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Weltkriegsgedenken in Polen: "Wunder der Versöhnung" | BR24

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Vor genau 80 Jahren hat die deutsche Wehrmacht Polen überfallen. Es war der Beginn des Zweiten Weltkrieges mit rund 55 Millionen Toten. Bundespräsident Steinmeier hat sich heute beim Gedenken in Warschau dafür entschuldigt.

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Weltkriegsgedenken in Polen: "Wunder der Versöhnung"

Bei der zentralen Gedenkveranstaltung zum Beginn des Zweiten Weltkriegs in Warschau hat Bundespräsident Steinmeier an die Verbechen Deutschlands erinnert. Er bekannte sich zu einer "bleibenden Verantwortung".

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Mit einer Gedenkfeier In Warschau ist an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren erinnert worden. Auf dem Pilsudski-Platz empfing Polens Präsident Andrzej Duda Vertreter aus mehr als 30 Ländern.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erinnerte in Warschau an die historischen Verbrechen Deutschlands. "Ich stehe hier in Demut und in Dankbarkeit", sagte er. "Ich bitte um Vergebung für Deutschlands historische Schuld. Ich bekenne mich zu unserer bleibenden Verantwortung."

Gnade der Versöhnung gerecht werden

Der Bundespräsident verwies in seiner Rede auch auf die Aussöhnung der beiden Nachbarländer: "Dass auf diesem Platz, an diesem Tag ein deutscher Präsident vor Ihnen stehen und sprechen darf - das zeigt das lebendige Wunder der Versöhnung." Diese Versöhnung sei eine Gnade, "die wir Deutschen nicht verlangen konnten, aber der wir gerecht werden wollen".

Zu den Gästen der zweistündigen Zeremonie zählte neben Kanzlerin Angela Merkel auch der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyij. Russlands Präsident Wladimir Putin hingegen wurde zum Ärger Moskaus nicht eingeladen. US-Präsident Donald Trump hatte seine Teilnahme an der Gedenkfeier wegen Hurrikan "Dorian" kurzfristig abgesagt. Er wurde durch Vize-Präsident Mike Pence vertreten.

"Wielun muss in unseren Köpfen und in unseren Herzen sein"

Steinmeier war am Samstagabend nach Polen gereist, um am Morgen gemeinsam mit dem polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda an der Gedenkfeier in Wielun teilnehmen zu können.

1939 flog die deutsche Luftwaffe mehrere Angriffe auf die Stadt. Mindestens 1.000 der damals rund 15.000 Einwohner kamen ums Leben. Nahezu zur selben Zeit kam es zu den ersten Angriffen der Deutschen auf der Halbinsel Westerplatte bei Danzig.

"Ich verneige mich vor den polnischen Opfern der deutschen Gewaltherrschaft", sagte Steinmeier zum Jahrestag des deutschen Überfalls auf das östliche Nachbarland. Deutschland nehme die Verantwortung an, "die unsere Geschichte uns aufgibt", so der Bundespräsident. "Wir wollen und wir werden uns erinnern."

"Wielun muss in unseren Köpfen und in unseren Herzen sein", sagte Steinmeier. "Wielun war ein Fanal, ein Terrorangriff der deutschen Luftwaffe und ein Vorzeichen für alles, was in den kommenden sechs Jahren folgen sollte."

Gemeinsam für Frieden einstehen

Auch Duda rief dazu auf, die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg wachzuhalten. Solch ein Krieg dürfe sich niemals wiederholen, sagte er und appellierte an die Staaten der Nato und der EU, gemeinsam für den Frieden einzustehen und Aggressionen in den internationalen Beziehungen entschieden entgegenzutreten.

Das gemeinsame Gedenken der beiden Präsidenten in Wielun ist eine besondere Geste: Duda empfing Steinmeier noch vor Morgengrauen auf dem zentralen Platz der Kleinstadt. Die ersten Bomben, die das Krankenhaus der Stadt trafen, fielen gegen 4.40 Uhr.

Gedenken auch in Deutschland

Mit einem ökumenischen Gedenkgottesdienst erinnerten Christen aus Polen und Deutschland im Berliner Dom an den Kriegsbeginn. Unter den Gästen waren Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) und seine polnische Amtskollegin, Sejmmarschallin Elzbieta Witek.

Bei einer anschließenden Gedenkveranstaltung warb Schäuble für ein Denkmal für die polnischen Opfer der NS-Gewaltherrschaft in Berlin. Der passende Ort dafür wäre der Askanische Platz vor der Ruine des Anhalter Bahnhofs, sagte er. Mit der Nähe zum geplanten Zentrum "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" lege dieser Standort auch den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung offen. "Und das mitten in unserer Hauptstadt, im öffentlichen Raum."

Die Initiative für ein Denkmal komme aus der Mitte der Gesellschaft und werde inzwischen von mehr als 200 Bundestagsabgeordneten unterstützt, betonte Schäuble.