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Weniger Corona-Neuinfektionen: Südkorea setzt auf Massentests | BR24

© Seung-il Ryu/Nurphoto/dpa

Ein Drive-Through-Schalter in der südkoreanischen Stadt Daegu, wo derzeit Massentests zur Erkennung des Coronavirus durchgeführt werden.

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    Weniger Corona-Neuinfektionen: Südkorea setzt auf Massentests

    Nach China, war Südkorea das Land, in dem sich Covid-19 am schnellsten verbreitete - doch jetzt vermeldet die dortige Gesundheitsbehörde einen Rückgang der Neu-Infizierungen. Dazu setzt die Regierung auf Massentests - und Überwachung.

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    Während sich das Coronavirus in Europa immer stärker verbreitet, geht die Zahl der Neuinfektionen in Südkorea langsam zurück. Die Gesundheitsbehörde des Landes meldete am Sonntag 98 neue Fälle – damit werden seit elf Tagen stets Zahlen veröffentlicht, die bei etwa 150 oder sogar unter 100 Fällen liegen.

    Auch wenn das Land somit einen starken Wechsel aus An- und Abstieg erlebt, ist eine Verringerung der Neuerkrankungen zu beobachten. Die Gesamtzahl liegt derzeit bei knapp 8.900 Infizierten. Die Zahl der Todesfälle, die mit dem Virus in Verbindung gebracht werden, wurde mit 104 angegeben.

    Südkorea schafft circa 20.000 Tests pro Tag

    Um die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen setzt Südkorea auf Massentests: Ähnlich wie an den bereits in Deutschland vereinzelt errichteten Drive-In-Stationen, werden an etwa 90 mobilen Einheiten im Land Schnelltests durchgeführt. Das haben Recherchen des Weltspiegels ergeben. Die Ergebnisse werden in 24-Stunden-Laboren ausgewertet und den Menschen innerhalb von zwei Tagen per SMS zugesendet. Bis zum Erhalt ihres Krankheitsstatus, werden sie gebeten in Quarantäne zu bleiben. Dadurch schafft Südkorea etwa 20.000 Tests pro Tag.

    Zudem setzt das Land auf umfassende Information: "Wenn ich in der Nähe eines Patienten bin oder an einem Ort, an dem es bestätigte Fälle gab, dann bekomme ich Handy-Nachrichten. Sie sagen mir, in deiner Nähe hat es einen Corona-Fall gegeben, versuch diese Gegend zu vermeiden", sagt Sohee Leem, Mitarbeiterin einer deutschen Firma in Seoul. Manche empfänden das als Panikmache, erzählt Leem. Aber sie selbst sei lieber vorbereitet.

    Möglich wird das durch lückenlose Überwachung. Wärmebild-Kameras suchen nach fiebrigen Menschen. Dieses Vorgehen wäre in Deutschland aus Datenschutzgründen nicht möglich - statistisch gesehen, rettet es jedoch Leben. Mit 0,7 Prozent hat Südkorea aktuell eine der niedrigsten Corona-Sterberate weltweit.

    Einreisebestimmungen trotzdem verschärft

    Für eine Entwarnung ist es jedoch zu früh: Bereits im März hatte sich nach dem Höhepunkt Ende Februar mit über 900 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden, ein Abwärtstrend eingestellt. Sorge bereitete den Behörden zuletzt eine Zunahme von kleineren Häufungen von Ansteckungen in Kirchengemeinden, Kliniken oder Pflegeheimen und von infizierten Personen, die aus dem Ausland eintreffen.

    Am Sonntag traten deshalb noch einmal verschärfte Einreisebestimmungen bei Ankünften aus Europa in Kraft. Alle Reisenden oder Rückkehrer werden auf das Virus getestet. Selbst wenn der Test negativ ausfällt, müssen sich die Betroffenen in häusliche Quarantäne begeben, soweit sie länger in Südkorea bleiben.

    Der Großteil der neu gemeldeten Infektionsfälle wurde erneut in der südöstlichen Millionenstadt Daegu und der umliegenden Region festgestellt. Grund: Anhänger der christlichen Sekte Shincheonji-Kirche Jesu, sind in Daegu stark vertreten und durch die Teilnahme an Gottesdiensten häufiger betroffen. Zudem hat die Kirche starke Verbindungen nach China.