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Rihanna bei der Diamond Ball Gala in New York (12.9.19)

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    Rihanna, Taylor Swift, Lady Gaga: Von Männern misshandelt

    Viele kostete es großen Mut, darüber zu sprechen: Doch auch einige der berühmtesten weiblichen Popstars, wie Rihanna oder Lady Gaga, waren Gewalt und sexuellem Missbrauch ausgesetzt - während die Täter häufig ohne erhebliche Auswirkungen davonkamen.

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    Von
    • Wolfgang Kerber

    Es war der Abend der Grammy Awards 2009, "Music's biggest night", wie es oft heißt. Rihanna, damals 20, hätte auftreten sollen. Auf der Fahrt dorthin kam es zum Streit mit ihrem damaligen Freund Chris Brown, ebenfalls Popstar, 19 Jahre jung. Es wurde handgreiflich und das Polizei-Foto geleakt: Rihanna mit geplatzten Lippen, blauen Flecken, einem geschwollenen Gesicht. Sie hatte keine Kontrolle darüber, ob die ganze Welt das sehen soll oder nicht.

    Ein Jahr später nahm sie zusammen mit Eminem den Hit "Love The Way You Lie" auf, ein Song, der von Missbrauch in Beziehungen handelt. Chris Brown wurde zu einer moderaten Strafe verurteilt. Seine Karriere bekam eine Delle, aber derzeit hat er seit Wochen den meistgehörten Hit im amerikanischen Radio.

    Selbst Berühmtheit schützt Frauen nicht

    Rihanna ist nur eine von vielen weiblichen Popstars, die weder Ruhm noch Erfolg vor männlicher Gewalt schützen konnten - nicht dass das eine mit dem anderen etwas zu tun hat. Es zeigt nur: Es kann wirklich jede Frau treffen.

    In den 1970ern erlebte Tina Turner häusliche Gewalt in ihrer Ehe mit Ike Turner (gemeinsamer Hit: "Nutbush City Limits"). Und Phil Spector, einer der erfolgreichsten Produzenten aller Zeiten, drohte seiner Frau Ronnie (Teil der Girlgroup "The Ronettes") sie umzubringen, wie diese in ihrer Autobiografie schrieb. Jahre später landete Phil Spector tatsächlich wegen Mordes an einer Schauspielerin im Gefängnis, wo er dieses Jahr im Januar verstarb.

    Der schwierige Schritt, darüber zu reden

    Es ist auch für Popstars kein leichter Schritt, mit ihren Erlebnissen an die Öffentlichkeit zu gehen. "Mein zweitschlimmster Albtraum ist es, gezwungen zu sein, der Welt zu sagen, dass ich eine Überlebende von häuslicher Gewalt bin", schrieb FKA twigs im Dezember 2020 auf Instagram. "Mein schlimmster Albtraum ist es, niemandem davon zu erzählen und zu wissen, ich könnte nur einer Person geholfen haben, indem ich meine Geschichte teile."

    Sie verklagte ihren Ex-Freund, der kein Geringerer ist als Schauspieler Shia LaBeouf ("Transformers"). Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hat sich auch Sängerin Sia gemeldet und LaBeouf als "krankhaften Lügner" bezeichnet, der sie mit falschen Behauptungen in eine Beziehung gelockt habe. Entschuldigenden Worten in einem ersten Statement folgte kürzlich die Zurückweisung der Anschuldigungen in einem Schreiben von LaBeoufs Verteidigern.

    Der schwierige Schritt, vor Gericht zu gehen

    Im August 2017 stand Taylor Swift vor Gericht. Beim Besuch eines Radiosenders war ein Foto gemacht worden, der Radio-DJ hatte sie befummelt. Das wurde von Swifts Seite auch an den Boss des DJs kommuniziert. Es gab eine Untersuchung, er wurde gefeuert – und verklagte Taylor Swift auf mehrere Millionen Dollar. Sie reichte Gegenklage um einen Dollar ein – und gewann.

    In der Netflix-Doku "Miss Americana" schildert Swift sehr persönlich, wie sie den Prozess erlebt hat, wie es für sie war, sich fragen lassen zu müssen, warum sie nicht sofort reagiert habe. "Ich war so wütend, dass ich dort sein musste. Ich war wütend, dass Frauen so etwas passiert. Ich war wütend, dass Leute dafür bezahlt werden, Opfer zu verunglimpfen." Und weiter: "Man empfindet den Sieg nicht als solchen, weil der Prozess so entmenschlichend ist."

    Der Moderator bezahlte den geforderten Dollar erst nach Aufforderung und bekam bald darauf einen neuen Job beim Radio. Taylor Swift stand ein Jahr nach dem Urteil auf der Bühne in Tampa, Florida, und erinnerte sich vor zigtausenden Fans an den Gerichtssaal in Denver, Colorado, ebenfalls zu sehen in "Miss Americana".

    "Ich denke einfach an all die Menschen, denen man nicht geglaubt hat, oder jene, die Angst haben, was zu sagen, weil sie denken, dass man ihnen nicht glauben wird. Ich weiß nicht, welche Wende mein Leben genommen hätte, wenn Leute mir nicht glauben würden, wenn ich sage, was mir passiert ist." Taylor Swift

    Anfang März musste sich die Sängerin schließlich einen abfälligen Scherz in der Netflix-Serie "Ginny & Georgia" gefallen lassen, wo ein Dialog lautete: "Du wechselst die Männer schneller als Taylor Swift." Die Sängerin hatte, wie viele Menschen, mehrere Partner, lebt aber seit fast fünf Jahren in einer festen Beziehung.

    Der schwierige Schritt, damit zu leben

    Eine der erschütterndsten Misshandlungen hat wohl die walisische Sängerin Duffy (2008 Nummer-1-Hit "Mercy") erlebt. Jahrelang war es ruhig um sie, als sie sich im Februar 2020 über Instagram meldete: "Ich wurde vergewaltigt, betäubt und über einige Tage hinweg gefangen gehalten." Einige Wochen später verfasste sie einen langen Text von sieben Seiten (duffywords.com), schilderte ein Drama, das leider kein Horrorroman ist.

    Es sei an ihrem Geburtstag passiert, sie sei gefangen gehalten, dann mit einem Flugzeug in ein anderes Land gebracht, wiederholt unter Drogen gesetzt und vergewaltigt worden. Mit der Hilfe einer Psychologin habe sie es geschafft, in fast zehn Jahren dieses Erlebnis hinter sich zu lassen, meinte aber auch: "Ich bezweifle, noch einmal die Person zu werden, die die Menschen gekannt haben." Der Täter habe mehr als ihre musikalische Karriere ruiniert.

    Duffy meldete sich zu einem späteren Zeitpunkt nochmal mit einem offenen Brief und wandte sich an Netflix. Deren Film-Hit "365 Tage" verherrliche die brutale Wirklichkeit von Prostitution, Entführung und Vergewaltigung. Anders gesagt: von vielem, was ihr passiert sei. Sie forderte auch die Seher des Films auf, sich mit dem Problem zu beschäftigen. Der Film ist noch immer auf Netflix zu sehen.

    Der schwierige Schritt, etwas zu verändern

    Die Liste der weiblichen Popstars, die von Männern missbraucht wurden, psychisch oder physisch, ist lang. Gerechtigkeit ist im Grunde nur schwer zu erreichen und eine Entschuldigung erfolgt selten, oft auch erst spät. Madonna und Lady Gaga haben berichtet, vor ihrem Durchbruch vergewaltigt worden zu sein. Aaliyah heiratete 1994 mit gerade mal 15 Jahren ihren musikalischen Förderer, R. Kelly. Die Ehe war illegal und wurde annulliert. Aaliyah, auf dem Weg zum Superstar, starb bei einem Flugzeugabsturz. R. Kelly wurde zum größten R&B-Sänger der 1990er.

    Inzwischen wartet er jedoch im Gefängnis auf einen weiteren Prozess wegen sexuellen Missbrauchs und anderer Straftaten. Es geht um 22 Anklagepunkte, einer davon lautet Kinderpornografie.

    Blamage für Janet Jackson - Keine Folgen für Timberlake

    Ein anderer Popstar, Janet Jackson, musste den Skandal, der den beinahe harmlosen Namen "Nipple-Gate" bekam, mehr oder weniger alleine mit einem Karriereabsturz "bezahlen". Es war die Halbzeitshow des Super Bowls im Jahr 2004. Im Nachhinein war die Rede von einer Fehlfunktion ihrer Kleidung, als ihr damaliger Duett-Partner Justin Timberlake versehentlich ihre Brust freilegte. Seitdem werden solche TV-Shows in den USA mit einigen Sekunden Verzögerung gesendet, um im Fall des Falles das Bild stoppen zu können.

    Im Gegensatz zu Janet Jackson hatte der Vorfall keine Auswirkungen auf Justin Timberlakes Karriere. Er entschuldigte sich erst vor wenigen Wochen auf Instagram speziell bei Britney Spears, seiner damaligen Freundin Anfang der 2000er, und Janet Jackson, weil er sie im Stich gelassen habe.

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