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Bildrechte: dpa/pa, Ulrich Niehoff

Weniger Antibiotika für Kinder

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Weniger Antibiotika für Kinder: Forschungsprojekt startet

Antibiotika-Resistenzen nehmen zu. Mitverantwortlich ist die zu häufige und teils unnötige Gabe von Antibiotika bereits im Kindesalter. Ein deutschlandweites Forschungsprojekt, initiiert vom Haunerschen Kinderspital der LMU München, will aufklären.

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Von
  • Stefanie Wagner

Schon kurz nach ihrer Geburt bekamen die Zwillinge von Alexandra Götz eine Antibiotika-Therapie. Die beiden Frühchen mussten mit ihrer Mutter ein paar Wochen im Krankenhaus bleiben und wurden ständig kontrolliert.

Sobald die Entzündungswerte hochgingen, so Götz, bekamen ihre Kinder Antibiotika verabreicht. Rückblickend sieht die junge Mutter aus München das kritisch: "Das war kein gutes Gefühl. Weil man einfach die Bedenken hat, wenn sie es schon so früh nehmen, dass es halt einfach irgendwann nicht mehr wirkt."

Negative Erfahrungen mit zu viel Antibiotika

Dass Antibiotika bei zu häufiger Einnahme oft nicht mehr richtig wirken, hat Alexandra Götz bereits am eigenen Leib erfahren: Wegen ständig wiederkehrender Mandelentzündungen bekam sie in kurzen Abständen verschiedene Antibiotika verschrieben. Aber erst mit einer anderen Therapie hörten die Entzündungen schließlich auf.

Professor Johannes Hübner, Infektiologe am Haunerschen Kinderspital in München, kennt solche negativen Erfahrungen zur Genüge. Gerade bei Kindern sei es problematisch, wenn schon früh Antibiotika-Resistenzen entstünden. "Das ist wirklich eine Katastrophe", so Hübner. "Wenn wir dann vor so einem Kind stehen, häufig auf einer Intensivstation, wo wir kein Antibiotikum mehr haben, was verfügbar ist, was zugelassen ist, dann steht man wirklich mit leeren Händen da und weiß nicht, was zu tun ist."

Hübner nimmt sich und seine Kollegen in die Pflicht. Lange Jahre seien Ärzte zu unkritisch gewesen mit dem Einsatz von Antibiotika, sagt er. Das soll sich ändern.

Antibiotika-Einsatz muss verringert werden

Bereits vor acht Jahren hat Hübner an der Haunerschen Kinderklinik ein interdisziplinäres Team zusammengestellt. Seither tauschen dort Kinderärzte, Apotheker und Statistiker ihre Erfahrungen aus. Sie besprechen Dosierungen und die Auswahl der Substanzen. So konnten sie den Antibiotikaeinsatz intern um 50 Prozent reduzieren.

Damit von diesem Erfolg möglichst viele Ärzte und Patienten profitieren können, hat das Team jetzt unter dem Namen Tele-Kasper ("Telemedizinisches Kompetenznetzwerk Antibiotic Stewardship in Pediatrics") eine vom Bund mit knapp acht Millionen Euro geförderte Forschungskooperation angestoßen. Beteiligt sind rund 28 Kinderkliniken in ganz Deutschland. "Im Rahmen des Projektes werden wir mit den beteiligten Kinderkliniken komplizierte Patienten besprechen, beraten, mit denen gemeinsam lokale Leitlinien erarbeiten, auch im Rahmen von Telekonferenzen", erklärt Hübner.

Zum Einsatz komme auch eine Smartphone-App, die Ärzte bei der Therapie von Kindern unterstützt. Gemeinsames Ziel des Projekts Tele-Kasper: den Einsatz von Antibiotika in Kinderkrankenhäusern um mindestens 20 Prozent zu senken.

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