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Weniger Schrott: EU will Markt für Elektrogeräte revolutionieren | BR24

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Regal mit Fotoapparaten im Technikmarkt

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    Weniger Schrott: EU will Markt für Elektrogeräte revolutionieren

    Reparieren statt Wegwerfen - mit dieser einfachen Formel will die EU mit dem "Recht auf Reparatur" den Materialverbrauch für Elektrogeräte senken. Gleichzeitig erhoffen sich die EU-Parlamentarier eine Belebung der Innenstädte durch diese Maßnahme.

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    Von
    • Hermann Scholz

    Akkus, die fest im Gerät verklebt sind und so einen Wechsel unmöglich machen; Staubsaugermotoren, die im Austausch mehr kosten als ein ganzes neues Gerät oder Gehäuse - alles soll nach dem Willen des Europäischen Parlaments der Vergangenheit angehören. Das Parlament hat ein Recht auf Reparatur für elektronische Geräte beschlossen. Das könnte eine Revolution für Elektrogeräte bedeuten.

    Gold im Schrott

    Das Parlament will, dass Geräte so gebaut werden, dass sie leicht zu reparieren sind. Heute werden viele billigere Geräte wie Drucker oder Toaster weggeworfen, weil eine Reparatur teurer ist als der Neukauf.

    Das EU-Parlament will den Materialverbrauch senken. Die EU schätzt, dass sich der weltweite Materialverbrauch in den kommenden 40 Jahren verdoppeln könnte. Andererseits werden aber weniger als 40 Prozent des Elektroschrotts in der EU recycelt - und das, obwohl eine Tonne Handys etwa 250 Gramm Gold enthält. Das klingt nach nicht viel, aber eine Tonne Golderz enthält im Schnitt nur fünf Gramm Gold.

    Um das Recht auf Reparatur umzusetzen, hat das EU-Parlament gefordert: Die Garantiedauer für Geräte soll verlängert werden. Ersatzteile sollen garantiert erhältlich sein. Werkstätten sollen Zugang zu Schalt- und Bauplänen bekommen und es soll verbindliche Ziele für den Materialverbrauch bis 2030 geben.

    Ersatzteile teurer als Neugeräte

    Elektriker Christian Stanglmeier aus Mainburg in der Hallertau sagt, dass man im Grunde jedes Gerät reparieren könne. Er sieht die Verantwortung beim Kunden. Der greift zu billigen Geräten, bei denen eine Reparatur oft genauso viel kostet wie ein Neukauf. Manche Hersteller preisen den kompletten Austausch in ihre Geräte ein, so Stanglmeier.

    "Es gibt asiatische Hersteller, namhafte Hersteller, besonders in der Unterhaltungsindustrie, wo die Ersatzteile tatsächlich nahezu unmöglich sind, nach der Garantie zu beschaffen. Wenn bei einem Fernseher nur eine Hauptplatine kaputt ist, gibt es teilweise eine Garantie gar nicht, weil ein Austausch günstiger ist als die logistischen Lagerkosten." Christian Stanglmeier, Elektriker

    Reparierfähigkeit lohnt sich für den Kunden

    Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern rechnet damit, dass Geräte, die reparierfähig sind, auch teurer werden. Trotzdem glaubt sie, das sich dies für Kunden lohnen könnte. Einerseits, weil heute die Kosten durch die Umweltbelastung noch nicht in den Gerätepreis eingerechnet werden. Aber auch ganz direkt: Reparierfähige Geräte haben eine im Schnitt längere Lebensdauer.

    Halm rechnet damit, dass das Recht auf Reparatur auch viele Innenstädte wieder beleben kann. Wer weiß, dass er beim Laden um die Ecke eine Fachfrau findet, die ihm sein Gerät repariert, der bestellt eher nicht beim Onlinehandel. Sie sieht die Verantwortung aber auch beim Kunden.

    "Es ist sicherlich ein Aspekt, sich insgesamt bei seinem Kaufverhalten Gedanken drüber zu machen, was für Ware ich kaufe, wie langlebig diese sein sollte und wie häufig ich diese Ware kaufe. Sinnvoll ist auch, den Aspekt mitzudenken, was nachhaltig sein könnte und was wirklich ein dauerhafter Konsum sein kann, das man nicht jedes Jahr die gleiche Ware neu kauft." Tatjana Halm, Verbraucherzentrale Bayern

    Zurück in die Zukunft

    Es könnte die Renaissance eines Wertes von früher sein, als man Dinge noch selbst versucht hat zu reparieren. Katrin Meyer vom "Runden Tisch Reparatur" in Berlin fordert aber, bevor die schöne neue Reparaturwelt kommt, müssten noch viele Dinge geändert werden.

    Als Anstoß könnte sie sich eine Mehrwertsteuer-Reduzierung für Dienstleistungen und Ersatzteile vorstellen. Denn heute sei Reparieren schlicht zu teuer im Vergleich zum Neukauf. In Frankreich gibt es einen Reparatur-Index auf Geräte. Noten von 1 bis 10 zeigen an, wie gut ein Gerät zu reparieren ist.

    Ersatzteile und Informationen müssten auch für unabhängige Werkstätten zugänglich sei. Im Moment geben manche Hersteller diese nur an Lizenz-Betriebe ab. Katrin Meyer könnte sich auch eine Art von Reparatur-Bonus-System wie in Österreich vorstellen, wo ein Teil der Kosten für die Reparatur vom Staat getragen wird. Der Bedarf an Reparatur, sagt sie, sei jedenfalls da.

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