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#Hiergehört macht Lärm sichtbar | BR24

© BR / Lisa Hinder

Symbolbild: Welttag des Hörens

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#Hiergehört macht Lärm sichtbar

Wir leben in einer lauten Welt. Dadurch sind viele Menschen von Hörverlust betroffen, 500 Millionen weltweit. Bis 2050 soll die Zahl auf 900 Millionen steigen. Die Initiative "#Hiergehört" macht die Lautstärke in deutschen Großstädten sichtbar.

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Wer sich heute in München, Hamburg oder Berlin über große Kreide-Graffitis mitten in der Stadt wundert: das sind aktuelle Lärmpegel, die Dezibel misst die Initiative "Good Hearing" am diesjährigen Welttag des Hörens. Mit ihrer Aktion #Hiergehört wollen die Anti-Lärm Aktivisten außerdem Menschen in ganz Deutschland aufrufen, die Lautstärke vom täglichen Umgebungslärm, Baustellen, Verkehr oder Arbeitsplatz in ihrem Wohnort mit einer Dezibel-App zu messen.

Aus diesen Werten will die Initiative dann im Web eine Deutschland-Lärmkarte erstellen. Das Problem ist aus ihrer Sicht: Permanenter Lärm, egal ob Verkehr oder Bauarbeiten - in Kita, Schule oder am Arbeitsplatz macht krank und akustischer Dauerstress schädigt das Gehör. Doch anders als beim Sehsinn achten Menschen selten darauf, ihre Hörfähigkeit zu schützen, denn einfach Weghören und Ruhe finden wird immer schwieriger im lauten Stadtleben.

Menschen so früh wie möglich sensibilisieren

Ein gutes Gehör zu haben und sich zu erhalten, ist leider keine Selbstverständlichkeit: Über 12 Millionen Menschen leiden allein in Deutschland unter Schwerhörigkeit oder sind hörgeschädigt, Tendenz steigend. Klar ist: Bei einem Hörsturz, also dem plötzlichen Ausfall des Hörsinns, einem geplatzten Trommelfell oder Tinnitus, ein nervenaufreibender Dauerton, den die Betroffenen wahrnehmen: sie sind akute Warnzeichen. Auch wenn die Ursachen vielfältig sind, müssen Betroffene sofort zum Arzt. Die meisten Schädigungen des Gehörs verursachen alltägliche hohe Geräuschpegel, denn anhaltender Lärm schädigt die hochsensiblen Haarzellen im Innenohr. Sie wandeln die Schallwellen in Nervenimpulse um, die wir dann "hören".

Die fatalen Lärm-Folgen zeigen sich schleichend, erklärt Professor Dr. Birgit Mazurek, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Tinnitus-Stiftung.

"Wer seine Ohren dauerhaft mit mehr als 85 Dezibel belastet, riskiert irreparable Schäden der Hörzellen. Deshalb ist es wichtig, so früh wie möglich damit zu beginnen, Menschen für die potentiellen Gefahrenquellen im Alltag zu sensibilisieren." Dr. Birgit Mazurek, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Tinnitus-Stiftung

Musikkonzerte, entspannendes Wasserrauschen, ein zarter Liebesschwur, aber auch schrilles Geschrei oder ein hupendes Auto - der Hörsinn verbindet Menschen miteinander und wie keine andere Sinneswahrnehmung löst unsere Hörfähigkeit ganz unmittelbar Emotionen aus: positive Gefühle, Geborgenheit oder Aggressionen. Je schlechter das Hören funktioniert, desto unsicherer und gestresster fühlen sich Menschen, manche vereinsamen.

"Check your hearing" - teste dein Gehör!

Die Weltgesundheitsorganisation WHO richtet ihren Appell am heutigen "Welttag des Hörens" an alle Altersgruppen. Denn eine angehende Hörminderung bleibt oft lange unbemerkt oder wird zunächst nicht ernstgenommen. "Es ist unser Ziel, im Rahmen des globalen Aktionstages über Ursachen, Risiken und mögliche Folgen einer Hörminderung aufzuklären sowie geeignete Wege zu ihrer Prävention, frühen Diagnose und bestmöglichen Versorgung aufzuzeigen", betont Dr. Shelly Chadha von der WHO. Den Welttag des Hörens unterstützt deshalb der Bundesverband der Hörgeräteindustrie BVHI.

Gemeinsam mit ihren Partnern, der Stiftung Zuhören und dem Programm Lila Lausch, bei dem sich auch der Bayerische Rundfunk beteiligt, wollen sie sogar die Kleinsten zum besseren Hin- und einem bewussten Zuhören bewegen. Vorlesen, Flüstern statt Schreien, spezielle Workshops für Erzieher und eine Sprachlern-App sind Beispiele ihres Engagements, das ganzjährig aktiv ist. Zur Aufklärung über das gute Hören hat die WHO auch eine neue kostenlose App entwickelt, mit der Handynutzer ab sofort ganz einfach ihren Hörsinn testen können.

Vor allem Jugendliche von hohen Lärmpegeln betroffen

Wer Probleme beim Verstehen von Gesprächen oder das Verschwinden hoher Töne in seiner Lieblingsmusik wahrnimmt, sollte sich rasch behandeln lassen, denn nach einer Schädigung verschlechtert sich sonst das Hörvermögen weiter, und kann letztlich zur Taubheit führen.

Zu hohe Lärmpegel sind besonders gefährlich für Jugendliche, denn immer mehr hören permanent viel zu laute Musik oder Konzerte. Auch über 65-Jährige sollten auf ihr Gehör achten und sich testen lassen, denn auch im Alter lässt der menschliche Gehörsinn nach.

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Weitere Information zur Verweildauer

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Lärmschutz-Arbeiten bei Marktheidenfeld: An der A3 in Fahrtrichtung Frankfurt montieren derzeit Mitarbeiter der Autobahndirektion Lärmschutzwände.