forderungen sind nicht neu, doch die Partner, die sich mittlerweile zusammengefunden haben, verleihen dem Anliegen mehr Nachdruck. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die Gewerkschaft der Polizei NRW, der ökologische Verkehrsclub VCD, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Nichtregierungsorganisation "Changing Cities" wollen gemeinsam für ein Tempolimit im ganzen Land sorgen, und zwar auf Autobahnen, außerhalb und in den Städten.

Viel weniger Tote auf den Autobahnen dank Tempolimit

Die Fakten lägen inzwischen alle auf dem Tisch, es bräuchte keine weiteren Begutachtungen mehr, sagt Michael Mertens, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Nordrhein-Westfalen und stellvertretender Bundesvorsitzender. Er plädiert insbesondere für Tempo 130 auf den Autobahnen.

Dadurch würden Jahr für Jahr 80 Menschen weniger auf den Autobahnen sterben. Das sind bei 400 Verkehrstoten pro Jahr 20 Prozent. Dazu kämen deutlich weniger Verletzte und Schwerverletzte.

Auch Fahrerassistenzsysteme würden besser funktionieren

Dass weniger Unfälle passieren würden, habe unterschiedliche Gründe, erläutert Mertens. Die durchschnittliche Geschwindigkeit sinke, die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen schnellen und langsameren Fahrzeugen gingen zurück und der Verkehrsfluss würde insgesamt gleichmäßiger, es gäbe also weniger Stop-and-go. Dazu kommt noch, dass die Fahrerassistenzsysteme wohl mit Tempo 130 deutlich besser zurechtkommen als mit besonders hohen Geschwindigkeiten.

Ein Viertel der nötigen CO2-Einsparung allein auf Autobahnen

Die Effekte eines Tempolimits auf Autobahnen auf den CO2-Ausstoß hat die Deutsche Umwelthilfe ausgerechnet, wobei man dort fordert, die Höchstgeschwindigkeit sogar auf 120 Kilometer pro Stunde zu reduzieren. Dadurch würden sich jedes Jahr knapp drei Millionen Tonnen des Treibhausgases CO2 einsparen lassen. Bei Tempo 130 würde der Effekt etwas geringer ausfallen, mit zwei bis 2,5 Millionen Tonnen. Interessant wird die Zahl vor allem dann, wenn man sie in Relation zum neuen Einsparziel setzt, das sich die Bundesregierung in ihrem Klimaschutzgesetz vorgenommen hat.

Im Verkehr ist bis 2030 demnach nur noch ein Ausstoß von 85 Millionen Tonnen Treibhausgasen erlaubt, statt ursprünglich 95 Millionen Tonnen. Das heißt, rund ein Viertel dieser Nachbesserung ließe sich allein durch ein Tempolimit auf den Autobahnen erreichen.

Langsamer fahren in und außerhalb der Städte

Auch auf den Bundes-, Land- und Kreisstraßen spricht sich das Bündnis für ein Tempolimit aus. Außerorts soll generell Tempo 80 gelten. Dadurch ließe sich der CO2-Ausstoss hier um zehn bis 15 Prozent herunterschrauben, glaubt Olaf Bandt vom BUND. Und auch die Zahl der Verkehrstoten würde deutlich sinken.

Allerdings haben die Tempolimit-Befürworter keine klaren Zahlen, was die Effekte hier betrifft. Die Verkehrstoten nehmen laut Bandt aber außerhalb der Städte in letzter Zeit zu, da dort immer mehr Fahrradfahrer unterwegs sind. Und gerade bei 100 km/h und mehr schaffen es viele Autofahrer nicht, schnell genug auf die deutlich langsameren Radler zu reagieren.

Tempolimit von 30 in Städten

Dritte "Baustelle" der Tempolimit-Allianz sind die Städte. Großflächige Tempo-30-Zonen, wenn nicht sogar ein Limit für ganze Städte könnten die Verkehrssituation deutlich beruhigen und lebenswerter machen, glaubt man bei der Nichtregierungsorganisation "Changing Cities". Acht Städte hatten sich zuletzt zusammengeschlossen, um gemeinsam auf ihre Forderung aufmerksam zu machen, darunter auch Augsburg.

Das Problem dabei: Sie müssen ganz genau begründen, warum es nicht auch schneller geht. Tempo-30-Zonen werden nachträglich häufig vor Gericht angefochten, wobei die Kommunen dann in vielen Fällen unterliegen. "Changing Cities" fordert deshalb, die Straßenverkehrsordnung so zu ändern, dass die Städte und Gemeinden freier über die Verkehrsgeschwindigkeiten befinden können.

Neue Bundesregierung soll es richten

Mit der bisherigen Bundesregierung ist das Tempolimit-Bündnis unzufrieden. Und inzwischen hat die Debatte darum auch den Wahlkampf erreicht, wobei sich Unionspolitiker klar gegen Limits positioniert haben.

"Die Bürger können sich bei der Wahl entscheiden, ob sie die Freiheit bei der Mobilität haben wollen - oder Beschränkungen und Verbote." Andreas Scheuer, Bundesverkehrsminister

Olaf Bandt von BUND hält der Union entgegen, dass gerade ein Tempolimit eine Entscheidung für mehr Freiheit sei, zum Beispiel mehr Freiheit von Stress auf den Straßen, von Folgen des Klimawandels oder von tödlichen Gefahren auf den Straßen.

Die Deutsche Umwelthilfe fordert ein klares Bekenntnis der neuen Bundesregierung für ein Tempolimit auf Autobahnen. Außerhalb von Städten soll die Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde gelten und in den Städten Tempo 30 zur Regelgeschwindigkeit werden. Und dazu solle sich die nächste Regierung schnell bekennen, und zwar innerhalb der ersten 100 Tage ihrer Amtszeit.

© BR
Bildrechte: BR

Tempo 30 in der Innenstadt und Tempo 50 nur auf Hauptverkehrsstraßen: Mehrere deutsche Städte, darunter Augsburg, wollen das in einem Pilotprojekt ausprobieren.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!