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Weltklimakonferenz in Madrid: "Es ist hart, aber es ist es wert" | BR24

© dpa-Bildfunk/Manu Fernandez

Demonstrationen zur 25. UN-Klimakonferenz in Madrid

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    Weltklimakonferenz in Madrid: "Es ist hart, aber es ist es wert"

    Der Verhandlungsmarathon auf der Weltklimakonferenz in Madrid zieht sich hin. Bis zum frühen Morgen soll nun ein neuer Beschlusstext vorliegen. Eine Einigung ist damit aber längst nicht garantiert.

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    Das Warten auf eine mögliche Einigung bei der Weltklimakonferenz in Madrid dauert an. Die Verhandlungen über einen gemeinsamen Abschlusstext der Vertreter aus mehr als 190 teilnehmenden Staaten dauern bis in Morgenstunden an.

    Die chilenische Umweltministerin und Präsidentin der Klimakonferenz, Carolina Schmidt, kündigte kurz nach Mitternacht neue Entwürfe für einen Beschlusstext an. Die Beratungen würden sich über die Nacht hinziehen. Sie hoffe, dass das Konferenzplenum sie am frühen Morgen absegnen könne. Schmidt versuchte, nochmals an die Teilnehmer zu appellieren:

    "Ich weiß, dass wir sehr müde sind. Ich weiß, dass die meisten von Ihnen nicht geschlafen haben. Es ist hart, es ist schwierig, aber es ist es wert." Carolina Schmidt, Umweltministerin Chile

    Erster Entwurf als zu schwach abgeblockt

    Doch die Fronten zwischen einigen Teilnehmern sind verhärtet. Chile hatte bereits einen Entwurf für einen Beschlusstext vorgelegt. Dieser wurde aber von mehreren Vertretern abgelehnt. Auch Umweltschützer hatten ihn als zu schwach kritisiert. Die Delegationsleiterin des WWF International, Vanessa Perez-Cirera, zeigte sich "schockiert". Hinweise auf die absolute Notwendigkeit, die Klimaschutzbeiträge im Jahr 2020 zu verstärken, seien praktisch eliminiert worden. Im Angesicht der aufziehenden Klimakrise sei dies inakzeptabel.

    Auch die EU, Deutschland und weitere Länder hatten den Entwurf abgeblockt. Sie bestehen auf höhere Zusagen beim Klimaschutz im nächsten Jahr, stoßen damit aber auf entschiedenen Widerstand - unter anderem von den USA und Brasilien.

    Pariser Abkommen soll umgesetzt werden

    Ein weiterer Streitpunkt: der Artikel 6 des 2015 vereinbarten Pariser Klimaabkommens. Der dreht sich um Marktmechanismen, mit deren Hilfe nationale Klimaschutzbeiträge gesteigert werden sollen. Ein Beispiel: Ein Industrieland könnte in einem Entwicklungsland ein Solarkraftwerk finanzieren, um die dortige Nutzung fossiler Energieträger zu verringern. Die so gesparten Emissionen kann sich das finanzierende Land dann anrechnen lassen.

    Grundsätzlich geht es bei den UN-Verhandlungen um die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens, um die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, möglichst sogar auf 1,5 Grad. Dazu ist es Wissenschaftlern zufolge notwendig, dass der Ausstoß von Treibhausgasen - vor allem Kohlendioxid (CO2) aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Erdgas - schnell und deutlich zurückgeht. Bisher steigen die Emissionen weltweit aber. Auch für 2019 wird ein Plus vorausgesagt.

    Konferenz "droht auseinanderzufallen"

    Klimaschutzaktivisten und NGOs kritisierten die ablehnende Haltung einiger Staaten ambitionierteren Klimazielen gegenüber. Die großen "Treibhausgasemittenten" dürften die Konferenz "nicht länger in Geiselhaft nehmen", forderte Manuel Pulgar Vidal von WWF International. Und auch die schwedische "Fridays für Future"-Initiatorin Greta Thumberg warnte auf Twitter, die Konferenz drohe "auseinanderzufallen". Dabei lägen klare wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel vor, die aber immer noch ignoriert würden.

    Kritik an Verhandlungsführung

    Doch auch Konferenzpräsidentin Schmidt gerät in die Kritik. Ein Vertreter aus Papua-Neuguinea prangerte an, dass 90 Prozent aller Konferenzteilnehmer über Stunden nicht in den laufenden Verhandlungsprozess eingebunden worden seien.

    Bundesumweltministerin Svenja Schulze warnte, dass die Konferenz "nicht ohne Ergebnis bleiben" dürfe - auch, wenn es "keine Einigung um jeden Preis" sein dürfe: "Es kann nicht sein, dass diejenigen, die bremsen, hier das Ergebnis dieser Weltklimakonferenz entscheiden.