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Das Knabenseminar soll vom Vatikan hinaus verlegt werden. Der Vatikan hat am Mittwoch entsprechende Medienberichte bestätigt.

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    Wegen Missbrauchsprozess: Knabenseminar im Vatikan wird verlegt

    Papst Franziskus verlegt das Knabenseminar am Petersdom. Damit reagiert er auf einen Missbrauchs-Prozess gegen einen ehemaligen Tutor. Mit dem Umzug wolle man die Jungen aus den Vatikanmauern heraus in ein transparenteres Umfeld bringen.

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    • BR24 Redaktion

    Papst Franziskus will ein Knabenseminar, das sich aktuell noch unmittelbar neben dem Petersdom befindet, aus dem Gelände des Vatikanstaates hinaus verlegen. Damit bestätigt der Vatikan am Mittwoch Medienberichte vom vergangenen Freitag. Mit dem für September geplanten Umzug des Internats sollten die rund 30 Schüler näher dran sein an ihren Schulen und Stätten des Freizeitprogramms, hieß es zunächst in der Mitteilung. Man habe schon "seit längerem die Möglichkeit eines Umzuges" in Erwägung gezogen. Mit der Verlegung wolle Franziskus die Jungen aus den Vatikanmauern heraus in ein transparenteres Umfeld bringen, hieß es in einem Bericht des "Messaggero" vom Freitag.

    Franziskus reagiert auf laufenden Strafprozess

    Mit dem Entschluss reagiert Franziskus auf einen laufenden Strafprozess wegen mutmaßlichen Missbrauchs in dem Seminar. Dort soll ein Obermessdiener und angehender Priester zwischen 2006 und 2012 Jungen schikaniert, sexuell belästigt und missbraucht haben. Der Beschuldigte, der in dem Seminar als Tutor tätig war, wie auch seine Opfer, waren zu Beginn der fraglichen Zeit minderjährig.

    Dem damaligen Rektor des Seminars, der heute 71 Jahre alt ist, wird vorgeworfen, den mutmaßlichen Täter geschützt und trotz bekannter Vorwürfen dessen Weihe zum Priester gefördert zu haben. Außerdem soll er Ermittlungen behindert haben. Ihm wirft der vatikanische Strafverfolger daher Beihilfe zum Missbrauch vor.

    Jugendliche werden als Messdiener im Petersdom eingesetzt

    Das 1956 gegründete "Preseminario Pio X." mit staatlich anerkanntem Schulabschluss ist die einzige Einrichtung im Vatikan, in der Buben zwischen elf und 14 Jahren untergebracht sind. Die Jungen dort werden zudem als Messdiener bei liturgischen Feiern im Petersdom eingesetzt. Papst Franziskus hoffe jedoch, dass die Jungen diesen Dienst auch weiterhin übernehmen würden.

    Seit Prozessbeginn Mitte Oktober wird versucht zu klären, was in dem Internat übliche Scherze und Schikane unter pubertierenden Jugendlichen waren und was strafrechtlich relevanter Missbrauch und eine Verletzung von Aufsichtspflicht gegenüber Schutzbefohlenen. Erschwert wird das Verfahren laut Prozessbeobachter durch fehlende Erinnerungen und widersprüchliche und oft wechselnde Zeugenaussagen. Der nächste Prozesstag ist für 7. Juni vorgesehen.

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