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Weltklimagipfel in Madrid: Entscheidende Woche beginnt | BR24

© REUTERS/Sergio Perez

Klimaaktivistin Greta Thunberg auf dem COP25-Klimagipfel in Madird

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Weltklimagipfel in Madrid: Entscheidende Woche beginnt

Der Weltklimagipfel in Madrid geht auf die Zielgerade. Im besten Fall sind die G20-Staaten zu einer stärkeren Senkung der CO2-Emissionen bereit. Doch es gibt wenig Hoffnung auf konkrete Zusagen.

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Rettet die Erde, für den Wandel ist es noch nicht zu spät – mit solchen Slogans haben am Freitagabend Zehntausende in der Innenstadt von Madrid für mehr Klimaschutz demonstriert, allen voran die Symbolfigur der Bewegung, Greta Thunberg. Die 16-jährige schwedische Aktivistin und Begründerin der "Fridays-for-Future"-Bewegung stand mit ihrem Schild "Schulstreik fürs Klima" auf der Bühne und kritisierte die Politiker auf dem UN-Klimagipfel, der seit dem vergangenen Montag in Madrid stattfindet. Die Hoffnung finde man nicht in den Verhandlungssälen, sondern draußen bei den Menschen:

"Diejenigen, die an der Macht sind, müssen zu uns aufschließen. Denn wir sind im Augenblick diejenigen, die anführen. Sie müssen uns folgen, denn wir sind diejenigen, die zeigen, wo es hingeht." Greta Thunberg, Klimaaktivistin

Klimaschützer werden enttäuscht

Aber die Hoffnungen der Demonstranten auf schnelle, umfassende Maßnahmen für mehr Klimaschutz werden höchstwahrscheinlich enttäuscht. Schon jetzt ist klar: Beim Klimagipfel geht es um wichtige technische Fragen. In Madrid werden die Staaten aber nicht konkret sagen, was sie tun wollen, um das Ziel der Pariser Vereinbarung zu erreichen, die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten. Die Chefin des UN-Klimasekretariats, Patricia Espinosa, erklärte zum Auftakt der Verhandlungen:

"Natürlich haben wir den Punkt Emissionsreduktion gar nicht auf der Tagesordnung. Deshalb wird es dazu auch keine eigene Entscheidung geben. Aber es gibt viele Tagesordnungspunkte und Gespräche auch auf höchster Ebene, wo es um ehrgeizigere Klimaschutzziele geht." Patricia Espimosa, Chefin UN-Klimasekretariat
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Pro-Kopf-Ausstoß

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CO2-Gesamtausstoß

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Weltweiter CO2-Ausstoß 2017 nach Sektoren

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CO2-Ausstoß Deutschland

Von der Leyen strebt stärkere Senkung der CO2-Emissionen an

Im besten Fall kündigen die G20-Staaten, also die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, in Madrid an, dass sie im kommenden Jahr schärfere Ziele vorlegen werden. Die G20 sind für 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Dabei steht vor allem die EU im Fokus: Kommissionschefin Ursula von der Leyen fordert, die CO2-Emissionen der Gemeinschaft bis 2030 deutlich stärker zu senken als bisher geplant: Nämlich um 50 bis 55 Prozent, statt wie bisher zugesagt um 40 Prozent im Vergleich zu 1990. Aber das ist derzeit nur ein Vorschlag, kein Beschluss.

Bewegt sich die EU, könnte auch der weltgrößte CO2-Verursacher China mitziehen und höhere Ziele ankündigen. Die deutsche Delegationsleiterin Nicole Wilke betont:

"Die europäische Union arbeitet an ihrem Beitrag, der im nächsten Jahr vorgelegt werden soll. Und wir sind guter Hoffnung, dass wir dann von allen Staaten, wie in Paris vereinbart, Beiträge sehen werden." Nicole Wilke, Leiterin der deutschen Delegation

Kritik an Praxis von Emissionszertifikaten

In Paris haben die Staaten 2015 außerdem beschlossen, dass Regierungen und Unternehmen mit Ausstoßrechten handeln können, um mehr fürs Klima zu tun. Länder, die ihre Emissionen stärker verringern als zugesagt, können diesen Überschuss in Form von Zertifikaten verkaufen.

Umweltverbände warnen vor Doppelzählungen – davor, dass sich Verkäufer und Käufer von Emissionszertifikaten eine Reduktion anrechnen, die nur einmal stattgefunden hat. Das will auch die Europäische Union in den Verhandlungen verhindern. Offenbar wehrt sich aber Brasilien gegen eine allzu strenge Buchhaltung.

Außerdem wollen China, Indien und Russland alte Zertifikate verkaufen, die aus Handelsmechanismen der weltweit ersten Klimavereinbarung von Kyoto stammen – enorme Mengen, die die Preise verderben könnten. Sam van den Plas von der Denkfabrik Carbon Market Watch warnt vor einem solchen Zertifikat-Handel:

"Da geht es um Zertifikate über 19 Milliarden Tonnen Kohlendioxid, das entspricht dem Ausstoß von 700 Kohlekraftwerken, die ununterbrochen für zehn Jahre laufen. Das droht, das Paris-Abkommen auszuhöhlen, wenn da nichts passiert." Sam van den Plas "Carbon Market Watch"
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Immer mehr Menschen ändern ihre Lebensweise, um einen Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten. Wenn sich Treibhausgase nicht vermeiden lassen, gibt es auch die Möglichkeit freiwilliger CO2-Kompensation. Wie funktioniert das?