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Bildrechte: pa/dpa

Diskussion zum Frauentag bei Bundespräsident Steinmeier

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Weltfrauentag: Steinmeier ruft Männer zu mehr Engagement auf

Ein Mal im Jahr Rosen verteilen? Reicht nicht, sagen First Lady Elke Büdenbender und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Gemeinsam mit Expertinnen haben sie am Weltfrauentag über das oft noch brachliegende Potential von Frauen diskutiert.

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Von
  • Birgit Schmeitzner

Es ist die Stunde der Frauen im großen Saal von Schloss Bellevue: First Lady Elke Büdenbender diskutiert mit fünf Expertinnen aus verschiedenen Fachbereichen, die zuvor noch online mit zugeschalteten Frauen gebrainstormt haben. Geballte Expertise in Sachen Gleichberechtigung, Aufstiegschancen, egal ob in Wirtschaft oder Politik, Bildung oder Kultur. Da nimmt sich Mit-Gastgeber Frank-Walter Steinmeier, obschon Bundespräsident, zurück.

Digitalisierung muss geformt werden

Es ist eine lockere, aber sehr konzentrierte Runde, die einmütig sagt: Die Digitalisierung ist eine Chance für mehr Gleichberechtigung. Sie könne nur gelingen, wenn Frauen und Männer gleichermaßen beitragen. Dem nötigen gesamtgesellschaftlichen Umbau allerdings laufe langsam die Zeit davon. Büdenbender ist überzeugt:

"Es entscheidet sich heute, welche Rolle Frauen in der digitalen Welt von morgen haben." Elke Büdenbender

Den Prozess dorthin "sollen sich nicht die Männer unter die Nägel reißen".

Internet macht viel möglich, Hetze schreckt aber ab

Katrin Suder, die den Digitalrat der Bundesregierung leitet, sieht ganz viel Potential für Frauen in den sozialen Netzen: Sie können hier ihre eigene Reichweite, ihr eigenes Netzwerk aufbauen. Und damit die "oft weißen männlichen Gatekeeper, die bisher Politik und Kommunikation kontrolliert haben in Parteien und Institutionen, einfach disrupten" – also deren Einfluss stören.

Suder sieht hier allerdings auch eine große Gefahr, und zwar Hass im Netz. Der richte sich vor allem gegen Frauen, schrecke viele ab. Da müsse Politik etwas tun, Gesetze verbessern, Sexismus bestrafen, insgesamt auch die Strafverfolgung verbessern.

Corona hat das Bildungssystem aufgerüttelt

Auch Bildung nimmt einen großen Teil der Diskussion ein – weil hier ein Grundstein gelegt wird für Teilhabe von Frauen, für spätere Karrieren. Die Geschäftsführerin der Hacker School, Julia Freudenberg, sagt: Corona habe die Schulen digital aufgerüttelt, ohne diesen Druck wäre das "nie im Leben passiert". Freudenberg warnt davor, das wieder zurückdrehen zu wollen. Es gebe einen "gefährlichen Trend, das, was vorher war, zu glorifizieren". Dabei sei die Bildung vor dem Ausbruch der Pandemie in vielen Bereichen alles andere als zeitgemäß gewesen.

Jetzt gehe es darum, das Beste aus beiden Welten – analog und digital – zusammenzubringen. Freudenberg, die Mädchen ans Programmieren heranführt, ist sich dabei sicher: Schulklassen nur für Mädchen und später Studiengänge nur für Frauen seien hilfreich.

Emotionale Fähigkeiten höher schätzen

Für den Bereich Wirtschaft spricht die Telekom-Managerin Kenza Ait Si Abbou, ihr Fachgebiet ist die Künstliche Intelligenz (KI). Sie spricht sich dafür aus, Leistungsbeurteilung und Bewerbungsgespräche ganz neu zu denken, nicht dieselben Kriterien wie bisher nutzen. Bisher gehe es immer um den IQ, um Fakten, den erzielten Umsatz, welche Noten jemand mitbringt, auf welcher Universität er oder sie war.

Kenza Ait Si Abbou ist der Überzeugung, dass auch Care-Arbeit mit einbezogen werden muss, also die meist von Frauen geleistete Arbeit wie Kinderbetreuung oder Pflege. Und überhaupt: Emotionale Fähigkeiten seien wertvoll.

Steinmeier: Auch Männer müssen Gleichstellung wollen

Zustimmendes Nicken der anderen Frauen in der Runde, denen eines auch klar ist: Umsetzen lässt sich das alles nur, wenn man die Männer mit ins Boot holt. Indem man sie überzeugt oder mit Druck dazu bringt – wieso nicht zum Beispiel Teile der Bonuszahlungen daran knüpfen, dass Führungskräfte auf den Frauenanteil achten?

Den Bundespräsidenten müssen die Expertinnen von ihren Ideen nicht mehr überzeugen. Das macht er in seinen abschließenden Worten deutlich. Ein Mal im Jahr Rosen überreichen, damit sei es nicht getan, sagt Steinmeier und fügt hinzu: Männer müssen aktiv werden, sich für Gleichstellung einsetzen und sie selbst umsetzen.

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