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Weltwirtschaftsforum in Davos: Kommt der grüne Kapitalismus? | BR24

© picture alliance/KEYSTONE

Schriftzug zum Weltwirtschaftsforum

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    Weltwirtschaftsforum in Davos: Kommt der grüne Kapitalismus?

    In dieser Woche treffen sich in Davos wieder Konzernchefs und Politiker zum Weltwirtschaftsforum. Dabei steht das Thema Klimaschutz ganz oben auf der Tagesordnung. Auch deshalb, weil große Investoren nachhaltigeres Wirtschaften fordern.

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    Er sei kein Öko, sondern nach wie vor Kapitalist, sagte vor wenigen Tagen der Chef von Blackrock, Larry Fink. Zuvor war bekannt geworden, dass Fink einen Brandbrief an hunderte Konzernchefs geschrieben hatte. Man werde künftig darauf achten, dass sie das Thema Nachhaltigkeit ernst nähmen. Gegebenenfalls werde sich Blackrock zurückziehen. Und das nicht aus umweltbewegt-ideologischen Gründen, sondern weil es wirtschaftlich alternativlos sei. Das saß.

    Blackrock gibt den Ton an

    Blackrock ist nicht irgendwer, sondern die größte Investmentgesellschaft der Welt. Wenn man so will, das Herz des Kapitalismus. Und Larry Fink ist nicht alleine mit seinen Forderungen. Längst ist in vielen Führungsetagen angekommen, dass die Wirtschaft nachhaltiger werden muss, soll sie eine Zukunft haben. So sagte Michael Diederich, Chef der Großbank HVB dem Bayerischen Rundfunk:

    "Die Frage ist: Wie sieht Ökonomie in den nächsten 30 Jahren aus? Und da geht es um die Frage: Wie bauen wir unsere Geschäftsmodelle um, wie bauen wir Anlagemodelle und Wertschöpfungsketten um, um wirklich dann auch sicher sagen zu können: Wir übergeben eine Welt, die auch wirklich noch funktioniert und existiert." Michael Diederich, Vorstandssprecher HVB

    Sparsamkeit alleine reicht nicht aus

    Bisher argumentierten Unternehmen oft, sie seien schon deshalb nachhaltig, weil sie aus Kostengründen ohnehin darauf achteten, möglichst wenig an Ressourcen zu verbrauchen. Siemens zum Beispiel verwies zuletzt darauf, wie viel CO2 man selbst einspare, und welche Potenziale man dem Kunden durch Siemens-Produkte an die Hand gebe.

    Siemens wegen Australien-Projekt am Pranger

    In der Öffentlichkeit blieb allerdings hängen, dass der Münchener Konzern Geld mit der schmutzigen Kohleindustrie verdient. Eine vergleichsweise kleine Beteiligung an einem Minenprojekt in Australien löste Online-Kampagnen und Demos vor Siemens-Niederlassungen aus. Vorstands-Chef Joe Kaeser hielt dennoch am Auftrag fest. Er begründete dies mit Vertragstreue und dem Ruf des Unternehmens bei seinen Kunden. Dafür erntete Kaeser öffentliche Kritik, aber auch Lob. Etwa von Hagen Reimer von der IG Metall:

    "Er hat zumindest deutlich gemacht, dass er die Proteste ernst nimmt. Er hat aber auch die Belange, die ein Unternehmensführer nun einmal verfolgen muss, berücksichtigt. Und er hat auch – und das finde ich aus Gewerkschaftssicht bemerkenswert – die potenziellen Folgen für die Beschäftigung im Unternehmen angesprochen." Hagen Reimer IG Metall

    Frühwarnsystem hat versagt

    In der Finanzwelt gilt Siemens dabei noch als ein Unternehmen, das beim Thema Nachhaltigkeit vergleichsweise gut abschneidet. Doch im konkreten Fall hat der Konzern einen entscheidenden Fehler gemacht: Das Frühwarnsystem des Unternehmens hat offenbar versagt. So analysiert gegenüber dem Bayerischen Rundfunk ein bestens vernetzter Unternehmensberater, der namentlich nicht genannt werden will, das jüngste PR-Debakel des Münchener Konzerns. Es habe kein Gremium gegeben, das die Brisanz des Auftrages aus Australien erkannt und das Top-Management frühzeitig auf die Risiken aufmerksam gemacht hätte.

    Unternehmen tragen Mitverantwortung für ihre Partner

    Auf solche Verflechtungen müsse man künftig aber stärker achten, sagt Banker Michael Diederich. Sei es bei den Kunden, sei es bei den Lieferanten:

    "Wie hoch ist denn der CO2-Ausstoß meines Zulieferers? Und der meines Zu-Zulieferers? Um dann danach wirklich sagen zu können: Diese Wertschöpfungskette, das Metall, der Stahl, die Elektroden, die zum Einsatz kommen, die wurden mit einem möglichst geringen CO2-Ausstoß produziert." Vorstandssprecher HVB

    Mit Spannung werden nun die Debatten beim Weltwirtschaftsforum in Davos erwartet. Vor allem dürften noch einmal die Kontraste deutlich werden zwischen Klimaschützern, die radikale Lösungen fordern können und Politikern und Unternehmenslenkern, die höchst komplizierte Interessenkonflikte austarieren müssen.

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