Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

"Weiter Topliga": Regensburgs Domkapellmeister im Interview | BR24

© BR

Christian Heiß

Per Mail sharen
Teilen

    "Weiter Topliga": Regensburgs Domkapellmeister im Interview

    Missbrauch und Mädchen: Dazu muss der neue Chef der Regensburger Domspatzen immer wieder Stellung beziehen. Christian Heiß will aber auch über den Klang des Chores sprechen - und über seine eigene Zeit bei den Domspatzen.

    Per Mail sharen
    Teilen

    Herr Heiß, war die Stelle in Regensburg für Sie als ehemaliger Domspatz ein Traumjob?

    Christian Heiß: Eigentlich gar nicht so. Die Idee, mich zu bewerben, ist eigentlich erst gereift, als die Ausschreibung veröffentlicht wurde. So einen Wechsel muss man sich auch gut überlegen. Aber es ist natürlich spannend, an den Ort zurückzukommen, an dem man groß geworden ist.

    Und wie waren nun die ersten Monate?

    Es ist klar, dass die Stelle als Domkapellmeister in Regensburg prominent ist und dass die Domspatzen mit ihrer Bekanntheit und der Erwartungshaltung, die an den Chor gerichtet ist, schon ein anderes Kaliber sind als der Job als Domkapellmeister in Eichstätt. Aber die Arbeit an sich ist nicht sehr viel anders. Ich hatte auch in Eichstätt nicht weniger Proben und mit vielen jungen Menschen zu tun. Ich fühle mich sehr wohl.

    Welche klanglichen Akzente wollen Sie setzen?

    Ich übernehme ja einen Klang. Der ist präsent, er ist klar, er hat große Kraft. Ich setze an dieser Stelle an, das ist keine Frage. Ich werde in meiner Art und Weise, wie ich Musik empfinde, an dem Klang arbeiten. Das haben ja alle Vorgänger auch getan. Mein großes Credo ist die große dynamische Bandbreite. Und da werde ich ganz sicher etwas tun. Der Klang hat sich immer abhängig vom Domkapellmeister verändert.

    Sie haben sich als Verantwortlicher in Eichstätt einen Namen für die gute Nachwuchsarbeit gemacht. Was ist da Ihr Rezept, das Sie mit nach Regensburg gebracht haben?

    Die allererste Voraussetzung ist ein positiver Zugang zum Kind. Es gilt, den Menschen zu sehen und darüber dann zur Stimme zu kommen. Das habe ich in Eichstätt so praktiziert und möchte das hier in Regensburg fortsetzen.

    © BR

    Christian Heiß 1999: Damals wirkte er als Diözesanmusikdirektor von Eichstätt

    Die Domspatzen wurden in den vergangenen zehn Jahren vor allem über das Thema Missbrauch wahrgenommen. Hätten Sie sich zur Hochzeit des Skandals einen Wechsel nach Regensburg vorstellen können?

    Wohl eher nicht. Ich habe mitbekommen, wie sehr Roland Büchner als Domkapellmeister gelitten hat, als nur wenig bei der Aufarbeitung voranging. Für meinen Entschluss zum Wechsel war entscheidend, dass dies auch dank Bischof Rudolf Voderholzer jetzt anders ist. Wichtig ist auch, dass unser bereits 2002 eingeführtes Präventionskonzept funktioniert. Das durch den Skandal verursachte Tal bei den Bewerberzahlen scheint durchschritten. Aber klar ist auch: Die Missbrauchsdiskussion ist nicht aus der Geschichte der Domspatzen wegzudenken.

    Sie waren selbst von 1977 bis 1986 Schüler bei den Domspatzen – was haben Sie von alledem mitbekommen?

    Ich habe sexuellen Missbrauch oder körperliche Misshandlungen selbst nie erlebt, geschweige denn mitbekommen, dass was passiert ist. Meine Eltern sagen heute noch: Wenn wir so etwas gewusst hätten, hätten wir Dich da rausgeholt. Was wir erlebt haben, war eine seltene Watschn, nicht aber, dass jemand niedergeprügelt worden wäre. Ich war - bis auf die Heimwehphasen - sehr gern bei den Domspatzen.

    © pa/dpa/Jan Woitas

    Die Regensburger Domspatzen heute ...

    © dpa

    ... und 1976 unter der Leitung von Georg Ratzinger

    Sie haben in Eichstätt auch Mädchen-Chöre gehabt. Wollen Sie einen solchen auch in Regensburg?

    In Regensburg ist ja derzeit schon eine Mädchenkantorei im Aufbau, unter dem Dach der Hochschule für katholische Kirchenmusik. Ob ein Mädchenchor in Zukunft eine Rolle in der Domliturgie spielen wird, wird man sehen. Das ist nicht meine Entscheidung allein. Die Domspatzen jedenfalls haben als Kernprägung ihre Ausrichtung als Knabenchor.

    Wo sollen die Domspatzen in zehn Jahren stehen?

    Sie sollen weiterhin zu den bekannten, berühmten Knabenchören gehören, weiterhin in der Top-Liga mitspielen. Das ist der allererste Anspruch, den wir haben. Sie sollen im Dom als Domchor in der Liturgie präsent sein und dort die Menschen glücklich machen.

    Der studierte Kirchenmusiker und Chorkomponist Christian Heiß (52) ist verheiratet und hat drei Kinder. Am 1. September hatte er sein Amt als Domspatzenchef angetreten - als Nachfolger von Roland Büchner, der den Knabenchor 25 Jahre lang leitete.