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Weltnichtrauchertag: Aufhören mit dem Rauchen | BR24

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Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 121.000 Personen in Folge des Rauchens. Das sind mehr als 300 Tote pro Tag. Rauchen ist die häufigste vermeidbare Todesursache in den Industrieländern. Doch bislang scheinen abschreckende Fotos nicht zu helfen.

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Weltnichtrauchertag: Aufhören mit dem Rauchen

Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 121.000 Personen in Folge des Rauchens. Das sind mehr als 300 Tote pro Tag. Rauchen ist die häufigste vermeidbare Todesursache in den Industrieländern. Doch bislang scheinen abschreckende Fotos nicht zu helfen.

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Seit 1987 versucht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit dem Weltnichtrauchertag am 31. Mai darauf aufmerksam zu machen, mit dem Rauchen aufzuhören. Denn Rauchen ist eine Sucht und auf Dauer genauso schädlich ist wie viele andere Drogen. Obwohl die Gefahren bekannt seien, würden noch immer acht Millionen Menschen pro Jahr infolge des Tabakkonsums sterben, erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf.

Rauchen schon längst nicht mehr gesellschaftsfähig

Dabei passen Raucher inzwischen nicht mehr ins Bild der gesundheitsbewussten Gesellschaft. Während vor zwanzig Jahren Rauchen zum Beispiel an geselligen Abenden noch wie selbstverständlich dazu gehörte, sind heute nur 14 Prozent der Bundesbürger einer Umfrage der DEVK-Versicherungen zufolge überzeugte Raucher, die gar nichts daran ändern möchten. 31 Prozent der Bundesbürger geben an, noch nie geraucht zu haben. Bei jungen Leuten ist der Anteil besonders hoch: 48 Prozent der Befragten bis 34 Jahre sagen, dass sie schon immer Nichtraucher waren. Über alle Altersgruppen hinweg geben 31 Prozent zu, früher geraucht zu haben, heute aber nicht mehr. Das trifft vor allem auf ältere Semester zu - auf 43 Prozent der Befragten über 55 Jahre.

Rauchfrei mit dem Kurs in der Tabakambulanz

Viele wollen aufhören – und haben gute Chancen: Es gibt viele Möglichkeiten, die Entwöhnung zu unterstützen. Zum Beispiel durch einen Rauchfrei-Kurs bei der Münchner Tabakambulanz.

"Ich bin hier, weil ich eine fortgeschrittene Lungenerkrankung habe und wenn ich noch ein bisschen weiterleben möchte, muss ich das Rauchen aufhören."

Die 64-Jährige ist eine von sieben Teilnehmern des Rauchfrei-Kurses. Sie möchte lieber anonym bleiben. Die schmale Frau mit den glatten, dunkelbraunen Haaren hat mit 13 Jahren mit dem Rauchen angefangen und ist über 50 Jahre nicht mehr davon weggekommen.

"Mir ist klar geworden: Du schaffst das nicht allein! Du brauchst Hilfe. Und deswegen bin ich hier."

Ohne professionelle Hilfe schaffen es die Wenigsten

97% aller starken Raucher schaffen die Entwöhnung nicht ohne professionelle Hilfe. Hier in der Münchner Tabakambulanz versucht ein Team aus Ärzten und Psychologen zu helfen. Die sogenannte Tabakambulanz ist eine Spezialambulanz für Tabakabhängigkeit. Die meisten Teilnehmer des Rauchfrei-Kurses haben früh mit dem Rauchen angefangen:

"Ich bin 34. Ja, angefangen, so ein bisschen mit 13, 14, und seitdem ich 16 bin, regelmäßig ein Schachtel am Tag."

Viele werden von ihrem Hausarzt geschickt und leiden bereits an Folgeerkrankungen wie Atemproblemen, Schlaganfall oder Krebs. Tobias Rüther ist Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums München. Er hat die Tabakambulanz an der Klinik eingerichtet. Dort wird individuell beraten und es werden Gruppenkurse angeboten.

"Das ist in der Regel so drei mal drei Stunden innerhalb von drei Wochen, wo man eben mit einer Gruppe gemeinsam aufhört. Und das ist sehr erfolgreich und macht auch Spaß." Tobias Rüther, Oberarzt

Unzählige Angebote: Aber die Mischung macht es - und der eigene Wille

Es gibt unzählige Angebote, die helfen können – von privaten Coachings über Ratgeber-Literatur bis zu Youtube-Tutorials. Was für ihn das Beste ist, muss nach Ansicht von Tobias Rüther jeder selbst ausprobieren. Nikotinpräparate seien oft eine gute Ergänzung zur Therapie:

"Da gibt es Pflaster, Kaugummi, Mundspray und so weiter und es gibt zwei verschreibungspflichtige Medikamente. Das in Kombination mit einer Beratung ist eigentlich der Königsweg der Tabakentwöhnung." Tobias Rüther, Oberarzt

Bei der ersten Beratung im Rauchfrei-Kurs geht es darum, die Motivation für ein rauchfreies Leben aufzubauen. Das ist ohnehin das Wichtigste beim Aufhören:

"Die gesamte Suchttherapie geht nur mit Belohnung. Nicht mit Schockieren, nicht mit Schockbildern, nicht mit Bestrafen, nur mit Motivation. Wir reden nur darüber, wie toll das rauchfreie Leben ist, und reden gar nicht darüber, wie schlimm Rauchen ist." Tobias Rüther, Oberarzt

Wendepunkte im Leben können das Rauchen schneller beenden

Beim zweiten Treffen erfolgt der Rauchstopp. Es werden Denkfehler und Alternativen besprochen – und persönliche Ziele festgelegt. In der dritten Einheit geht es um die Identität als rauchfreie Person und die Zukunftsplanung. Kosten: 250 Euro. Zwischen 80 und 100 Euro übernehmen die Krankenkassen. Medikamente dagegen müssen Raucher vollständig aus eigener Tasche bezahlen. Es gibt aber zum Beispiel auch kostenlose Apps fürs Smartphone, die helfen können – besonders in der schwierigen Anfangsphase der Entwöhnung. Tobias Rüther etwa empfiehlt die App "Smokerstop", die ein Dozent der Universität Dießen entwickelt hat. Die Teilnehmerin vom Beginn dieses Berichts setzt alle ihre Hoffnungen auf den Rauchfrei-Kurs:

"Wenn es jetzt klappt mit dem Aufhören, was machen Sie dann? Wie geht’s dann weiter? – Dann fange ich an zu leben!"

Sie sieht ernst und sehr entschlossen aus. Oft ist es ein Wendepunkt im Leben, der Menschen dazu bringt, endgültig mit dem Rauchen aufhören zu wollen. Nicht nur Krankheiten, auch positive Wendepunkte: Ein anderer Teilnehmer zum Beispiel wird bald Vater.

"Man hat dann Verantwortung, die man für eine andere Person zu tragen hat, und ich möchte auch nicht die ersten Gerüche gleich mit dem Rauchen bei meinem Kind verknüpfen, deswegen setze ich schon große Hoffnungen daran."

Hoffnungen, dass er diesen Kurs als Nichtraucher verlassen wird.

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