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Weniger Bergunfälle - aber mehr Tote | BR24

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Wandern, Klettern, Mountainbiken werden immer beliebter - und erleben gerade in Corona-Zeiten einen Boom. Der Ansturm auf die Berge hat aber auch dazu geführt, dass dort im vergangenen Jahr mehr Mitglieder des Deutschen Alpenvereins gestorben sind.

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Weniger Bergunfälle - aber mehr Tote

54 Mitglieder des Deutschen Alpenvereins sind im vergangenen Jahr im deutschen Alpengebiet ums Leben gekommen. Das sind 23 mehr als im Jahr davor. Von einem Trend zu mehr Leichtsinn in den Bergen will der DAV aber dennoch nicht sprechen.

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Der Deutsche Alpenverein (DAV) zieht eine zwiespältige Bilanz zu den Unfallzahlen der letzten Saison. Die gute Nachricht: Von November 2018 bis Oktober 2019 sind rund 100 Unfälle weniger im Bereich des Alpenvereins gezählt worden als noch ein Jahr zuvor. Die schlechte: Mit insgesamt 54 toten Bergsteigern beklagt der DAV unter seinen Mitgliedern 23 Opfer mehr als im Jahr zuvor. Die Statistik für 2019 stellte der Verein am Mittwoch in München vor. Gesamtzahlen aller Unfälle in den Bergen erfasst er nicht.

"Wir haben einige Unfälle gezählt, bei denen mehr Opfer zu beklagen waren. Es gibt keinen Trend nach oben, die Zahlen gehen insgesamt mit Blick auf steigende Mitgliederzahlen zurück." Stefan Winter, Ressortleiter für Sportentwicklung beim Alpenverein

Meiste Bergunfälle passieren beim Wandern

Nach wie vor ereignen sich die meisten tödlichen Bergunfälle beim Bergwandern. Im vergangenen Jahr waren es 17. Hochtourengeher starben neun und Alpinkletterer fünf. Insgesamt lassen sich nach dem Zahlenwerk mehr als die Hälfte der Todesfälle auf Herz-Kreislauf-Versagen zurückführen, die andere Hälfte auf Stürze. Bei den Unfällen und Notfällen insgesamt liegt ebenfalls das Wandern vorne (292), gefolgt vom Skilaufen (258).

Typische Unfälle

Bei vielen Unfällen geht es nicht um Leitsinn, mehr um Fehleinschätzungen. So bekämen Wandergruppen oft nach der Einkehr beim Rückweg Probleme, erklärt Bergführer Stefan Winter vom DAV. "Beim Abstieg werden die Leute müde. Das ruft ein Versagen der Muskulatur hervor." Bergab auf Rollsplit knicken sie dann um, stürzen und ziehen sich Prellungen und Platzwunden zu.

Bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen trifft es vor allem Männer über 60, sagt Winter. "Sie überfordern sich oftmals am Berg und wissen gar nicht, dass ihr Übergewicht, ihr Bluthochdruck oder eine andere Vorerkrankung am Berg fatale Ursachen haben können."

Wolfgang Pohl betreibt in Garmisch-Partenkirchen die Berg- und Skischule Vivalpin. Er kommentiert, dass 54 tödliche Bergunfälle zunächst eine hohe Zahl für den Alpenverein darstelle. Allerdings sei die Zahl eher gering im Vergleich zu 1,3 Millionen Mitgliedern in Deutschland.

Tipps vom Profi

Vermeiden lassen sich nach dem Bergsport-Profi Pohl viele Unfälle – auch viele tödliche – durch besseres Gehen oder durch bessere Ausrüstung, zum Beispiel Profil-Bergschuhe im Gebirge. Ein Gefahren-Schwerpunkt sind Altschneefelder im Sommer. Hier passieren erfahrungsgemäß viele Unfälle durch Ausrutschen.

Damit man beim Bergsport nicht ins Rutschen kommt, empfiehlt Pohl als Mitglied im Vorstand des Bayerischen Kuratoriums für Alpine Sicherheit die Ausbildungskurse der Sektionen des Deutschen Alpenvereins. Eine gute Alternative sei auch das Angebot der kommerziellen Bergschulen mit ihren qualifizierten Berg- oder Wanderführern.

DAV leiste gute Ausbildungsarbeit

Wolfgang Pohl sagt: "Der Deutsche Alpenverein leistet in seinen Sektionen hervorragende Ausbildungsarbeit. Wer mit einer Sektion unterwegs ist oder mit Profis einer Bergschule, bewegt sich im Gebirge fast immer auf der sicheren Seite. Es gibt im alpinen Gelände kein try and error."

Ansturm wegen Corona-Krise

Den Run auf die Berge als Trendsport, der durch die Corona-Krise stark angestiegen ist, sieht der Alpenverein bedenklich. Es ziehe mehr Menschen denn je in die Alpen. Darauf seien erstens die Alpen nicht vorbereitet, zeigte sich der Verein besorgt. Zweitens warnte der Verein vor Unfällen. Er appellierte an Bergsportler, sich besonders sorgfältig auf die Touren vorzubereiten.

"Die Tourenplanung ist das Wichtigste", sagt Bergführer Winter. "Ich muss mir ganz genau überlegen, anhand der Karte, analog oder digital, wo geht der Weg, welche Alternative habe ich, welche Gefahren gibt es, wie wird das Wetter und wer geht mit." Viele Unfälle seien selbstverschuldet. Wanderer sollten Sicherheitspuffer und Zeitreserven einbauen. Winter: "Eher umkehren als harakiri zum Gipfel wollen."

Nur ein tödlicher Unfall mit Mountainbike

Als letztes Detail der Jahresstatistik sei erwähnt, dass im Bereich der DAV-Mitglieder 2019 nur ein Mensch durch einen Unfall beim Mountainbiken tödlich verunglückt ist, obwohl diese Sportart in den letzten Jahren die höchsten Zuwachszahlen an Aktiven erlebt hat. Alle Zahlen und Hintergründe gibt es auf den Seiten des Deutschen Alpenvereins: www.alpenverein.de.

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