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Trump-Anhänger am Kapitol in Washington D.C.

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Weltweites Entsetzen nach Stürmung des US-Kapitols

Die Szenen, die sich vor und im Kapitol abgespielt haben, sorgen weltweit für Empörung. Spitzenpolitiker verurteilen den Sturm auf das US-Parlament durch Trump-Anhänger scharf - auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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  • BR24 Redaktion

Die Ausschreitungen am Kapitol in der US-Hauptstadt Washington haben weltweite Kritik ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit Kritik an anderen Staatschefs sonst eher zurückhaltend, gab dem abgewählten US-Präsidenten Donald Trump klar eine Mitschuld am Vorgehen seiner Anhänger. Trump habe bedauerlicherweise seine Niederlage bei der Wahl im November nach wie vor nicht eingestanden.

"Das hat die Atmosphäre bereitet, in der dann auch solche Ereignisse, solche gewalttätigen Ereignisse, möglich sind. Diesen Zusammenhang sehe ich." Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Bilder von gewaltbereiten Demonstranten am Kapitol seien verstörend und machten sie wütend und traurig. Als Zeichen der Hoffnung bezeichnete es Merkel, dass der Kongress seine Sitzung nach den Ausschreitungen fortgesetzt habe. Nun stehe der Wahlsieg von Joe Biden und Kamala Harris fest und die USA könnten in weniger als zwei Wochen ein neues Kapitel ihrer Demokratie aufschlagen.

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Kanzlerin Merkel zeigt sich erschüttert über die Auschreitungen in den USA und macht US-Präsident Trump mitverantwortlich dafür.

Steinmeier und Maas ziehen Parallelen zu Reichstagsbesetzung

Auch Bundespräsident Steinmeier wählte deutliche Worte. "Der Sturm auf das Herz der amerikanischen Demokratie" sei das "Ergebnis von Lügen und noch mehr Lügen" sowie von "Demokratieverachtung, Hass und Hetze - auch von oberster Stelle". Steinmeier zeigte sich zuversichtlich, dass "die Fackel der Demokratie wieder heller leuchten" werde. Das werde aber nicht von allein geschehen. "Wir vergessen nicht jene Bilder, als Gegner der Demokratie die Stufen unseres Reichstags besetzten", sagte der Bundespräsident.

Einen ähnlichen Vergleich hatte zuvor Bundesaußenminister Maas gezogen. Mit Blick auf die Krawalle sprach er von "unfassbaren Bildern", über die sich die Feinde der Demokratie freuen würden. Aus aufrührerischen Worten würden gewaltsame Taten - auf den Stufen des Reichstags und jetzt im Kapitol, schrieb er auf Twitter.

Gewalt am Kapitol wird international verurteilt

Auch aus zahlreichen weiteren europäischen Ländern kam harte Kritik. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz und Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian bezeichneten die Ausschreitungen als "schweren Angriff auf die Demokratie", Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und EU-Ratspräsident Charles Michel von "schockierenden Szenen".

EU-Parlamentspräsident Sassoli zeigte sich ebenfalls "beunruhigt" und sicherte der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, Solidarität zu. Kommissionschefin von der Leyen twitterte, sie glaube an die Stärke der US-Institutionen und der Demokratie.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, international einer der engsten Verbündeten von US-Präsident Trump, nannte die "Randale" eine schändliche Tat, die aufs Schärfste zu verurteilen sei.

Und selbst aus China muss sich Trump Kritik gefallen lassen. Eine Sprecherin des Außenministeriums erklärte, Peking wünsche den USA eine schnelle Rückkehr zu Frieden, Stabilität und Sicherheit.

"Wir glauben, dass sich das amerikanische Volk Sicherheit und Ruhe wünscht, insbesondere inmitten der Pandemie." Hua Chunying, Sprecherin des chinesischen Außenministeriums.

Kritik wächst auch in den USA

Nicht nur im Ausland fallen die Reaktionen auf die Ausschreitungen und Trumps halbherzige Eindämmungsversuche scharf aus, sondern auch in den USA selbst und zunehmend auch in Trumps eigener Regierung. So verurteilte Vizepräsident Mike Pence etwa die Krawalle mit deutlichen Worten.

"An jene, die heute Chaos und Verwüstung in unser Kapitol gebracht haben: Ihr habt nicht gewonnen." US-Vizepräsident Mike Pence.

Finanzminister Steven Mnuchin nannte die Gewalt am Kapitol "vollständig inakzeptabel. Die Demokratie werde obsiegen." Auch Außenminister Pompeo zeigte sich entsetzt. Er sagte, es sei unerträglich, bei Protesten Gewalt auszuüben.

Kongress bestätigt Wahlsieg von Biden und Harris

Vor der Kongresssitzung, in der Joe Biden und Kamala Harris als Wahlsieger bestätigt werden sollten, hatte Trump unweit des Kapitols seine Anhänger aufgerufen, zum Parlament zu ziehen und Stärke zu zeigen. Hunderte seiner Fans folgten dem Aufruf, viele von ihnen drangen gewaltsam ins Kapitol ein. Die Abgeordneten mussten flüchten. Im Zuge der Auseinandersetzungen kamen vier Menschen ums Leben, zahlreiche Beamte wurden verletzt. Nachdem das Kapitol geräumt war, setzte der Kongress seine Sitzung fort und bestätigte den Wahlsieg von Biden und Harris.

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