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Die Ständige Impfkommission wehrt sich gegen politische Einmischung - doch die Rufe aus der Politik nach einer generellen Corona-Impfempfehlung für 12- bis 17-Jährige mehren sich.

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Politik lässt nicht locker: Druck auf Stiko wegen Kinderimpfung

Die Ständige Impfkommission wehrt sich gegen politische Einmischung - doch die Rufe aus der Politik nach einer generellen Corona-Impfempfehlung für 12- bis 17-Jährige mehren sich. Auch Gesundheitsminister Spahn und Schülervertreter äußern sich.

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Von
  • Petr Jerabek

Entgegen dem Beschluss der Ständigen Impfkommission (Stiko) wirbt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dafür, dass sich auch möglichst viele 12- bis 17-Jährige gegen Corona impfen lassen. Es gebe eine Stiko-Empfehlung, "aber am Ende gibt's eben auch einen zugelassenen, sicheren und wirksamen Impfstoff", sagte Spahn im ARD-"Morgenmagazin". Die Wahl laute: Entweder man werde geimpft oder infiziert, mit dem Risiko einer Folgeerkrankung.

Im Juli und vor allem August werde es in Deutschland ausreichend Impfstoff auch für für die 12- bis 17-Jährigen geben. "Und ich finde, wir sollten einfach die Kinder und Jugendlichen selbst entscheiden lassen", betonte Spahn. "Jedenfalls bin ich persönlich dafür, dass sich möglichst viele impfen lassen - nach individueller Entscheidung." Knapp 500.000 Kinder und Jugendliche über 12 seien bereits geimpft.

Holetschek: Daten aus den USA auswerten

Auch nach Meinung des bayerischen Gesundheitsministers Klaus Holetschek (CSU) ist es "wichtig, Kindern und Jugendlichen ein Impfangebot zu machen". Im BR-Interview schloss er sich der Forderung anderer Politiker an, dass die Stiko ihre Empfehlung überprüfen sollte. "Wir sollten möglichst bald auch die Daten auswerten, die international ja schon zur Verfügung stehen." In den USA würden Kinder und Jugendliche ja schon geimpft. "Diese Dinge müssen eigentlich eine Grundlage für uns bieten, um auch da die Schlussfolgerungen zu ziehen.

In den vergangenen Tagen hatten sich unter anderen der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU), sein niedersächsischer Amtskollege Stephan Weil (SPD), die SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach für die Impfung von Kindern und Jugendlichen stark gemacht - und zum Teil die Stiko zu einer neuen Bewertung der Lage aufgefordert.

Keine generelle Impfempfehlung für 12- bis 17-Jährige

Das Experten-Gremium hat bisher keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ausgesprochen. Sie empfiehlt Corona-Impfungen für 12- bis 17-Jährige nur bei bestimmten Vorerkrankungen. Die Stiko begründete dies unter anderem damit, dass das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung für diese Altersgruppe gering sei. Für junge Menschen ohne Vorerkrankung ist eine Corona-Impfung aber "nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz möglich".

Stiko kritisiert Einmischung der Politik

Zuletzt verwahrten sich mehrere Stiko-Mitglieder gegen eine Einmischung der Politik in dieser Frage. "Die Stiko ist im Gesetz bewusst als unabhängige Kommission angelegt. Die laute Einmischung der Politik ist kontraproduktiv und nützt niemandem", schrieb Stiko-Chef Thomas Mertens der dpa. Der Münchner Kinderepidemiologe Rüdiger von Kries wies die Forderungen der Politik auf BR-Anfrage als "wenig hilfreich" zurück: "Dies ist eher Wahlkampf und Ablenkung von der eigenen Konzeptionslosigkeit."

Der Erlanger Immunologe Christian Bogdan betonte, derzeit erlaube die Nutzen-Risiko-Abwägung keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren. Es gehe nicht um ein politisch motiviertes Überdenken "einer mit Bedacht ausgesprochenen Empfehlung", sondern um die fortlaufende Sichtung und Bewertung der wissenschaftlichen Datenlage, stellte er im BR klar. Dieser Kernaufgabe versuche die Stiko immer nach bestem Wissen und Gewissen gerecht zu werden und benötige dazu keinen Anstoß durch die Politik.

Auch Politiker mehrere Parteien wiesen die Forderungen an die Stiko zurück. Der AfD-Gesundheitsexperte im bayerischen Landtag, Andreas Winhart, forderte "Söder, Lauterbach und die anderen Impfprediger auf", endlich auf die Empfehlung der Fachleute zu hören. Bayerns FDP-Fraktionchef Martin Hagen twitterte: "Der Angriff einiger Politiker von Union und SPD auf die Unabhängigkeit der Stiko ist unerträglich." Kritik kam auch von den Freien Wählern und Grünen.

Schülervertreter fordern Impfangebot

Unterdessen fordert die Bundesschülerkonferenz ein Impfangebot für alle Jugendlichen in den Sommerferien, um möglichst viel Präsenzunterricht im neuen Schuljahr sicherzustellen. "Es gibt viele impfwillige Jugendliche ab zwölf Jahren, und diese Jugendlichen müssen jetzt ihr Impfangebot in den Sommerferien erhalten. Das ist eine ganz klare Forderung von uns", sagte der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, dem ZDF. Ganz wichtig sei, Schülern gleich zu Beginn der Ferien die ersten und am Ende die zweite Impfung anzubieten - "dann können wir sozusagen einen immunen Schulstart gewährleisten".

Auch der Koordinator des Landesschülerrats in Bayern, Moritz Meusel, mahnte, es dürfe jetzt nicht gezögert werden. "Es ist wichtig, dass wir jetzt möglichst schnell impfen - auch bei den Kindern", sagte er dem BR, "damit wir im Herbst einen sicheren Schulbetrieb haben." Bis zum Start des neuen Schuljahrs sollten alle durchgeimpft sein. "Das heißt, man müsste jetzt innerhalb der nächsten und übernächsten Woche anfangen (...) in die Schulen zu gehen und jeden, der es auch möchte, impfen."

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Bayerns Landesschülersprecher Moritz Meusel fordert, dass alle Schüler zum neuen Schuljahr in Bayern geimpft sind. Die Politik müsse dafür die Weichen stellen, so der Bamberger.

Impfaktion für Schüler in Hof

Die Stadt und der Landkreis Hof haben für diese Woche eine Sonderimpfaktion speziell für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren angesetzt. "Gerade mit Blick auf die bevorstehenden Sommerferien gilt es, sich und damit auch andere bestmöglich zu schützen", teilte Johann Schötz, ärztlicher Leiter im Impfzentrum Hofer Land, mit. "Deshalb bieten wir allen Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren die Möglichkeit, noch vor den Ferien beide Schutzimpfungen zu erhalten." Das Angebot gelte auch für deren Eltern.

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