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Weltklimarat fordert radikale Umkehr

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Weltklimarat fordert radikale Umkehr bei der Landnutzung

Der Weltklimarat hat dazu aufgerufen, sofort zu handeln, um die wachsende Erdbevölkerung dauerhaft ernähren und zugleich das Klima schützen zu können. Im Fokus der Experten: Fatale Wechselwirkungen zwischen Landwirtschaft und Klimawandel.

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Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen und die Versalzung von Böden infolge des Klimawandels sind für die Ernährung der Weltbevölkerung eine erhebliche Bedrohung. Der Sonderbericht des Weltklimarats hat den wissenschaftlichen Kenntnisstand über Klimawandel und Landnutzung zusammengefasst. Mehr als 100 Experten aus aller Welt waren an dem Bericht beteiligt, der heute in Genf vorgestellt wurde.

Landwirtschaft verändert das Klima - und umgekehrt

Der Ackerbau, die Tierhaltung und die Abholzung sind dem Bericht nach die größten Verursacher für den Klimawandel. Das gefährdet die Produktion von Nahrungsmitteln. Andererseits sehen die Experten aber auch in einer intelligenten Landnutzung die Lösung. Sie fordern ein schnelles und koordiniertes Handeln der internationalen Gemeinschaft.

"Ich hoffe, dass dieser Bericht das Bewusstsein aller Menschen steigert für die Bedrohungen und Herausforderungen, die der Klimawandel für uns bedeutet." Vorsitzender des Weltklimarates (IPCC) Hoesung Lee

Weltklimarat warnt vor Temperaturanstieg

Der weltweite Temperaturanstieg liegt über den Landflächen bereits bei mehr als 1,5 Grad, wie die Wissenschaftler mitteilen. Unter Berücksichtigung der sich langsamer erwärmenden Meeresflächen liege das globale Temperaturplus gegenüber der vorindustriellen Zeit bei knapp 0,9 Grad. Verglichen wurden die Zeiträume 1850 bis 1900 und 2006 bis 2015. Der Weltklimarat hat bereits im vergangenen Jahr vor den Auswirkungen gewarnt, falls die globale Temperatur insgesamt über 1,5 Grad steigen sollte. In den kommenden Jahrzehnten werde die Zahl, Dauer und Intensität von Hitzewellen sowie Dürren nicht zuletzt rund ums Mittelmeer zunehmen, warnen die Forscher des Weltklimarates. In vielen Regionen werden zudem häufiger extreme Regenfälle vorkommen.

💡 Was ist der Weltklimarat?

Der Weltklimarat IPCC wurde vor mehr als 30 Jahren gegründet, von zwei UN-Organisationen angesichts der Erderwärmung. Inzwischen sind am IPCC fast 200 Mitgliedsländer beteiligt. Aufgabe des Rates ist es, zu zeigen, wie sich der Klimawandel auf Natur und Mensch auswirkt, wie er gebremst werden kann und welche Anpassungsstrategien es gibt. Das Gremium mit Sitz in Genf forscht nicht selbst. Vielmehr sichten für die jeweiligen IPCC-Berichte eigens aufgestellte Forscher aktuelle Studien und werten sie aus.

Handlungsempfehlungen - und ein Dilemma

Aufforstung und der Schutz der Regenwälder seien entscheidend, um den globalen Temperaturanstieg aufzuhalten, heißt es. Allerdings stehe die Welt vor einem Dilemma: Denn ohne ein weiteres umfassendes Maßnahmenpaket könnte die Aufforstung die Ernährungssicherheit von Millionen Menschen bedrohen.

Um das im Pariser Klimaabkommen von 2015 beschlossene Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu beschränken, mithilfe von Bioenergie umzusetzen, wären riesige Landflächen nötig. Doch die Weltbevölkerung werde Schätzungen zufolge in wenigen Jahrzehnten auf zehn Milliarden Menschen anwachsen. Land stehe daher nur begrenzt zur Verfügung, warnen die Wissenschaftler.

Lebenswandel ändern, weniger Fleisch essen

Das weltweite Bevölkerungswachstum und ein verändertes Konsumverhalten hätten zu einem nie dagewesenen Verbrauch von Land und Wasser geführt. Landwirtschaft und Essverhalten müssten sich daher stark ändern, forderten die Vereinten Nation. Aus Sicht von Umweltschützern muss ein Umdenken gerade beim hohen Fleischkonsum einsetzen. Die Produktion von Fleisch trage durch hohe Treibgasemissionen erheblich zum Klimawandel bei, hieß es bereits im Vorfeld. Insgesamt stammt etwa ein Viertel der klimaschädlichen Emissionen aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft und anderer Landnutzung.

Auch Bundesregierung sieht Handlungsbedarf

Die Bundesregierung will am 20. September ihre Klima-Strategie vorstellen. Am 23. September beraten die Staaten bei einem Klimagipfel der Vereinten Nationen über die Folgen des Temperaturanstiegs. Das Klimaschutzabkommens von Paris von 2015 hatte zum Ziel, die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zu vorindustrieller Zeit zu begrenzen.

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Die Welt muss laut einem UN-Bericht ihre Essgewohnheiten und die Landwirtschaft deutlich umstellen, um die Erderwärmung zu begrenzen. Sonst seien die Lebensmittelsicherheit, die Gesundheit und die Artenvielfalt in Gefahr.