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Der Vorsitzende des Weltärztebundes Frank Ulrich Montgomery begrüßt die Entscheidung der EMA, sich für den Impfstoff von Astrazeneca auszusprechen. Die europäische Arzneimittel-Agentur habe eine Risiko-Nutzen-Abwägung gemacht.

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Weltärztepräsident Montgomery begrüßt Astrazeneca-Entscheidung

Der Vorsitzende des Weltärztebundes Frank Ulrich Montgomery begrüßt die Entscheidung der EMA, sich für den Impfstoff von Astrazeneca auszusprechen. Die europäische Arzneimittel-Agentur habe eine Risiko-Nutzen-Abwägung gemacht.

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Von
  • Rolf Büllmann

Der Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery begrüßt die Entscheidung, den Astrazeneca-Impfstoff wieder einzusetzen. Im Interview mit der Bayern 2-radioWelt sagte er in Hinblick auf die Wiederaufnahme der Astrazeneca-Impfungen in Deutschland, die europäische Arzneimittel-Agentur EMA habe "eine reine Risiko-Nutzen-Abwägung gemacht. In der kurzen Zeit kann man die wissenschaftliche Frage ja nicht eindeutig klären."

Diese Abwägung sei "besser als bei vielen Medikamenten, die wir, ohne groß nachzudenken, jederzeit einnehmen", betonte der Vorsitzende des Weltärztebundes. Gleichwohl könne er nachvollziehen, dass Bundesgesundheitsminister Spahn die Impfung mit Astrazeneca vorübergehend gestoppt habe:

"Ein Bundesgesundheitsminister, der von Haus aus weder Wissenschaftler noch Arzt ist, der von seinem wissenschaftlichen Institut die Warnung bekommt, da ist irgendwas, was wir noch nicht eindeutig einschätzen können, wo wir das Risiko noch nicht berechnen können, ist gut beraten, auf den Rat seiner Fachleute zu hören und die Impfung auszusetzen." Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery

Diese zwei, drei Tage würden aus Sicht Montgomerys "den Kohl nun wirklich nicht fett" machen. Sicherheit gehe hier vor Schnelligkeit: "Wenn Sie einfach mit Gewalt durchimpfen, dann zerstören sie noch mehr an dem Image."

Kampagne für besseres Image des Impfstoffes

Um das angeschlagene Image des Astrazeneca-Impfstoffes wieder zu reparieren, seien "Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit" nötig, so Montgomery:

"Wir müssen die Karten auf den Tisch legen. Wir müssen den Leuten auch sagen, dass es sich um eine Risikoabschätzung handelt. Und das ist für viele Menschen, die nicht wissenschaftlich ausgebildet sind, extrem schwer einzuschätzen." Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery

Außerdem könne er sich eine Imagekampagne mit Prominenten vorstellen, die sich vor den Kameras mit Astrazeneca impfen lassen. "Ich würde mich sofort impfen lassen, wenn davon ein Tröpfchen übrig wäre", so Montgomery.

Astrazeneca ohne Priorisierung verimpfen

Er bekräftigte seine Forderung, die Impfpriorisierung bei Astrazeneca aufzuweichen und diejenigen zu impfen, die sich damit impfen lassen wollen. "Wenn Menschen den Astrazeneca-Impfstoff nicht haben wollen und wir können sie nicht überzeugen, dann sollte man ihnen einen anderen Impfstoff geben und sollte den Astrazeneca-Impfstoff dann an der Prioritätenliste vorbei freigeben, damit er nicht verfällt."

Es sei im Interesse der Gesellschaft, möglichst viele Menschen mit der Impfung zu erreichen, da nutze es nicht, "in den Schmollwinkel zu gehen, weil sie Astrazeneca nicht haben wollen."

Impfungen mit Astrazeneca sollen in Deutschland wieder starten

Die vorsorglich gestoppten Corona-Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca sollen in Deutschland wieder starten - aber mit einem neuen Warnhinweis zu möglichen Nebenwirkungen. Ziel sei, dass schon an diesem Freitag wieder begonnen werden könne, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstagabend nach einem Votum der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) und Beratungen mit den Ländern. Die EMA hatte zuvor die Sicherheit des Impfstoffes bekräftigt. Es werde aber eine extra Warnung vor möglichen seltenen Fällen von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen hinzugefügt.

Die EMA-Experten hatten den zugelassenen Impfstoff von Astrazeneca erneut auf den Prüfstand gestellt, nachdem in einigen europäischen Ländern Auffälligkeiten bekannt geworden waren. In Deutschland gibt es inzwischen 13 gemeldete Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zu Impfungen mit dem Präparat, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Drei Patienten seien gestorben. Insgesamt handele es um zwölf Frauen und einen Mann im Alter von 20 bis 63 Jahren. Die Bundesregierung stoppte den Einsatz von Astrazeneca am vergangenen Montag nach einer Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) - damals gab es sieben Fälle. Trotz mehr als 1,6 Millionen Impfungen sei dies überdurchschnittlich häufig.

Spahn: Aussetzen von Astrazeneca war notwendig

Spahn sagte, das vorsorgliche Aussetzen sei notwendig gewesen, um Sicherheit zu bekommen. Ärzte ohne diese Informationen weiterimpfen zu lassen, wäre schwer zu verantworten gewesen. Aufklärungsbögen für Ärzte und Patienten sollten ergänzt werden. Mit Wiederaufnahme der Impfungen gelte es nun, die vier seitdem vergangenen Tage aufzuholen.

Die EMA hatte erklärt, sie sehe keine erhöhten Gesundheitsgefahren und empfahl die Fortsetzung der Impfungen. "Der Impfstoff ist sicher und effektiv gegen Covid-19, und die Vorteile sind wesentlich größer als die Risiken", sagte EMA-Chefin Emer Cooke am Donnerstag in Amsterdam nach einer Sondersitzung des Sicherheitsausschusses. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Impfungen die Vorfälle verursacht hätten.

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